PB-Plotten 4: Prämisse

Mit der Prämisse kommen wir zu einem Thema, das in Autorenkreisen wohl zu den umstrittensten überhaupt gehört. Einerseits hinsichtlich der richtigen Definition dieses Dings, das sich da Prämisse nennen will, andererseits hinsichtlich der Nützlichkeit desselben.

Wer jetzt schon keine Lust mehr hat, sich damit zu befassen, dem sei gesagt, dass er, so er sich den Hauptkonflikt seiner Geschichte erarbeitet hat und dem Projekt vielleicht sogar einen Pitch vorangestellt hat, schon ganz gut aufgestellt ist. Letztlich erweitert die Prämisse den notierten Konflikt nur um einen, wenn auch nicht ganz unwesentlichen Aspekt.

Die Prämisse setzt nicht nur den Anfangs-, sondern auch den Endpunkt unserer Geschichte. James N. Frey definiert sie in seinem Schreibratgeber „Wie man einen verdammt guten Roman schreibt“ folgendermaßen:

Die Prämisse einer Geschichte ist einfach eine Feststellung dessen, was mit den Figuren als Ergebnis des zentralen Konflikts der Geschichte passiert.*

Ich habe durch Frey zum Verständnis der Prämisse gefunden, empfinde aber diese Definition als ungenau formuliert, zumindest dann, wenn man es sehr genau nimmt. Auch seine Beispiele sind übrigens nicht immer treffsicher.

Wollten wir die Definition Freys beim Wort nehmen, wäre die Festellung: „Verbrecher Toni muss ins Gefängnis“, für die entsprechende Geschichte eine Prämisse. Sie stellt fest, was mit Toni als Ergebnis des zentralen Konflikts dieser Geschichte passiert.

Klar, die Prämisse sollte nicht nur das Ergebnis des zentralen Konflikts feststellen, sondern den zentralen Konflikt selbst ebenso:

Verbrecher Toni begeht einen Mord, der ihn schließlich ins Gefängnis bringt.

Mit dem Mord gerät Toni in einen Konflikt, der am Ende der Geschichte dazu führt, dass er eingelocht wird.

Und auch wenn es mit dem zentralen Konflikt bereits angedeutet ist, soll noch einmal betont werden, dass auch die Prämisse sich nicht auf irgendwelche Figuren bezieht, sondern auf den oder die Protagonisten.

Die Prämisse einer Geschichte ist  eine Feststellung des zentralen Konflikts der Geschichte und dessen, was mit dem  oder den Protagonisten als Ergebnis dieses Konflikts passiert.

Oder einfacher ausgedrückt:

Die Prämisse stellt dem zentralen Konflikt einer Geschichte seine Lösung gegenüber.

Das erscheint doch wirklich simpel. Und das ist es im Prinzip auch, schließlich haben wir den zentralen Konflikt (also den Hauptkonflikt) schon herausgearbeitet.

Wenn wir also einen Protagonisten namens Peter haben, der sich in Lisa verliebt, die allerdings diese Liebe nicht erwidert, dann haben wir Peters Konflikt, der seine Geschichte antreibt. Da Peter der Protagonist ist, ist sein Konflikt folgerichtig der zentrale Konflikt. Fehlt demnach nur noch die Lösung des Konflikts.

Je nachdem, was wir uns als Ende unserer Geschichte wünschen, könnte Peter schließlich doch die Liebe Lisas erringen, sein Ringen um sie könnte aber auch vergebens sein und ihn ins Unglück stürzen, ihn vielleicht in den Selbstmord treiben.

Unsere Prämisse könnte also lauten:

Peter verliebt sich in Lisa, die ihn nicht liebt, doch am Ende kann er ihre Liebe erringen und wird glücklich mit ihr.

Oder:

Peter verliebt sich in Lisa, die ihn nicht liebt, was ihn am Ende in den Selbstmord treibt.

Dass uns die Prämissen in diesen Beispielen noch ziemlich wenig über den jeweiligen Verlauf der Geschichte sagen, wollen wir zunächst einmal nicht weiter beachten.

Wer schon ein bisschen was über Prämissen gehört oder gelesen hat, wird vor allem feststellen, dass diese in der Regel deutlich kürzer, vor allem aber abstrakter formuliert werden. Nämlich etwa so:

Unglückliche Liebe führt ins vollkommene Glück.

Unglückliche Liebe führt in den Selbstmord.

Damit sehen wir schon, wo das erste Problem für viele Autoren liegt. Derart formuliert klingt die Prämisse wie die „Moral von der Geschicht“, wie eine allgemeine Weisheit, eine Botschaft, die noch dazu in vielen Fällen als äußerst fragwürdig einzustufen wäre.

Nichts davon ist die Prämisse, wie auch immer sie formuliert wird. Es geht ihr nicht darum, der Welt etwas fundamental Wichtiges mitzuteilen, es geht ihr überhaupt nicht darum, der Welt etwas mitzuteilen. Die Prämisse ist einzig ein Werkzeug, ein Hilfsmittel für den Autor, das ihm beim Plotten seiner Geschichte als Leitfaden dienen soll.

Und obwohl sie in dieser scheinbar allgemeingültigen Weise formuliert ist, ja obwohl sie so für viele Geschichten als Prämisse dienen könnte, dient sie immer nur der einen, für die sie erstellt wurde. Sie benennt den Ausgangspunkt der Geschichte, der in jeder spannenden Geschichte durch den zentralen Konflikt hergestellt wird, und den Endpunkt der Geschichte, der der Lösung des Konflikts entspricht.

Warum wird die Prämisse dann so allgemein formuliert und nicht in der Weise, wie wir sie zuerst und ganz konkret erarbeitet haben? Nun dafür mag es viele Gründe geben. Möglicherweise klingt es einfach gewichtiger. Mir jedenfalls leuchtete das lange nicht ein.

Doch ich fand inzwischen zwei Gründe, die miteinander zusammenhängen und für mich durchaus nachvollziehbar sind:

  1. Für denjenigen, der die Prämisse wirklich als solche begreift und der sich vollkommen frei von jedem (pseudo-) moralischen Überbau machen kann, ist sie einfach kürzer, übersichtlicher und damit griffiger.
  2. In dieser Form an den Bildschirm geheftet, gemahnt sie den Autor eher an ein ehernes Gesetz, dem er sein Schreiben unterwerfen muss. Wie eine Anleitung, eine Aufgabenstellung thront die Prämisse damit über dem Schreibprozess, schnell zu erfassen und stets gegenwärtig. Ein Spruch, den man sich für die Dauer seiner Arbeit leicht merken kann.

Gerade Punkt 2 deutet ein weiteres Problem an, die Frage nämlich, ob die Prämisse nicht schädlich für die Kreativität des Autors sein kann. Auch diese Frage schieben wir noch zurück.

Bleiben wir zunächst noch bei dieser unsäglich verallgemeinerten Formulierung, bei der es manchem Autor einfach nicht gelingen will, das Moralische aus dem Kopf zu bekommen. Nun, trotz der genannten Vorteile ist niemand gezwungen, seine Prämisse genau so und nicht anders zu formulieren. Sie ist ein Werkzeug für den Autor, der darüber niemandem Rechenschaft ablegen muss.

Zwei Vorschläge für diejenigen, denen es so ergeht. Da wäre zum einen die Möglichkeit, sich auch durch schriftliche Niederlegung den konkreten Bezug zur eigenen Geschichte stets zu verdeutlichen:

In meiner Geschichte führt unglückliche Liebe ins vollkommene Glück.

In meiner Geschichte führt unglückliche Liebe in den Selbstmord.

Problem gelöst! Niemand wird anzweifeln, dass es in einer bestimmten Geschichte jenseits aller Moral möglich ist, dass eine unglückliche Liebe am Ende glücklich ausgeht, während sie in eines anderern Geschichte zum Selbstmord des Protas führen kann.

Zum anderen kann man natürlich auch einfach eine je nach Geschmack etwas verkürzte Variante unserer allerersten Version wählen, die den konkreten Bezug zu unserem Protagonisten herstellt:

Der unglücklich verliebte Peter findet am Ende das Glück/zu seiner Liebe.

Der unglücklich verliebte Peter bringt sich am Ende um.

Oft liest man Prämissen wie „Mut führt zu Reichtum“, „Ehrgeiz führt ins Unglück“ oder „Selbstzweifel machen berühmt“. Ich stehe derartigen Prämissen, wie sie leider auch Frey als Beispiele anführt, sehr skeptisch gegenüber. Sie gehen nämlich von einer Charaktereigenschaft aus. Zum einen sind sie damit noch anfälliger daür, dass man sich nicht von einer moralischen Interpretation befreien kann, zum anderen sagen sie damit in der Regel nichts über den zentralen Konflikt aus.

Mir scheint es eher, als sei auch Frey damit in  eine Art Prämissenfalle getappt, die vor allem dann aufschnappt, wenn man bereits geschriebenen literarischen Werken eine Prämisse aufdrücken will. Das dürfte vor allem damit zusammenhängen, dass dem Leser häufig die hervorstechenden Eigenschaften, mit denen ein Protagonist seinen Konflikt angeht, besser im Gedächtnis bleiben als der Konflikt selbst.

So unterstellt Frey Hemmingways „Der alte Mann und das Meer“ die Prämisse „Mut führt zur Erlösung“.** Dass der alte Mann zweifellos mutig ist, will ich nicht bestreiten. Aber er ist ebenso ehrgeizig. Und es mag Leser geben, die sich von einer anderen seiner Charaktereigenschaften besonders angesprochen fühlen oder jene etwas anders benennen würden.

Was soll ich als Autor aber mit einer Prämisse, bei der ich mir mehr oder weniger beliebig eine besonders hervorstechende Eigenschaft meiner Figur herauspicke, um sie als (allein ursächlich) für die Lösung des zentralen Konflikts hinzustellen.

Auch verwischt eine solche Vorgehensweise den tatsächlichen Ausgangspunkt einer Geschichte. Eine sauber konstruierte Geschichte beginnt in dem Moment, wenn die Hauptfigur mit dem zentralen Konflikt konfrontiert wird. Alles, was bis dahin geschieht, ist Vorbereitung der Geschichte, also Vorgeschichte, alles was im Anschluss passiert ist Folge des eingetretenen Konflikts, also die Entwicklung des Konflikts bis zu seinem Höhepunkt und seiner schlussendlichen Lösung.

Wenn ich mir nun relativ willkürlich einen Punkt auf dieser Entwicklungslinie für meine Prämisse wählen würde, könnte ich den eigentlichen Konflikt schnell aus den Augen verlieren. Und natürlich sagt das auch Frey. Doch er hält sich seltsamerweise des Öfteren nicht daran.

Denn natürlich reagiert der alte Mann aus Hemmingways Geschichte nur mit seinem Mut (der Verzweiflung) auf seinen Konflikt, der in Wirklichkeit der ist, dass er langsam aber sicher zu alt fürs Fischen wird (weshalb der Erfolg ausbleibt, der einerseits seine Lebensgrundlage andererseits seinen Stolz ausmacht***).

Meiner Meinung nach sollte man also sehr darauf achten, dass eine Prämisse als Ausgangspunkt immer den zentralen Konflikt wählt. Würde man mich zwingen, für „Der alte Mann und das Meer“ eine Prämisse zu formulieren, würde sie nach meinen drei Formulierungsvorschlägen etwa lauten:

Altersbedingte Erfolglosigkeit führt zu bedingtem Erfolg.

In Hemmingways Geschichte führt altersbedingte Erfolglosigkeit zu bedingtem Erfolg.

Santiago ist im Alter beim Fischen erfolglos, bringt aber am Ende die Überreste eines riesigen Fischs ein, den er nur an die Haie verloren hat.

Wenn wir uns die erste Formulierung noch einmal anschauen, scheint die rein logisch überhaupt keinen Sinn zu ergeben. Erfolglosigkeit führt zum Erfolg! Wie blöde ist das denn?

Tja, da sind wir gleich beim nächsten Problem, das den Autor mit der Prämisse plagt. Eines, das im Prinzip unserem ersten (dem mit der Moral) sehr ähnlich ist. Denn genau wie wir uns klar machen müssen, dass die Prämisse frei von moralischen Ansprüchen ist, müssen wir uns auch klar machen, dass sie für sich genommen keinen Sinn ergibt.

Die Prämisse ist ein Werkzeug, kein Ergebnis. Wir müssen sie durch unsere Geschichte erst mit Sinn erfüllen, Frey spricht davon, dass wir sie beweisen müssen und da gebe ich ihm recht.

Die Prämisse gibt uns nur den Anfangs- und den Endpunkt unserer Geschichte vor (die wir ja in Wirklichkeit selbst bestimmen). Den Weg von A nach Z müssen wir erst noch finden. Er stellt unsere Geschichte dar. Und er besteht aus einer logischen Folge von Ursache und Wirkung, die bei A (dem Ausgangspunkt, der in der Prämisse festgelegt wurde) beginnt und bei Z (dem in der Prämisse genannten Endpunkt) endet.

Gerade die scheinbare Unlogik der Prämisse macht das deutlich, zwingt uns, wie weiter oben bereits angedeutet, sie als Aufforderung zu verstehen, diese logische Verknüpfung herzustellen. Es ist, als würden uns (von uns selbst) einige Zutaten bereitgestellt. Dazu bekommen wir (wieder von uns selbst) die Anweisung, dass am Ende ein Pflaumenkuchen auf dem Tisch stehen soll.

Oder begreifen wir unseren Roman als ein göttliches Experiment. Dazu nehmen wir uns einen Protagonisten und stellen ihn in eine Konfliktsituation. Außerdem geben wir vor, wie er aus diesem Konflikt hervorgehen soll. Wir geben ihm noch ein paar Stärken und Schwächen an die Hand und schauen, wie er es schaffen wird, den Konflikt damit so zu meistern, wie wir es uns wünschen.

Und damit sind wir jetzt endlich bei der Frage nach der Kreativität. Ist es nicht so, dass die Vorgabe der Prämisse uns in unserer Kreativität einschränken kann? Eindeutig: Ja! Sie kann es, weil es auch das Plotten als Ganzes kann.

Wie unter anderem schon in der Einführung geschrieben, ist es stark von der Autorenpersönlichkeit abhängig, ob einem durch Plotten geholfen ist oder nicht. Und manche hemmt es sogar. Das gilt gleichermaßen für die Prämisse, die ja nichts anderes ist, als ein Mittel zum Plotten.

Vor allem betrifft das diejenigen, die sich im Schreibprozess durch die eigene Neugier angestachelt fühlen, weil sie bis nahezu zum Schluss des Schreibprozesses nicht wissen, wie ihre Geschichte nun enden wird. Bei denen also, bei denen das eine grundlegende Vorraussetzung zum Schreiben darstellt, wäre es geradezu fatal, ihnen eine Prämisse aufzwingen zu wollen, zu der ja nun gerade gehört, dass man frühzeitig den Ausgang der Geschichte bestimmt.

Wie auch schon geschrieben, ist es für diejenigen nur wichtig, im Nachhinein zu prüfen, ob ihre Geschichte einem roten Faden folgt, ob und wie viel es unter diesem Gesichtspunkt umzuarbeiten oder sogar zu streichen gilt. Auch dann kann man im Übrigen mit einer rückwirkend aufgestellten Prämisse manches finden, was gar nicht zur Geschichte gehört, falls man nicht feststellen muss, dass man gar keine Geschichte erzählt hat.

Und mancher hat beim Versuch schon festgestellt, dass er nur dem Glauben verfallen war, er könne es nur mit dem reinen Bauchschreiben.

Denn, um aus einer Prämisse einen vollständigen Plot zu entwickeln, braucht es durchaus einiges an Kreativität. Denn nun will ich abschließend noch dazu kommen, wie uns denn die Prämisse eigentlich nützen soll, wie wir sie anwenden. In gewisser Weise schon ein Vorausblick auf die folgenden Punkte der Liste und eine Zusammenfassung der bisherigen.

Sagen wir, wir kennen jemanden, der schon seit Jahren darunter leidet, dass er unglücklich verliebt ist. Er bemüht sich vergeblich seine Liebe zu erringen, mit der er häufigen Umgang hat, aber weder kommt er ihr auf die gewünschte Weise näher, noch gelingt es ihm sich einer anderen zuzuwenden. Man könnte sagen, er ist äußerst beharrlich.

Nun haben wir schon oft gedacht, wie dem armen Kerl zu helfen wäre, denn es gibt eigentlich niemanden, der glaubt, sein Problem könne sich irgendwann zum Guten wenden.

Daraus entwickelt sich die Idee, einen Roman zu schreiben, in dem der Protagonist, nennen wir ihn Peter, ebenso unglücklich verliebt ist wie unser Bekannter.

Wir können die Idee zuerst pitchen:

Der Roman erzählt die Geschichte von Peter, der sich unsterblich in Lisa verliebt, die jedoch seine Gefühle nicht erwidert.

In diesem Pitch ist der zentrale Konflikt schon enthalten (was nicht immer so sein muss). Schließlich ist die Geschichte für sich genommen auch erst einmal reichlich unkompliziert.

Formulieren wir den Konflikt dennoch noch einmal in abgespeckter Form:

Peter liebt Lisa, aber Lisa liebt ihn nicht.

Nun formulieren wir die Prämisse. Dazu brauchen wir die Essenz unseres zentralen Konflikts und die Lösung desselbsn, um die wir uns bisher noch gar nicht gekümmert haben.

Unsere Idee ist es, dass Peter am Ende der Geschichte sein Liebsglück findet. Schon damit können wir die Prämisse formulieren, jeder auf die Art, die ihm am hilfreichsten erscheint, gern auch nach dem Vorbild eines der von mir gebrachten Vorschläge. Also zum Beispiel:

In diesem Roman führt eine unglückliche Liebe zum Liebesglück.

Nun müssen wir diese Prämisse mit Sinn füllen bzw. beweisen. Enstehen wird so entweder schon ein grober Plotumriss oder eben unser Arbeitsexposé.

Dahin führt uns eine Art Brainstorming, wie wir vom einen Ende der Prämisse zum anderen kommen. Vielen hilft es, sich vom Ende zum Anfang zurückzuarbeiten.

Am Ende unserer Geschichte könnte zum Beispiel stehen, dass sich Peter in Tonia verliebt, die schon lange heimlich in Peter verliebt war, weshalb beide ein glückliches Paar werden.

Unsere Prämisse gemahnt uns jetzt allerdings, dass diese Lösung mit dem Konflikt in Zusammenhang stehen muss, ja dass sie Folge des Konflikts sein muss. Peter muss sich also in Tonia verlieben, gerade weil er bisher unglücklich in Lisa verliebt war.

Also hat er Tonia bei seinen Bemühungen um Lisa kennen und schätzen gelernt. Weil es für ihn lange kein anderes Thema gab als Lisa, hat sie sogar versucht, ihm dabei beizustehen, weil sie nicht wusste, wie sie sonst seine Aufmerkdsamkeit hätte erringen sollen. Gerade diese (scheinbar) selbstlose Hilfsbereitschaft lässt Peter schließlich erkennen, dass auch er sich zu Tonia hingezogen fühlt.

Unsere Geschichte beginnt also damit, dass Peter auf einer Party Lisa kennenlernt und sehr von ihr fasziniert ist. Er spricht sie an und es entwickelt sich ein nettes Gespräch, nach dem Peter davon überzeugt ist, dass Lisa die ideale Frau für ihn wäre, nicht zuletzt, weil sie ebenfalls Single ist. Es gelingt ihm sogar, sich mit ihr zu verabreden.

Bei ihrem Treffen versucht er, noch mehr über sie herauszubekommen und erfährt, dass sie ein leidenschaftlicher Fußballfan ist. Er selbst interessiert sich eigentlich nicht für Fußball, aber er hofft sie öfter zu treffen und erklärt, es wäre schön, fortan gemeinsam ins Stadion zu gehen.

Gesagt getan, er schließt sich Lisa an, lernt dabei ihre Kumpels, darunter Lisas beste Freundin Tonia, kennen. Bei den Treffen im Stadion und den anschließenden Kneipenbesuchen, bemüht sich Peter sehr um Lisa, findet aber nicht den rechten Weg.

Eines Tages trinkt er sich schließlich Mut an und gesteht Lisa seine Liebe. Sie findet das süß, nimmt ihn aber nicht wirklich ernst. Ohne Böses dabei zu denken, macht sie den niedlichen Antrag publik. Alle bis auf Tonia glauben an einen Scherz.

Peter ist niedergeschlagen und bleibt dem nächsten Treffen fern. Daraufhin steht Tonia bei ihm vor der Tür und fragt, ob alles in Ordnung sei. Er klagt ihr in einem langen Gespräch sein Leid. Tonia will ihn trösten und sagt, es läge sicher nur daran, dass Lisa nicht verstanden habe, dass er es ernst meint. Er solle nicht aufgeben und beim nächsten „Antrag“ etwas weniger trinken.

Und so weiter. Ich hoffe, mit dieser (nicht gerade originellen) Plotentwicklung konnte ich zeigen, wie wir anhand der Prämisse Orientierung in der Entwicklung des Konflikts hin zu seiner Lösung erhalten.

Sie macht uns stets präsent, worum es geht und in welche Richtung es sich entwickeln soll. So vergessen wir etwa nicht, Tonia in ihrer Rolle einzuführen und sie zunmehmend in den Vordergrund zu schieben, während wir dabei gleichzeitig daruf achten, dass sich der Konflikt zwischen Peter und Lisa immer weiter zuspitzt.

Vor allem aber umgehen wir es, Szenen einzubauen, die mit dem Konflikt, seiner Entwicklung und seiner Lösung nichts zu tun haben. Dass Peter zum Fußball geht, hat mit seinem Bestreben zu tun, Lisa nahe zu sein. Es ist also Teil seines Konflikts. Da Lisa nicht gerne liest, könnte es erwähnenswert sein, dass Peter zur Buchmesse fährt, um anzudeuten, dass Peter eigentlich ganz andere Interessen hat als seine Angebetete. Den Besuch bei der Buchmesse allerdings als eigene Szene zu gestalten, dürfte wenig vorteilhaft sein, denn er trägt zur Entwicklung des Konflikts nichts bei, ist demnach auch nicht Teil der Prämisse.

Die Prämisse gibt uns also Ausgangspunkt und Ziel vor. Sie sagt: „Hier läuft der Protagonist los, da ist Rom. Finde für ihn den geradesten Weg!“

Gerade heißt in diesem Fall nicht nur ohne Schlenker und Umwege, sondern auch folgerichtig und nach dem Ursache-Wirkung-Prinzip. Der zentrale Konflikt löst eine Kette von Ereignissen aus, von denen eines das nächste bedingt,  die letztlich zu dem Ergebnis führen, dass die Prämisse vorgibt.

In unserem Beispiel heißt das letztlich nichts anderes als: Hätte Peter sich nicht unglücklich in Lisa verliebt, wäre er nicht mit Tonia zusammengekommen. Wenn dieser Satz am Ende nicht zutrifft, haben wir die Prämisse nicht bewiesen.

Zum Schluss noch einmal ein paar Worte zum Unterschied zwischen Pitch und Prämisse.

Wir haben schon festgestellt, dass der Pitch ursprünglich zur Präsentation des Manuskripts oder des fertigen Buches dient. Zum Werkzeug für den Autor wurde er, weil man erkannte, dass er auch als solches gute Dienste leisten kann.

Die Prämisse ist und bleibt Prämisse. Eine Präsentationsprämisse gibt es nicht. Niemand würde auf die Frage, worum es in wenigen Sätzen in „Der alte Mann und das Meer“ geht, antworten:

In dem Roman führt altersbedingte Erfolglosigkeit zu bedingtem Erfolg.

Stattdessen würde man pitchen, etwa:

Der alte Santiago, der schon lange keinen Fisch mehr eingebracht hat, will sich in einem Kampf gegen einen riesigen Schwertfisch beweisen, dass er noch immer ein guter Fischer ist.

Selbst die ausführliche Prämisse ähnelt dem nur bedingt:

Santiago ist im Alter beim Fischen erfolglos, bringt aber am Ende die Überreste eines riesigen Fischs ein, den er nur an die Haie verloren hat.

Der Pitch antwortet letztlich auf die Frage: Worum geht es? Damit wäre auch die Antwort: „Um einen alten Mann, der einen Fisch fängt“, schon ein Pitch. Den Pitch können wir also relativ frei gestalten. Zwei Möglichkeiten habe ich ja im entsprechenden Artikel genannt. Dabei geht es letztlich auch darum, ein Gefühl für die Geschichte zu entwickeln und sich vor Augen zu halten, wie der Roman beim Leser ankommen soll.

So könnte der Pitch auch den Aspekt des Kampfes besonders betonen: „In ‚Der alte Mann und das Meer‘ geht es um einen Kampf um Leben und Tod zwischen dem alten Santiago und einem Fisch.“

Die Prämisse antwortet auf die Fragen: Was ist der zentrale Konflikt? Wie löst sich dieser Konflikt auf?

Die Prämisse ist die Landkarte, auf der wir den Weg abstecken und darauf achten, dass wir uns nicht verlaufen.

Der Pitch ist als Arbeitspitch der Reiseführer, der uns einen Eindruck davon vermittelt, wie die Gegenden aussehen, die wir durchstreifen werden.

(PB-Plotten: Die Liste)

__________________

*James N. Frey, Wie man einen verdammt guten Roman schreibt, Köln 2002, S. 74

**ebd.

***Zugegebenermaßen bin ich mir mit der Lebensgrundlage nicht mehr ganz sicher, weil es lange her ist, dass ich die Geschichte gelesen habe. Immerhin ist der alte Mann Fischer, was sehr dafür spricht, dass er vom Fischen lebt.

PB-Plotten 1: Recherche 0

Warum habe ich den ersten Punkt auf meiner Liste zum Plotten „Recherche 0“ genannt? Weil es sich im engeren Sinne gar nicht oder zumindest nicht nur um Recherche handelt.

Zu diesem Zeitpunkt hat man ein paar Ideen zu seinem Projekt, eine wirklich zielgerichtete Recherche ist oft noch gar nicht möglich.

Stattdessen geht es eher darum, sich erst einmal alle bereits vorhandenen Ideen zu notieren und zu sortieren das Umfeld für die Arbeit am Projekt zu schaffen (z.B. Dateien anzulegen, das Projekt in der Autorensoftware einzurichten oder sich Zettelkästen anzulegen), eventuell einen Zeitplan zu erstellen (vor allem, wenn man eine Deadline hat) usw.

Von nun an gilt für die gesamte Planungsphase, dass man bereits konkretere Ideen nicht zurückhalten sollte. Alles, was man zu Figuren, Szenen, der Handlung oder sonstigem bereits im Kopf hat, wird, falls nicht schon geschehen, notiert und natürlich so abgespeichert, dass man es schnell wiederfindet.

Wo Recherche schon Sinn macht, kann man sie ebenfalls gleich erledigen. Möglicherweise weiß man schon sicher, welche Handlungsorte man bereisen wird, welchen Beruf der Protagonist ausübt oder welche historischen Ereignisse von Bedeutung sind. Vielleicht muss man sich Kartenmaterial besorgen oder selbst erstellen.

Aber man sollte eines beachten: Zwar gilt auf der einen Seite, dass man besser viel zu viel als auch nur ein bisschen zu wenig über das weiß, was im Roman irgendwie eine Rolle spielt, aber wer noch gar nicht genau weiß, wo es hingeht, der recherchiert ins Blaue hinein. Da kann es schnell passieren, dass man sich eher von dem weg bewegt, was man später braucht, als darauf zu.

Wichtig auch: Wo Experten gefragt sind, sollte man sie nicht zu früh zu Rate ziehen! Je weniger man, wenn es soweit ist, über dessen Fachgebiet weiß, je weniger man außerdem darüber weiß, in welcher Form man dieses Wissen für den Roman braucht, desto weniger gezielt kann man Fragen stellen. Man wird sich ärgern, wenn man während des Gesprächs (oder auch erst später) feststellt, dass man mit seinen Fragen bestenfalls an der Oberfläche kratzt, weil man noch zu wenig Einblick hat.

Gerade für diesen ersten Schritt gilt also eher, sich einen Überblick zu verschaffen und sich dem Thema bestenfalls anzunähern.

Zum Abschluss dieses ersten Schritts sollte man all seine bisherigen Ideen und Notizen übersichtlich und griffbereit vorliegen haben.

(PB-Plotten: Die Liste)

PB-Plotten: Die Liste

(Zur Einführung)

Als erstes will ich euch die gesamte Liste vorstellen, damit schon einmal eine Übersicht da ist. In den folgenden Tagen werde ich dann zu den einzelnen Punkten Erklärendes schreiben. Das eigentliche Plotten umfasst natürlich nur die Punkte 1 – 15 bzw. 18. Punkt 19 beinhaltet den eigentlichen Schreibprozess, 20  – 24 umfassen Nacharbeiten und Überarbeitung.

Anhand der Punkte 16 – 18 könnt ihr ablesen, dass in der Liste die Option enthalten ist, das Projekt bereits weit vor dem Abschluss einem Verlag oder einer Agentur zu präsentieren. In dringenden Fällen (und mit zunehmender Erfahrung) können diese Punkte nach Bedarf noch weiter vorgezogen werden. So kann man sie beispielsweise schon mit Punkt 6 verknüpfen.

  1. Recherche 0
  2. Arbeitspitch
  3. Hauptkonflikt
  4. Prämisse
  5. Arbeitstitel
  6. Arbeitsexposé
  7. Hauptfiguren
  8. Recherche 1
  9. Grober Plotplan
  10. Nebenkonflikte
  11. Schlüsselszenen
  12. Szenenplanung / Zeittafel
  13. Kapitelplanung
  14. Nebenfiguren
  15. Recherche 2
  16. Probekapitel
  17. Präsentationspitch
  18. Präsentationsexposé
  19. Rohmanuskript
  20. Recherche 3
  21. 1. Überarbeitung
  22. 2. Überarbeitung
  23. finale Überarbeitung

PB-Plotten: Einführung

Wie letzte Woche angekündigt, starte ich heute eine kleine Serie zum Thema „Plotten“.

Was ist das überhaupt? Beim Plotten plant der Autor die Handlung seines Romans vor. Dabei berücksichtigt er alle Faktoren, die für den Fortgang der Handlung wichtig sind, allen voran die Entwicklung der Konflikte, der Figuren und des Spannungsbogens.

Ob man plottet und wie man es tut, ist natürlich nicht irgendwo in Form eines ehernen Gesetzes niedergeschrieben, denn außer dem Autor selbst, dem es ein Hilfsmittel bei der Arbeit sein soll, interessiert sich niemand dafür. Weder Verlage noch Agenturen verlangen vom Autor, dass er plottet, geschweige denn, dass er entsprechende Unterlagen zufügt. Und die Leser kaufen einfach das fertige Buch, fragen bei einer Lesung eher nach der Idee als nach der Ausarbeitung dieser.

Allerdngs kann das vernichtende Urteil eines Kritikers, Lektors oder Agenten lauten, ein Roman sei nicht gut durchgeplottet. Aber auch dann ist dem Kritiker egal, ob das Plotten vor, während oder nach dem Schreiben versäumt wurde.

Der Autor meint mit dem Plotten allerdings in der Regel die planende Vorarbeit, die vor dem eigentlichen Niederschreiben erfolgt. Plotten als eigenständige und vom Schreiben unabhängige Phase der Manuskriptentwicklung, die den späteren Schreibprozess unterstützen und vereinfachen soll.

Denn natürlich entsteht und entwickelt sich ein Plot auch bei dem Schreiber, der ihn nicht vorher plant. Und nicht immer wird er dann zum rein zufälligen Gebilde. In Abhängigkeit vom Erfahrungsschatz des Autors besteht allerdings die Gefahr.

Damit sind wir bei den Vorteilen des Plottens. Die kann man im Prinzip damit zusammenfassen, dass sich der Autor beim Plotten dazu zwingt, intensiv über seinen Roman nachzudenken, bevor er ihn in die Tastatur klopft. Er zwingt sich, einen roten Faden zu entwickeln und zu befolgen, zu strukturieren, logische Verknüpfungen zu erstellen und die richtigen Figuren für den Plot zu entwickeln bzw. den Plot seinen Figuren entsprechend zu gestalten.

Durchs Plotten schafft sich der Autor eine Übersicht auf das Ganze, auf die er stets zurückgreifen kann. Auch deckt er so frühzeitig Schwachstellen und Probleme auf, die es zu beseitigen oder zu lösen gilt.

Und letztlich ist es in der Regel so, dass Zeit und Aufwand, die man sich in der Planungsphase spart, im Schreib- und Überarbeitungsprozess auf einen zurückfallen.

Es gibt nun Autoren, die tatsächlich mehr Spaß in der Planungsphase haben als beim eigentlichen Schreiben. Allerdings gibt es eben auch die andere Seite der Fahnenstange, jene, die sich aus unterschiedlichen Gründen mit dem Plotten schwertun. Den einen liegt die gründliche Planung an sich nicht, dem anderen nimmt sie die Kreativität beim Schreibprozess.

Manche können eine Geschichte einfach nicht planend entwerfen, sie müssen sozusagen live dabei sein, während sie entsteht. Auch in diesem Fall gibt es Möglichkeiten, sich ein bisschen auszutricksen, indem man das Plotten wie einen Schreibprozess angeht, aber das soll in dieser Serie nicht das Thema sein.

Klar ist, nicht jeder wird das Plotten lieben, es eignet sich auch nicht für jeden und mancher muss sich deswegen gar keine Sorgen machen, weil er seinen roten Faden auch beim Schreiben nicht verliert.

Meiner Erfahrung nach ist es aber besonders für unerfahrene Autoren eine große Hilfe, nicht zuletzt, weil es hilft, die Komplexität eines Romans und der Arbeit daran sichtbar zu machen.

Auf der anderen Seite geht meiner Meinung nach vieles, was durch das Plotten bewusst gemacht wird, mit zunehmender Erfahrung ins Blut (oder besser ins Handwerk) über, sodass der Autor auch ohne viel Vorarbeit im Schreibprozess einen logischen, effizienten und spannungsreichen Plot konstruieren könnte.

Dass dennoch das Plotten unter erfahrenen Autoren wesentlich verbreiteter ist als bei noch unerfahreneren, liegt sicherlich vor allem daran, dass Letzteren die Möglichkeiten und Notwendigkeiten des Plottens oft gar nicht bewusst sind, während es Ersteren zur (ritualisierten) Gewohnheit geworden ist, die Sicherheit gibt.

Wie schon gesagt, einen Masterplan zum richtigen Plotten gibt es nicht. Demnach kann dem auch mein Modell nicht standhalten. Wie generell beim Plotten gilt hier, gerade für die, die sich nicht für die großen Planer halten, Mut zur Lücke.

Das bedeutet einerseits, dass man sich aus den vielen von mir angebotenen Planungsschritten einige wenige heraussuchen kann, mit denen man gut arbeiten kann. Natürlich ist auch jede Form der Abwandlung und Anpassung möglich. Andererseits bedeutet der Mut zur Lücke durchaus auch, sich eventuelle kreative und die (eigene) Spannung fördernde „Löcher“ beim Plotten zu lassen, denen man sich erst im Schreibprozess widmet.

Vielleicht behält man sich beispielsweise die Lösung eines schwerwiegenden Problems noch offen oder schreibt sich einen ganzen Strauß von Lösungsmöglichkeiten in den Plotplan, von denen man die beste erst findet, wenn man schreibend bis zur entsprechenden Stelle vorgedrungen ist.

Generell ist man selbst der Herr (oder die Herrin) darüber, wie detailliert man plant und wie viel man sich für die kreative Schreibphase offen lässt.

Wenn also mein Modell für den einen oder anderen den Eindruck erweckt, es würde das spätere Schreiberlebnis hemmen oder gar unterdrücken, dann ist das eine Täuschung. Es kann je nach Anpassung sowohl demjenigen das enge Korsett bieten, der gern bereits alles geklärt hat, bevor er mit dem Schreiben beginnt, wie es demjenigen den freien Raum lassen kann, der sich am liebsten beim Drauflosschreiben entfaltet.

Beispielsweise kann es durchaus reichen, sich vor dem Schreiben nur mit den ersten Punkten des Modells auseinanderzusetzen, also etwa seine Ideen zu sammeln und sich einmal ganz deutlich zu machen, wohin man mit diesen Ideen will. Aber dazu später mehr.

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Literarisches Handeln im Internet

Literarisches Handeln im InternetGesine Boesken, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Deutsche Sprache und Literatur II an der Universität Köln, hat sich mit Literaturplattformen und ihren Usern im Internet beschäftigt. Unter anderem untersuchte sie „Autorenecke“, „Geschichtenweber“, „Kurzgeschichten.de“, „Die Kurzgeschichten-Welt“, „Leselupe“, „Lyrik-Forum“, „Schreibrunde“ und „WebStories“.

Ihre interessanten Ergebnisse sind in dem Buch „Literarisches Handeln im Internet – Schreib- und Leseräume auf Literaturplattformen“ zusammengefasst, das bei UVK erschienen ist.

Im Verlagstext heißt es:

Im Internet wird Literatur zum ›Breitensport‹: Literaturplattformen dienen zehntausenden von Nutzern als Treffpunkt, Ausstellungsraum und Werkstatt. Literarisches Handeln etabliert sich hier im Spannungsfeld von Dokumentation und Flüchtigkeit, Anonymität und (virtueller) Identität, Öffentlichkeit und Privatheit.

In ihrer literatursoziologischen, empirisch angelegten Studie untersucht die Autorin dieses Phänomen des aktuellen literarischen Lebens: Sie analysiert die den Plattformen zugrunde liegenden Strukturen und Mechanismen, beleuchtet die Motivation der Nutzer und zeigt Kriterien des Gelingens und Scheiterns.

Die Autorin promovierte mit dieser Arbeit 2009 an der Universität zu Köln.

Für Sprach- und Literaturwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler sowie Studierende der Fächer ist die Publikation eine interessante Lektüre, aber auch interessierte Laien oder Personen, die selbst in diesen Foren tätig sind, werden Freude an dem Buch haben. (merz, 04/2010)

Für die, die mal ins Buch hineinschnüffeln möchten, gibt es eine Leseprobe (Einleitung) und das Inhaltsverzeichnis, beides als PDF. Außerdem kann man auch bei amazon einen Blick ins Buch werfen.

Gesine Boesken
Literarisches Handeln im Internet
Schreib- und Leseräume auf Literaturplattformen

1. Auflage
2010, 290 Seiten, br.
ISBN 978-3-86764-236-1
Euro (D) 29,00 / Euro (A) 29,90 / SFr 42,90

Verlagsseite

Harte drei Wochen

Von heute an bis zum 16. September (!!!) wird wohl der größte Teil meiner Zeit für Redaktionsarbeit draufgehen. Eine Kollegin ist im Urlaub.

Hoffentlich gelingt es mir, neben Redaktion und Lektorat noch genug Schreibzeit freizuhalten. Eine echte Deadline habe ich (bzw. Ben Philipp) zwar im Moment noch nicht, aber Absprachen gibt es schon (vor allem in Hinblick auf das seltsamerweise rasant nahende Weihnachtsgeschäft).

Rechtschreibprüfung für yWriter

Die Autorensoftware yWriter habe ich auf meinem Blog bereits vorgestellt. Zwar bringt die englischsprachige Software eine deutsche Übersetzung mit, aber der Rechtschreibprüfung müsste man erst mühsam die deutsche Schreibung lehren.

Es gibt aber, wie ich inzwischen weiß, einen einfachen Trick, um dies zu umgehen. Man kann nämlich problemlos die Prüfung eines jeden anderen Textprogramms nutzen. Tatsächlich kann man, wenn man das möchte, seine Szenen sogar direkt in der gewohnten Arbeitsumgebung dieses Textprogramms schreiben und bearbeiten, ohne sie umständlich in yWriter importieren zu müssen.

Das funktioniert ganz einfach, weil yWriter für jede Szene eine RTF-Datei anlegt.
Falls noch nicht geschehen muss man nun seinem Rechner beibringen, dass er RTF-Dateien immer mit dem entsprechenden Textprogramm (also z.B. Word, OpenOfficeWriter oder Textmaker) öffnet. Dazu wählt man sich eine RTF-Datei (oder legt eine neue an) und öffnet das Kontextmenü (Rechtsklick). Über die Befehle „Öffnen mit“ und „Programm auswählen“ kann man jetzt sein Lieblingstextprogramm auswählen. Wichtig ist, das Häkchen bei „Dateien immer mit dem ausgewählten Programm öffnen“ zu setzten. (Wie das bei anderen Betriebssystemen als Windows funktioniert, weiß ich leider nicht)

Nun wird also jede RTF-Datei, wenn nicht anders gewünscht, automatisch mit dem ausgewählten Textprogramm geöffnet. Und das macht sich yWriter  zunutze.

yWriter_RTF

Für eine größere Abbildung auf das Bild klicken

Man muss nur das Kontextmenü einer Szene öffnen und den Befehl wählen: „Inhalt mit Standard rtf Programm öffnen“. Nun öffnet sich die Szene mit eventuell schon vorhandenem Text im gewünschten Textprogramm und lässt sich dort weiterschreiben oder bearbeiten. Und natürlich kann man so auch die Rechtschreibprüfung des Programms starten.

Hat man die Arbeit beendet, speichert man den Text ab und schließt das Textprogramm. In yWriter öffnet man erneut das Kontextmenü der Szene und klickt auf den Befehl: „Arbeit mit externem Programm beendet“. Diesen Schritt darf man auf keinen Fall vergessen, damit yWriter die neu abgespeicherte RTF-Datei ins Programm übernimmt.

Damit wird yWriter auch für diejenigen interessant, die bisher ihre Rechtschreibprüfung nicht missen wollten.

„Irgendwann würde ich auffliegen …“

Bücher für Autoren Band 1
Titus Müller: Vom Abenteuer, einen Roman zu schreiben

Titus Müller, Autor von sieben historischen Romanen, Gründer der Zeitschrift „Federwelt“ und Mitbegründer des Autorenkreises historischer Roman „Quo Vadis“, plaudert „Vom Abenteuer, einen Roman zu schreiben„.

„Weil mir das Schreiben schwerfällt, dachte ich, ich sei ein Hochstapler. Irgendwann würde ich auffliegen, als einer, der die richtigen Autoren nur nachgeahmt hat. Ich dachte, so beschwerlich, wie das Schreiben bei mir voranging, würde auch den Lesern die Lektüre eine Qual werden.“

Der Erfolgsautor, der 2005 mit dem C. S. Lewis-Preis ausgezeichnet wurde und 2008 für seinen Roman „Das Mysterium“ den Sir Walter Scott-Preis in Bronze erhielt, schreibt in dem ersten Band der neuen Reihe „Bücher für Autoren“ der Textmanufaktur die Essenz seiner Schreiberfahrungen nieder.

„Wie ich meine erste Kurzgeschichte verkauft habe, auf der Toilette der Literaturwerkstatt Berlin meinen ersten Buchvertrag angeboten bekam und was ich bei der Arbeit an sieben Romanen gelernt habe.“

Zusätzlich enthält das Buch Interviews mit Andreas Eschbach, Rebecca Gablé und Kai Meyer.

Die ersten zwanzig Seiten dieses vergnüglichen Bandes kann man sich vorab als kostenlose Leseprobe ansehen. Außerdem kann man sich das Buch für 9,90 als E-Book herunterladen.

Titus Müller
Vom Abenteuer, einen Roman zu schreiben
Irisleinen, geb. mit Lesebändchen, 144 Seiten
Textmanufaktur
ISBN 978-3-942247-00-9

Verlagsseite

Probleme

Die letzte Woche war vor allem durch massive Probleme mit meinem Internetzugang sowie eine kräftige Erkältung geprägt. Beides hat mich bei der Arbeit ziemlich behindert und sie teilweise gar nicht zustandekommen lassen (was vor allem die Online-Redaktion des Spion betrifft).

Während die Krankheit sich inzwischen deutlich auf dem Rückzug befindet, erfahre ich von den Internet-Kundenbetreuern bis heute nur, man arbeite daran. Ich hoffe also, dass sie bald damit fertig sind, damit ich dann wieder richtig damit arbeiten kann.

Neues Jahr, weiter geht’s

Nach den Feiertagen und der wirklich schönen Zeit bei meiner Liebsten (abgesehen von einer kleinen Erkältung) hat mich nun der Alltag wieder, der im Wesentlichen aus Schreiben und Lektorieren besteht. Dazu kommt die Pflege meiner Internetauftritte und natürlich der liebe Haushalt sowie der sonstige organisatorische Kram.

Unterstützt werde ich bei Letzterem seit gestern Abend durch die Software „Hauhaltsbuch“, die ich für 4,99 EUR im Supermarkt erstanden habe. Eine wirklich praktische Spielerei, die mir vor allem hinsichtlich der Rechnungsschreiberei sehr nützlich sein wird. Man kann damit allerdings auch einfach seine Einkaufszettel schreibe. Und eine kleine Textverarbeitung ist auch noch dabei.

Ansonsten bieten mir Katze und Aquarien die nötige Ablenkung. Und natürlich das Lesen, was sich ja nun endlich nicht mehr als Zeitvergeudung rechtfertigen muss, schließlich gehört es nun, da ich vermehrt wieder als Rezensent tätig bin, zu meiner Arbeit.

Am Mittwoch wird dann auch endlich meine Rezension zu Wulf Dorns „Trigger“ auf dem Spion und hier auf dem Blog erscheinen.

Ein Drama!

Retzhofer Dramapreis:

Was ist der Retzhofer Dramapreis?

Der Retzhofer Dramapreis ist ein Nachwuchspreis für szenisches Schreiben, der sich von vielen anderen Preisen im deutschen Sprachraum unterscheidet. Das Besondere dieses Preises ist, dass die BewerberInnen in der Arbeit an ihrem Wettbewerbsbeitrag von ExpertInnen für Drama und Film (RegisseurInnen, DramaturgInnen, SchauspielerInnen und AutorInnen) kostenlos beraten und unterstützt werden.

Gerade die Verbindung aus Stückentwicklung und Wettbewerb erhöht die Chancen der jeweiligen SiegerInnen, mit ihren Siegerstücken in der Theaterwelt wahrgenommen und aufgeführt zu werden. Dies beweist der Werdegang unserer bisherigen SiegerInnen: Gerhild Steinbuch, Johannes Schrettle, Ewald Palmetshofer, Christian Winkler und Henriette Dushe.

Wie bewirbt man sich?

Man sendet einen Lebenslauf; einen Stückentwurf und zwei ausgeschriebene Szenen dieses Stücks an uniT, dazu eine Erklärung, dass das Stück bisher noch nicht veröffentlicht ist, von keinem Verlag vertreten wird und von diesem/r Autor/in stammt. Die ausgeschriebenen Szenen sollten den Umfang von 11 Seiten nicht überschreiten. Wenn das eingesandte Stück länger ist, bitten wir die Einsendenden, die von der Auswahljury zu lesenden Seiten zu markieren.
Die EinsenderInnen erklären sich bereit, im Falle der Auswahl ihres Projekts an den Workshops zur Stückentwicklung von uniT teilzunehmen und ihr Stück fertig zu stellen.
Teilnahmeberechtigt sind AutorInnen, die nicht älter als 40 Jahre sind.

Zeitplan

Der Einsendeschluss für die Bewerbungen ist der Jänner 2010. Anfang April 2010 erfahren die Einsendenden, ob sie in den BewerberInnenkreis für den Preis aufgenommen worden sind. Ab Sommer 2010 starten die Workshops – zumeist am Wochenende. Die Orte an denen die Workshops stattfinden (voraussichtlich in Österreich und Deutschland) werden noch bekannt gegeben. Es wird in Kleingruppen gearbeitet werden.

Die Preisverleihung wird im Frühjahr 2011 in Österreich erfolgen. Das Preisgeld beträgt 4.000 Euro.

Rechte

uniT erwirbt sich mit der Teilnahme der BewerberInnen die Rechte, kostenlos Ausschnitte aus den Stücken öffentlich zu präsentieren und die Uraufführungsrechte für die fertig gestellten Stücke bis drei Monate nach Verleihung des Preises.

Kontakt

uniT – Verein für Kultur an der Karl Franzens Universität
A-8010 Graz, Zinzendorfgasse 22, Tel.: +43 316 380 7480

Mail: office@uni-t.org
www.uni-t.org

Meine Assistenten – Autorensoftware

„Das Lächeln der Kriegerin“ war nicht nur der erste Roman, den ich veröffentlichen konnte, sondern auch der erste, den ich überhaupt geschrieben habe. Meine Herangehensweise an diesen Roman war zu der, mit der ich bis dahin Kurzgeschichten geschrieben hatte, nur unwesentlich modifiziert, zumal das „Lächeln“ auf der Grundlage einer solchen entstanden ist.

Ernsthaft geplottet habe ich nicht, die meisten Vorüberlegungen (abgesehen von der erwähnten Kurzgeschichte) existierten nur in meinem Kopf, Notizen gab es nur wenige. Während des Schreibens habe ich daher immer wieder Plotarbeit nachholen müssen.

Inzwischen gehört für mich das Plotten neben anderen schriftlichen Vorüberlegungen und Planungen zum Romanschreiben dazu. Dabei musste und muss ich mir das erst antrainieren und meine Methoden stetig verfeinern. Eine große Hilfe dabei war mir der Hinweis auf Software für Autoren, die diese Arbeit vor allem in Hinsicht auf Übersichtlichkeit unterstützen soll, die aber bei Naturen wie mir auch einfach den (spielerischen) Anreiz, sich solcher Planungstätigkeit hinzugeben, erhöht.

Ich wählte zunächst das kostenlose Programm yWriter aus, das von der Planung und Entwicklung eines Schreibprojekts bis hin zur Fertigstellung desselben alle Arbeitsschritte in einer übersichtlichen Programmumgebung ermöglicht. Es ist also gleichzeitig Planungs- und Schreibsoftware.

yWriter
yWriter

 

In yWriter kann der Autor den Zeitrahmen seines Projekts planen, hinsichtlich dieser seine Arbeitsfortschritte kontrollieren, sein tägliches Schreibpensum bestimmen, Szenen in allen Details planen und gleich entwerfen, aus- und überarbeiten, sie Kapiteln zuordnen und beliebig verschieben. Szenenüberschriften und -zusammenfassungen sorgen dabei für Übersicht.
Figuren, Schauplätze und wichtige Gegenstände können auf eigenen Registerkarten entworfen, mit selbstgewählten Bildern illustriert und den Szenen zugeordnet werden. Und natürlich gibt es diverse Reports, die die Übersicht über das Projekt zusätzlich fördern.
Die Software enthält gleich drei deutsche Übersetzungen, die zwar alle nicht völlig ausgereift sind, aber auch denjenigen, die mit der englischen Sprache so ihre Probleme haben, den unkomplizierten Umgang mit dem Programm ermöglichen.

Mit dem Programm könnte man also rundum gut bedient sein. Warum habe ich mir nun vor einigen Tagen trotzdem noch ein zweites zugelegt? Storybook bietet doch eigentlich weniger. Aber das, was es bietet, kann es noch ein bisschen besser. Nämlich den Autor beim Planen seiner Story zu unterstützen.

Storybook
Storybook

 

Storybook ist anders als yWriter kein Ersatz für ein Textprogramm. Dafür ist es noch besser aufs Plotten zugeschnitten. Der entscheidende Vorteil ist, dass sich Szenen übersichtlich in einem Zeitstrahl anordnen lassen, sauber und farblich getrennt nach den verschiedenen Handlungssträngen. Durch den voreingestellten Kalender sind die Daten gleich mit den entsprechenden Wochentagen verknüpft. So lässt sich der Plot beinahe spielerisch entwickeln.

Auch bei Storybook lässt sich nach dem Installieren die Sprache einstellen. Die deutsche Übersetzung ist dabei wesentlich ausgereifter als bei yWriter. Und auch Storybook lässt sich kostenlos herunterladen.

Für mich ist es daher eine ideale Ergänzung für yWriter, wenn auch kein Ersatz. Ich werde also in Zukunft die Hauptplotarbeit mit Storybook machen und sie in yWriter übertragen. Dort kann ich Szenen-und Figurenplanung noch verfeinern, um schließlich die eigentliche Schreibarbeit und die Überarbeitungen mit yWriter zu erledigen.

Ich bin mir sicher, beide Programme eignen sich auch hervorragend für solche Autoren, die mit dem Plotten bisher noch ein bisschen auf Kriegsfuß stehen oder überhaupt erst einmal ausprobieren wollen, ob ihnen derartiges Arbeiten entgegenkommt.

Unterwegs

Da ich morgen auf Familienbesuch nach Frankfurt fahre, von wo aus ich am Montsegurtreffen in Oberursel teilnehme und später meine Freundin besuche, bin ich bis zum 7.9. auf Internetcafés angewiesen.
Während des Treffens werde ich wohl gar keine Zeit finden, ins Netz zu schauen, und auch danach ist die Zeit im Internetcafé natürlich im wahrsten Sinne des Wortes kostbar. Da ich mir obendrein Arbeit mitnehme, kann ich also noch nicht versprechen, wie oft ich hier nach dem Rechten schauen kann.
Ich wünsche daher meinen Blogbesuchern bis zu meiner Rückkehr alles Gute und melde mich dann wieder an.