Schreibaugust

Vom Schreibtisch, Foto: Marko Tomicic
Vom Schreibtisch, Foto: Marko Tomicic
Vom Schreibtisch
(Foto: © Marko Tomicic)

Am Donnerstag haben wir Monatsmitte, und dann beginnt mein Schreibaugust. Denn wie schon letztes Jahr mache ich Schreiburlaub, Urlaub, um zu schreiben. Gemeinsam mit elf anderen Autoren nisten wir uns für zehn Tage im gemütlichen Haus Sonnenlehen in Grossgmain (Nähe Salzburg) ein und schreiben. Hauptsächlich zumindest.

Dass ich das Schreiben so oft wiederhole, zeigt schon, wie bitter ich es nötig habe, eben diese Tätigkeit mal wieder ins Zentrum rücken zu können. Es steht vor allem die Arbeit an zwei Kurzgeschichten und dem Ratgeber an.

Eine kleine, vorerst sehr geheimnisvolle Neuigkeit gibt es noch: Bei „Hilfe für Autoren“ habe ich ja letzten Monat mit der neuen Interview-Reihe Das sagt xy begonnen, in der Autoren Fragen beantworten, die vor allem für diejenigen, die selbst den Weg in die Herzen der Leser einschlagen wollen, interessant sein dürften. Nachdem ich letztes Mal Anna Koschka verhören durfte, hat mir heute wieder eine hochkarätige Autorin zugesagt, über die sich viele Fans freuen dürften. Und sie hatte gleich eine spannende Idee im Gepäck, die das Ganze für die oben genannte Zielgruppe noch um Einiges attraktiver machen dürfte. Mehr wird aber noch nicht verraten. Ich freu mich!

Der Minitipp: Getrieben

© Thomas Max Müller / pixelio.de
© Thomas Max Müller  / pixelio.de
© Thomas Max Müller / pixelio.de

Während der Plot einer Geschichte von der ständigen Suche nach der Antwort auf die Frage „Was wäre, wenn …?“ getrieben ist, suchen die Figuren innerhalb dieses Plots stets aufs Neue die Frage „Was tätest du, wenn …?“ zu beantworten.

Das sagt Anna Koschka

Vom Schreibtisch, Foto: Marko Tomicic
Vom Schreibtisch, Foto: Marko Tomicic
Vom Schreibtisch
(Foto: © Marko Tomicic)

Anna Koschka ist die Erste, die mir in der neuen Interviewreihe bei „Hilfe für Autoren“ einige Fragen beantwortet, die ihre Sicht auf die Freuden und Schwierigkeiten des Autorendaseins, das Schreiben und das Veröffentlichen beleuchten sollen.

Ich empfehle, Tag und Nacht Geschichten zu konsumieren. Bücher lesen, Filme, Serien, Dokusoaps schauen, ins Theater gehen, Videospiele, Rollenspiele, alles, was mit Dramaturgie zu tun hat.

(Anna Koschka)

Monatlich soll es nun ein weiteres Inteview geben, wer als nächstes ausgequetscht wird, verrate ich aber nicht, weiß ich es doch selbst noch nicht. Also, nicht ungeduldig werden und erst einmal dem Link zu

Das sagt Anna Koschka

folgen.

Appropos Anna Koschka: Ich freu mich schon riesig aufs diesjährige Schreibexil! Das findet nämlich ebenfalls diesen Monat statt. Schade, dass wir noch nicht zu dessen Mitte vorgedrungen sind, genau dann geht es nämlich los!

LesBar: Raststätte

LesBar, Foto: Anneka
LesBar, Foto: Anneka
© Anneka

Auf dem Weg zu dem Gespräch, das die Wende in meinem Leben bedeuten sollte, hielt ich an einer Raststätte. Mir war nicht danach, mich aus meinen Gedanken wecken zu lassen. Nichts wollte ich an mich heranlassen, es sei denn, es könnte meinen Magen füllen. Ich erstand zwei belegte Brötchen zu einem Kaffee und suchte mir einen Tisch, der dem Trubel so weit als möglich entrückt war.

Längst hatte ich mich wieder in mein Innen zurückgezogen, als mir jemand auf die Schulter tippte. Eine junge Frau, die mir sogleich – lauter als es mir angenehm war – eine Frage stellte. Ob ich glücklich sei, wollte sie wissen. In dem Moment war ich zu überrascht, um umgehend zu reagieren. Später musste ich mir eingestehen, dass ich noch weit länger hätte überlegen müssen, um wahrheitsgemäß zu antworten.

Sie aber nahm sich diese Zeit nicht. Ohne eine Antwort erhalten zu haben, drehte sie sich zu einem jungen Mann um, während sie mit dem ausgestreckten Zeigefinger hinter sich und damit auf mich deutete. “Siehst du, so wird es dir auch ergehen, wenn du die falsche Entscheidung triffst!”

Sie ließ mich sitzen, ohne mir weitere Beachtung zu schenken. Ob ihre Demonstration bei ihm Wirkung gezeigt hat, weiß ich nicht. Ich aber stieg ins Auto, sagte meinen Termin ab und machte mich auf den Weg nach Hause.

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© Ben Philipp

Auf der Suche nach dem OYO

Es ist ganz eindeutig: E-Books sind im Aufwind! Wie sonst ließe sich erklären, dass der Buchhandelskette Thalia ein Lesegerät für ebensolche elektronischen Bücher entwendet wurde, das auf den kafkaesken Namen OYO hört?

Die verzweifelten Buchverkäufer haben aus diesem Grund einen Aufruf gestartet und wenden sich damit an all jene, die glauben, mittels logischer Schlüsse den Tätern auf die Spur kommen zu können.

Game Start

Ab Freitag dürft ihr euch als Top-Ermittler erweisen und gleichzeitig auf eine hohe Belohnung hoffen:

Thalia Krimisommer

Der Sommer wird spannend:
Thalia präsentiert auf Facebook ein Krimirätsel, dessen Lösung nur mit Hilfe der User möglich ist.

Mission:
Bei Thalia wurde ein OYO gestohlen, die Facebook-­‐Fans begeben sich auf Verbrecherjagd. Knifflige Fragen warten darauf, richtig beantwortet zu werden. Wer sich behauptet und viele Punkte einsammeln kann, hat die Chance auf den Wochensieg und eine kleine Überraschung. Gespielt werden kann auf den Facebook-­‐Seiten von Thalia Österreich, Deutschland und Schweiz.

Auf der Spur:
Insgesamt 6 Wochen lang wird der Krimisommer dauern und durch ebenso viele Levels führen. Jeden Freitag startet das neue Level, los geht‘s am Freitag, 15. Juli.

Geschafft:
Am Ende jeden Levels winken tolle Preise! Wer bis zum Ende des gesamten Krimisommers die meisten Fragen richtig beantwortet und viele Punkte eingeheimst hat, kann eine Reise gewinnen – in die Krimihauptstadt London!

Zum Spiel:
Österreich: http://www.facebook.com/thalia.at
Deutschland: http://www.facebook.com/thalia.de
Schweiz: http://www.facebook.com/thalia.ch

Level 6

Veröffentlichen „leicht“ gemacht

Tja, leicht gemacht habe ich es mir nicht. Auf die Bitte des Betreibers habe ich diesen Monat für „Hilfe für Autoren“ zwei Artikel rund ums Veröffentlichen geschrieben. Es ist schon erstaunlich, was man da alles zusammentragen kann. Dabei führen gerade beim Veröffentlichen in Wirklichkeit ja gar nicht allzu viele Wege nach Rom.

Trotzdem sind vermutlich längst nicht alle Fragen beantwortet. Bedanken möchte ich mich noch einmal bei Martina Campbell vom Sieben Verlag, die mir spontan am Telefon ein paar Details hinsichtlich der Druckkosten verraten hat, mit ein bisschen nettem Plaudern drumherum.

Hier kommt ihr dierekt zu den beiden Artikeln:

Wie komme ich zu einer Veröffentlichung?

Der Weg ins Verlagslektorat

Endlich Urlaub

Eine Leseprobe aus meiner Geschichte „Endlich Urlaub“, die in der  Geschichtenweber-Anthologie „Alea³ – Ein Jahr danach“ im Web-Site-Verlag erschienen ist.

Wil Rest ist ein genialer, aber längst unterforderter Privatdetektiv. Von den ewig gleich anspruchslosen Aufträgen gelangweilt, freut er sich auf den Urlaub mit seiner Familie. Doch ein seltsamer Würfel, den ein Botenjunge seiner rührigen Assistentin Marita überbracht hat, kommt ihm dazwischen. Plötzlich findet sich Wil Rest in einer seltsamen Welt wieder.

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Sie hielten vor einem Hot…, nein, das war nicht das richtige Wort dafür. Wil kramte in seinem Gedächtnis. Herberge. So musste man es wohl nennen. Sie hielten also vor einer Herberge. Auf einem Schild, das in seiner Verankerung knarrte, war eine halb geöffnete Tür aufgemalt. Darüber stand in windschiefen Lettern: »Aller Anfang ist schwer«. Ernst führte ihn durch eine dunkle Gaststube, in der nur ein paar vereinzelte Gestalten saßen.
»Dieses Dorf muss eine Art Mittelalterattraktion für Touristen sein«, dachte Wil. »Die Schauspieler sind auf jeden Fall sehr treffend gekleidet.« Er hatte allerdings kaum Zeit, sich umzuschauen, denn Ernst zog ihn nun eine linkerhand gelegene Treppe ins obere Stockwerk hinauf. Er folgte einem schmalen Gang und klopfte an dessen Ende gegen eine Tür, die der Treppe genau gegenüber lag.

»Komm herein, Ernst«, tönte eine kräftige, tiefe Stimme aus dem Innern des Raumes. »Und bring den lieben Herrn Rest gleich mit.«
Stirnrunzelnd trat Will hinter Ernst durch die niedrige Tür. Das dämmrige Zimmer wurde nur durch ein kleines Fenster erleuchtet. Im Schatten neben diesem Fenster, die Lehne der Tür zugewandt, stand ein riesiger Stuhl.
»Nein«, dachte Wil, »das ist wohl eher ein Thron.«
»Na ja«, tönte die Stimme jetzt aus Richtung des Throns. »Ganz so prächtig ist er nicht.«
»Meinen Sie mich?«, brauste Wil auf.
»Nein«, lachte die Stimme. »Den Holzstuhl, auf dem ich sitze und den Sie so freundlich waren als Thron zu bezeichnen.«
»Aber das habe ich doch nur gedacht.« Wil machte seine Situation langsam Angst. Hinter dieser mächtigen Stimme schien sich ein Hellseher zu verbergen und es wollte ihm nicht gelingen, auf die Schnelle eine logische Erklärung dafür zu finden.
»Meine Konzentration lässt Ihre Gedanken zu mir sprechen«, antwortete die Stimme.
Nun bewegte sich etwas in dem Armstuhl. Ein Mann sprang heraus, dessen Beine bis dahin wohl kaum den Boden berührt haben konnten, denn als er nun stand, hatte er Mühe über die Armlehnen seines Sitzmöbels zu schauen. Er trug einen rundum geschlossenen Mantel in einem dunklen Blau, dessen eines Ende in eine Kapuze ausuferte, die dem Kopf des kleinen Mannes die Möglichkeit gab, eine ganze Gruppe seinesgleichen zu sich einzuladen, während das andere Ende in weiten Falten den Staub des Fußbodens aufwirbelte.
»Rebauz«, stellte sich der Liliputaner vor. »Der große Rebauz.«
Wil, der sich noch immer fragte, wie sein Gegenüber es geschafft hatte, allein die Sitzfläche seines Stuhls zu erklimmen, antwortete: »Rest. Wil Rest.«
»Ich weiß. Schließlich sind Sie der Rest, den ich zu mir geleitet habe.«
»Haben Sie schon andere vor mir hierher geleitet?«
»Nein, Sie sind der erste. Wen braucht es noch außer dem großen Rebauz und dem Rest, also Ihnen?«
»Wären Sie dann so freundlich«, fragte Wil mit deutlicher Ungeduld in der Stimme, »mir zu erklären, was ich hier soll?«
»Nun, ich hörte von Ihnen. In Ihrer Welt sind Sie ein bekannter Finder. Und genau so jemanden brauche ich.«
»Ein Finder?«
»Ja, bei Ihnen sagt man wohl Detektiv. Sie suchen nach Dieben und Mördern, Ehebrechern und -brecherinnen, verlorenen Dingen, Tieren und Menschen, Schuld und Unschuld, nach Rätseln und deren Lösungen. Und meist finden Sie, was Sie suchen. Manche meinen, Sie seien der Beste.«
»Und so einen brauchen Sie?« Wil fühlte sich geschmeichelt. Ein Fehler, den er nie ganz abstellen konnte und der ihm schon manch langweiligen Job eingebracht hatte.
»Ganz genau Sie, Rest.«
»Und wer sagt Ihnen, dass ich Ihnen helfe? Meine Frau und meine Tochter warten auf mich. Wir wollen in den Urlaub.«
»Ich weiß, dass Sie nicht ablehnen können. Sehen Sie, bevor Sie Ihre Aufgabe nicht erfüllt haben, kann Sie der Würfel nicht zurückbringen, selbst wenn ich es wollte.«
»Der Würfel … Sie?« Nun war er also doch dem Geheimnis des Würfels auf der Spur. Sonderlich angestrengt hatte er sich dafür allerdings nicht.
»Genau. Sie haben ihn doch noch?«
Wil kramte in der Tasche seines neuen Gewandes. Die Tasche war groß, er versank fast mit dem ganzen Unterarm darin. Doch ganz unten fand er den Würfel. »Gott sei Dank«, entfuhr es ihm.
»Na, dann ist ja alles in Ordnung.«
Der Mann hatte die Ruhe weg. »Wen oder was soll ich denn für Sie suchen?«
»Meinen Sohn. Je schneller Sie ihn finden, desto schneller sind Sie wieder bei Ihrer Familie.«
Richtig, die hatte er fast vergessen. Noch irgendetwas bereitete ihm Sorgen. Er musste lange nachdenken, bis es ihm einfiel: »Ich werde bei der Suche schwerlich erfolgreich sein.«
»Warum nicht?«
»Ohne meine Assistentin, äh, Frau … äh … also Marita, komme ich nicht weit. Sie ist meine Stütze.«
»Sie werden sehen, ich habe an alles gedacht. Nicht umsonst bin ich der große Rebauz. Zwar kann ich Ihnen nicht auch noch Marita herführen, doch ich werde Ihnen meine Gehilfin leihen. Ich habe sie für diese Zwecke etwas angepasst.«
»Hallo, Bossilein«, hörte Wil hinter sich.
»Schnickschnack!«, entfuhr es Wil. Er drehte sich um und das nächste Schnickschnack blieb ihm im Halse stecken. Vor ihm stand Marita. Na ja, Marita in einem Brautkleid. Vermutlich war es das nicht, doch welche Frau trug in Deutschland ein solch wallendes weißes Kleid zu einem anderen Anlass als der Hochzeit? Marita trug meist Jeans. Aber alles andere stimmte: Die walnussfarbenen langen Haare, das kecke, etwas spitznasige Gesicht, der lange schlanke Körper – soweit das Kleid ihn noch erahnen ließ –, die freche Stimme, ja sogar die Gedanken, die ihn überkamen: »Schade, dass ich nicht noch mal vierundzwanzig und unverheiratet sein kann, jetzt auch noch dieses Kleid.«
Rebauz räusperte sich. »Offensichtlich gefällt sie Ihnen. Ich scheine sie erstaunlich gut getroffen zu haben.«
»Ja, ganz erstaunlich. Wie heißt du, mein Kind.«
»Marita, Bossilein, das weißt du doch.«
»Richtig. Ähm … Schnickschnack …«, er wandte sich an Rebauz, »das haben Sie sich ja fein ausgedacht. Was ist denn nun mit Ihrem Sohn?«
»Wie Sie sich denken können, ist es nicht nur mein Sohn.«
»Ich bin mir nicht sicher, was ich mir in diesem Land denken soll, doch wirklich überrascht bin ich nicht. Wie heißt denn die holde Frau Mutter?«
»Mütter.«
»Wie bitte?«
»Das Kind hat mehrere Mütter. Den mächtigen Feenkreis. Das sind sieben.«
»Meine Güte, Sie haben es gut. Aber wie geht das? Haben Sie mit allen gleichzeitig …?«
»Nein.«
»Wie dann?«
»Nacheinander. Die Eizellen der Mütter haben sich in meinem Körper vereint und gemeinsam den Samen gefunden.«
»Aha«, sagte Wil kurz, schüttelte dabei aber den Kopf. »Besonders groß kann der Junge ja nicht geworden sein.«
Marita lachte, der große Rebauz schien die Bemerkung zu überhören.
»Er wurde gezeugt, um dem Land ein mächtiger Beschützer zu sein.«
»Wie heißt es eigentlich?«
»Leiz.«
»Ein merkwürdiger Name für ein merkwürdiges Land.«
»Nein, das Kind heißt Leiz. Das Land heißt Dnal.«
»Auch nicht viel besser.«
»Jedenfalls soll Leiz Dnals Beschützer werden.«
»Verstehe, Sie haben ihn vor jemandem … oder etwas versteckt.«
»Ich sehe, Ihr Gehirn läuft schon auf Hochtouren. Sehr gut, sehr gut.«
Marita gab Wil einen leichten Kuss auf die Wange und flüsterte: »Du bist der Beste, Bossilein.«
Wil spürte, dass er errötete. »Schnickschnack!«
»Es handelt sich um den Zauberer Eigam«, fuhr Rebauz fort. »Wahrscheinlich der mächtigste seines Fachs.«
»Was ist das Besondere an dem Jungen … wie hieß er noch?«
»Leiz«, sprang Marita ein. »Vermutlich ist auch er sehr mächtig. Bei dem mächtigen Vater, den mächtigen Müttern und vor allem der mächtigen Aufgabe gegen den mächtigen Feind.«
»Nicht schlecht, meine Perle, nicht schlecht. Wahrscheinlich ist der Junge sogar außergewöhnlich mächtig. Mächtiger als der Vater, die sieben Mütter und vor allem der böse Zauberer …«
»Eigam«, ergänzte Marita.
»Richtig«, antwortete Rebauz. »Leider ist es tatsächlich so.« Er wirkte ein wenig zerknirscht.
»Was stört Sie daran?«, wollte Wil wissen. »Er ist doch Ihr Sohn, wenn ich mich recht erinnere.«
»Natürlich. Und ich bin stolz darauf. Doch das machte es eben nötig, ihn zu verstecken. Jetzt erreicht der Junge bald sein sechzehntes Lebensjahr und seine Macht ist reif, geschult zu werden. Daher muss ich ihn wiederfinden, bevor Eigam das tut.«
»Und Sie wissen nicht, wo er ist?«
»Zunächst wurde er von Rebauz, also mir, und der Höchsten des mächtigen Feenkreises an einem geheimen Ort gehalten. Im Alter von zwei Jahren wurde er von einem Unbekannten versteckt, der von der Höchsten ernannt worden war, damit das Versteck von keinem, der ihm nahe steht, unter Folter preisgegeben werden könnte.«
»Und diese Höchste ist nicht mehr am Leben?«
»Wie kommen Sie darauf?«
»Weil man sie sonst nach dem Unbekannten fragen könnte, der das Versteck ja kennen muss«, antwortete Wil mit sich nicht unzufrieden.
»Sie sind nah dran.«
»Nur nah dran?«
»Der Unbekannte hatte den Befehl, sich sofort, nachdem er den Jungen versteckt hatte, bei der Höchsten der Sieben zurückzumelden. Man riss ihm zunächst die Zunge heraus und als man die Situation erneut überdacht hatte, köpfte man ihn.«
Wil schüttelte sich. Dabei vernahm er ein deutliches Knurren. »Ich bekomme langsam Hunger. Gibt es in diesem verdammten Thal nichts zu essen?«
»Dnal«, verbesserte ihn Marita und zauberte aus dem üppigen Dekolleté ihres berauschenden Kleides einen kleinen Laib Brot und ein großes Stück Rauchfleisch.
»Ich danke dir, meine Perle«, sagte Wil und fuhr, nachdem er ein paar Mal abwechselnd von Brot und Fleisch abgebissen hatte, zu Rebauz gewandt fort: »Wie wollen Sie ihn dann jemals wiederfinden?«
»Sie vergessen, dass wir die Magie beherrschen.«
»Richtig.«
»Einem Magier ist es möglich, Magie aufzuspüren. Vor allem, wenn es verwandte Magie ist.«
»Natürlich.« Wil nickte wissend. »Erklären Sie mir nur eines. Wozu brauchen Sie dann mich?«
»Etwas scheint nicht zu funktionieren. Natürlich musste dafür gesorgt werden, dass das Kind seine Magie unterdrückt, um nicht von Eigam gefunden zu werden. Eine Restspur seiner Magie sollte jedoch für den Vater, also mich, spürbar sein. Doch, wie gesagt, es hat außergewöhnliche Fähigkeiten. Es scheint jede magische Spur so restlos zu unterdrücken, dass auch ich und seine Mütter es nicht zu finden vermögen.«
»Da ich keine andere Möglichkeit zu haben scheine, werde ich Ihnen helfen. Ich glaube nicht, dass Sie, der große Rebauz, in diesem Dorf in einer Herberge leben. Daher gehe ich davon aus, Sie hatten einen guten Grund dafür, mich hierher zu … wie sagten Sie … geleiten? Warum denken Sie, ich sollte hier mit der Suche beginnen?«
»Ich habe mich natürlich schon eine Weile bemüht, den Jungen zu finden. Ich fand heraus, dass es hier in den letzten Jahren immer wieder Vorfälle gab, die zumindest an ein Wunder grenzten, wenn sie es denn nicht sogar waren. Schwerkranke Menschen standen vom Sterbebett wieder auf, manche Krankheiten schienen geradezu einen Bogen um das Dorf zu machen. Einige Menschen werden unnatürlich alt, das Wetter ist hier unglaublich mild, selbst Winterstürme, die die umliegenden Dörfer teilweise in arge Not gebracht haben, berührten Nigeb kaum. Das sind nur einige Beispiele, die aber auf die Anwesenheit einer Macht hindeuten, wie es in Dnal keine zweite gibt. Dennoch konnte ich das Kind hier nicht ausfindig machen.«
»Merkwürdig«, sagte Wil nachdenklich. Er schaute aus dem Fenster, das ein herrliches Abendrot zeigte. Ihm schien noch nicht alles geklärt zu sein, doch er sagte: »Vielleicht darf ich zunächst eine Nacht darüber schlafen. Ich bin schon sehr müde, war es schon, als ich hier angekommen bin. Morgen werde ich meine Ermittlungen beginnen und mich mit Marita im Dorf umhören. Wenn es möglich ist, würde ich mich auch gern mit den Damen des magischen Siebenecks unterhalten.«
»Kreis«, verbesserter Marita.
»Richtig. Dieser ganze Schnickschnack bringt mich völlig durcheinander. Also, Herr Rebauz, wäre Ihnen das recht?«
»Natürlich. Ruhen Sie sich nur erst aus. Ich habe gleich nebenan ein Zimmer für Sie herrichten lassen. Und wenn Sie es wirklich für nötig erachten, den viel beschäftigten Kreis zu befragen, die Burg der Feen liegt nicht weit von hier, am Fuß des Gebirges. Ernst kann sie dorthin bringen, hoffentlich ohne viel Aufsehen zu erregen.«
»Wir werden vorsichtig sein«, antwortete Wil.

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Alea Ein Jahr danachBirgit Käker, Jörg Olbrich (Hrsg.)
Alea³ – Ein Jahr danach

broschiert, 250 Seiten
Web-Site-Verlag
ISBN: 3-935982-05-4

Ein Jahr ist es jetzt her, dass ein schwarzer Würfel aus Obsidian, der auf jeder Seite eine römische Drei zeigt, seine Finder in fremde Welten entführt hat. Was ist aus denen geworden, die auf eigenen Wunsch nicht zurückgekehrt sind? Wie ist es ihnen ergangen? Haben sie ihre Entscheidung bereut? Dieses Buch gibt die Antworten und zeigt wie unsere Helden die neuen Aufgaben meistern. Aber auch der Würfel ist in der Zwischenzeit nicht untätig geblieben und hat neue Personen gefunden, die das Abenteuer ihres Lebens erleben.

Zehn Autorinnen und Autoren nehmen Sie mit in lustigen, spannenden, tragischen und gefühlvollen Geschichten.

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Von Arsen bis Zielfahndung

So heißt „Das aktuelle Handbuch für Krimiautorinnen und Neugierige“ (Untertitel) von Manfred Büttner und Christine Lehmann, das im Argument Verlag erschienen ist. Mit dem Untetitel ist die Zielgruppe dieses Buchs auch ebensogut umrissen, wie sie sich begeistert zeigen dürfte.

Begeistert, weil sich dieser Leitfaden durch das literarische, filmische und natürlich reale Verbrechen spannend liest und dabei überaus informativ ist. Ob man einfach mal prüfen will, wieviel Realitätsnähe der letzte gelesene oder gesehene Krimi mit sich brachte, oder ob man die Rechercheanforderungen für das eigene Werk bündeln will, mit diesem Handbuch ist man gut beraten.

Gefunden haben sich für dieses Buch mit Manfred Büttner ein Steuerfahnder, der unter anderem als Dozent an der Hochschule der Polizei des Landes Baden-Würtemberg tätig ist, und mit Christine Lehmann eine Politikredakteurin beim SWR, die neben verschiedenen Essays auch hochgelobte Kriminalromane und -hörspiele (Lisa-Nerz-Krimis) geschrieben hat.

„Keineswegs fordern wir, dass Autorinnen sich nun stets von der Wahrscheinlichkeit des Realistischen gängeln lassen und jegliche Fantastik im menschlichen Verhalten aus unseren Krimis verbannt sein muss. Wir denken nur: Die dichterische Freiheit endet dort, wo der Rechtsstaat beginnt, vor allem dann, wenn wir über Unrecht schreiben.“

In diesem Sinne ist es dem Buch wichtig, vor allem dort Unsinn zu deklarieren, wo in der Fiktion gern mal die persönlichen Freiheitsrechte des Einzelnen großzügig ausgelegt oder gar übersehen werden (z.B. in der oft fälschlich als Verhör bezeichneten Vernehmung).

Aber auch sonst lässt es kein Thema aus. Vom Mordmotiv bis zum Mord selbst, von der Leiche bis zu den Ermittlern, von den Ermittlungen bis zur Festnahme wird alles Wichtige angesprochen. Auch die obligatorische Giftkunde fehlt nicht.

Natürlich kann das Buch allein eine gründliche Recherche nicht ersetzen, aber zum einen gibt es dem Autor manchen Hinweis, worauf überhaupt zu achten ist, zum anderen ist es die optimale Basis, um sich ein Grundwissen aufzubauen, von dem man sich bestens spezialisieren kann. Dazu gibt es eine ganze Reihe von Literaturhinweisen am Ende des Buches.

Ich kann das Buch also jedem empfehlen, der sich als Einsteiger in der Kriminalliteratur versuchen will, aber auch jedem, der seine Krimis möglicherweise zukünftig realitätsnäher gestalten will. Und natürlich bleibt auch nach dem Genuss des Buches Luft für die künstlerische Freiheit.

Von Arsen bis ZielfahndungManfred Büttner und Christine Lehmann
Von Arsen bis Ziehlfahndung
Das aktuelle Handbuch für Krimiautorinnen und Neugierige
Ariadne[Leit]faden
Argument Verlag, 2009
ISBN 978-3-88619-720-0

Klappentext:

Leichen, Kripo, Asservate …

Wie genau verläuft eigentlich eine Obduktion? Wer stellt Haftbefehle aus? Wofür ist eine Staatsanwältin zuständig? Welches Gift wirkt wie?

Antworten auf solche und viele weitere Fragen liefert dieses aktuelle Handbuch für Schreibende und Wissbegierige. Es enthält unverzichtbares Arbeitsmaterial für Autorinnen und solche, die es werden wollen. Und für Fans morbider Einzelheiten ergibt sich ein spannender Streifzug durch die ermittlerische Wirklichkeit, der keine Neugier ungestillt lässt.

Lisa-Nerz-Schöpferin Christine Lehmann und Fahnder Manfred Büttner vermitteln Sachverstand im kriminalistischen Detail. Von der korrekten Art, Funksprüche abzusetzen, über eine Auflis­tung, welche Abteilung wann am Tatort eintrifft, bis zur Besoldung der einzelnen Dienstränge stellen sie ein einmaliges Arsenal an Fakten zur Verfügung, das den Sinn fürs Realistische gründlich schärft und dabei noch unterhält: Mit Witz und Verve befreien sie die Krimiwelt von Unfug, Märchen und Vorurteilen. Ihr Handbuch bietet zuverlässig recherchierte, griffig aufbereitete Fakten, übersichtlich präsentiert und garniert mit Beispielen aus Buch und Film.

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Für „Die Werwölfe“ recherchieren

Christoph Hardebusch: Die Werwölfe
Christoph Hardebusch: Die Werwölfe

Und da lohnt sich das Recherchieren wirklich, sogar für diejenigen, die gar keinen Text verfassen wollen. Denn Christoph Hardebusch verlost mal wieder.

Diesmal geht es um seinen neuen Bestseller (so er es denn noch nicht ist, wird er es sicher werden) „Die Werwölfe“. Und weil wir uns bei Christoph nicht auf das Niveau des Privatfernsehens begeben, gilt es vorher, ein bisschen Mühe aufzubringen und sich zu bilden.

Ganze dreimal gibt es das Buch zu gewinnen und für jeden der drei Gewinner ein weiteres Buch von Christoph nach Wahl dazu.

Drei Fragen müsst ihr beantworten, um an die begehrten (und signierten) Trophäen zu kommen. Und möglicherweise müsst ihr euch dafür erst auf die Suche nach Antworten begeben. Dafür habt ihr bis zum 15.12.2009 Zeit.

Und hier geht es zu den Fragen.