Sechser im Motto: Lieblingswort

Sechser im Motto, Foto: javarman
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© javarman

Frage:
Welches ist dein Lieblingswort und warum?

Susanne Gerdom

Schuttrutsche. Ein unterschätztes, geradezu ausgegrenztes Wort von archaischer Klangschönheit. Herb und dunkel, mystisch und raunend. Einer der Großen Alten könnte so heißen: Cthulhu, Nyarlathotep, Shub-Niggurath, Tsathoggua, Schuttrutsche. Ein sehr deutsches Wort, im Übrigen. Man stelle sich einen Japaner vor, der sich an dieser Konsonantenfreude abmüht: Shuturutushu.

André Wiesler

Mein Lieblingswort ist zzt. Geraffel, weil es einen so originellen Klang hat und eine tolle Beschreibung für all die Dinge ist, die man eigentlich gerne macht, die aber so komplex oder aufwendig sind, dass man davor zurückschreckt. „Na, dieser Roman wird aber ein echtes Geraffel“ oder „Was, ich soll den Garten umgraben? Na, das wird aber ein großes Geraffel“ Vielen Dank an Little Britain für diese Wortschatzergänzung.

Mascha Vassena

Mein liebstes Wort in der deutschen Sprache ist „Welle“, besser noch sein Plural „Wellen“. Vom „W“ voran geschoben, brandet das  erste „e“ an den Doppelkonsonanten in der Mitte, schwappt über, wird zum zweiten „e“ und läuft aus ins „n“. Es ist ein Wort, bei dem ich sofort ruhig werde, das mich hinausträgt und an einen anderen Ort versetzt, weil in ihm außer seiner Bedeutung so viele anderes mitschwingt: Strand, Weite, Unendlichkeit, Langsamkeit, Ewigkeit, Gleichmaß, Zeit, Veränderung.

Stephan R. Bellem

Hmmm. ich fürchte, ich habe kein Lieblingswort. Es wäre zwar interessant, eine Geschichte mit nur einem Wort zu erzählen, aber es gibt wenige Worte, die eine solche Kraft haben. Darum habe ich kein „Lieblingswort“.

Gabriele Gfrerer

Das erste Mal bin ich ihr am 5. Mai 2006 begegnet. Wobei – so genau kann ich es heute nicht mehr sagen. Er und ich hatten uns vorher schon immer wieder über sie unterhalten. Genauer: über sie und ihn.
Das Mädchen und der Junge waren dazu ausersehen, die Welt zu retten, sagte er in das halbdunkle Zimmer und in seinen Augen lag dieser Glanz, um den ich ihn beneidete, weil er mit so viel Leidenschaft von ihrer Welt erzählen konnte. Ich verlor mich für ein paar Momente im Anblick seiner erhitzen Wangen und dem melodischen Klang seiner Stimme und hätte darüber beinahe die Geschichte verpasst, um die ich ihn ursprünglich gefragt hatte.
Doch dann hatte sie mich auch schon selbst eingefangen. Die Rebellin. Die Auserwählte. Die sturköpfig Suchende. Die irrwitzig Liebende. Die mit der realen Welt schon aus purer Erwartungshaltung im Clinch lag. Die jeden zurück stieß, der ihr mangelnde Glaubwürdigkeit vorwarf. Und die letztendlich – wie alle wahrhaft Liebenden – ihr Leben einsetzte, um jene zu retten, die gegen jede Vernunft vom ersten Augenblick an sie geglaubt hatten.
„Deine Begabung möchte ich haben!“, seufzte ich, als er fertig war.
„Aber du hast sie doch.“
Ich kann nicht sagen, ob er lächelte, als er – wie immer – beinahe lautlos aus meinem Zimmer verschwand. Auf jeden Fall aber ließ er mir etwas zurück, das ab sofort zu meinem Lieblingswort geworden war.
Was es ist? Fantasie.
Warum? Fragt ihn doch selbst! Ich bin sicher, er kommt, wenn ihr ihn ruft. Und er wird euch ebenso glücklich machen wie mich …

Christoph Lode

Ich habe viele Lieblingswörter. Besonders haben es mir die Bildhaften und Lautmalerischen angetan. „Stapfen“ zum Beispiel – da hört man förmlich den Stiefel im Matsch. Oder „Bollwerk“: nur zwei Silben, in denen aber ganze Türme, Zinnen und abweisende Mauern drinstecken. Es gibt aber auch Wörter, die ich nicht mag, Euphemismen wie „Gleichschaltung“. Und bürokratische Monster. „Umsatzsteuervorauszahlungsbescheid“ ist so eins. So trostlos wie ein Leben im Plattenbau.

Vielen Dank an die teilnehmenden Autorinnen und Autoren!

Mehr Sechser!

André Wiesler: Verschrieben

Nein, „Verschrieben“ ist nicht der neue, lang erwartete Roman von André Wiesler. André hat sich (bei) der Anthologie „Der Fluch des Colorado River“ der Geschichtenweber verschrieben, der ebenfalls mit Spannung entgegengefiebert werden darf.

Welchen Horror es darstellen kann, wenn man Steampunk schreibt, dass offenbar auch ein erfahrener Autor wie André so seine Schwierigkeiten mit Ausschreibungstexten hat, warum er für dieses Buchprojekt zwei Geschichten schreiben musste und weshalb das in seinem Fall gar nicht schlimm/ein Segen für die Fans ist, könnt ihr in seinem Blogeintrag „Wiesler im Westen“ nachlesen.

AUTORitätEN in Oberursel

Es war wieder spannend, inspierierend, lustig, informativ und einfach großartig. Das Treffen der Montségur-Autoren in Oberursel. Vergangenes Wochenende fand es zum vierten Mal statt und ich möchte es nicht mehr missen.

Oberursel bedeutet für mich natürlich einen weiten Anfahrtsweg und zwar einen, der an einem Freitag mit jeder Menge Verkehr aufwartet. So setzte ich mich bereits frühzeitig hinters Steuer, denn das Abendessen im Parkhotel wollte ich keinesfalls verpassen. Noch weniger den anschließenden großen Leseabend.

Gegen 16.30 Uhr hatte ich die knapp 700 Kilometer hinter mich gebracht und parkte vor dem Veranstaltungsort. Geplant war, mich als erstes etwas frisch zu machen und die Reisebekleidung gegen halbwegs Vorzeigbares auszutauschen, aber dann siegte doch die Neugier und ich warf einen ersten Blick in das Hotelrestaurant, wo sich im Vorraum traditionell die Ankunftlinge sammelten.

Die Ankunftlinge
Die Ankunftlinge

Das war ein Fehler! Es waren nämlich wirklich schon viele da und das Begrüßen, Herzen und Drücken wollte gar kein Ende nehmen. Schon wurden die ersten Neuigkeiten ausgetauscht und ich musste mich schließlich zwingen, mich noch einmal zurückzuziehen.

Das kalte und warme Abendbüfett war gewohnt umfangreich und schmackhaft, die großen Tische taten ihr Übriges, dass man sich unter den über 70 Autoren aus ganz Deutschland, Österreich, der Schweiz und darüber hinaus sofort wieder heimisch fühlte.

Im Bann der großen Fünf

Nach dem Abendbrot und einer kleinen (Raucher-) Pause hieß es, sich einen guten Platz für die öffentliche Lesung zu organiesieren, bei der ein interessiertes Publikum aus der Umgebung die angereisten Autoren ergänzte.

Ursula Poznanski
Ursula Poznanski

Leider hatte Nina Blazon ihre Lesung aus gesundheitlichen Gründen absagen müssen. Für sie eingesprungen war Ursula Poznanski, die aus ihrem Überaschungserfolg „Erebos„, einem phantastischen Thriller für Jugendliche, las. Mit nur wenigen Sätzen zog die Wiener Autorin ihre (meist eher gefühlt jugendlichen) Zuhörer in den Bann. Ich bin sicher, nach der Lesung war es für niemanden mehr eine Überraschung, dass dieses Buch nicht nur eine Unmenge an Lesern um den Schlaf gebracht hat, sondern auch in den Feuilletons großer Zeitungen wie der Süddeutschen oder der Neuen Züricher bestens besprochen wurde.

Kai Meyer hat sich längst eingerichtet in den Phantastik-Bestsellerlisten und einer riesigen Fangemeinde. Obwohl das sicherlich auch dem Gros des Publikums bekannt war, ging ein ehrfürchtiges Raunen durch den Saal, als Moderatorin Eva Völler, selbst Bestsellerautorin, von den weit über vierzig Romanen sprach, die der 41-Jährige inzwischen veröffentlicht hat, die weltweit in 27 Sprachen erschienen sind und teilweise Vorlage für Hörbücher, Hörspiele, Comics und Filme wurden.
Wir kamen an diesem Abend nicht nur in den Genuss einer sehr humorvollen Hörprobe aus dem im letzten Jahr erschienenen Roman „Arkadien erwacht„, sondern durften auch einer spannenden Szene aus dem frisch erschienen zweiten Band „Arkadien brennt“ lauschen.

Vor der Pause freute ich mich dann auf Wulf Dorn, dessen Romandebüt „Trigger“ ich ja schon mit Begeisterung gelesen und rezensiert habe. Nach dem durchaus nicht unerwarteten Erfolg des Erstlings, war ich nun sehr gespannt auf den zweiten Roman von Wulf, den ich hier ja ebenfalls schon vorgestellt habe. Der Nervenkitzel, den Wulf mit seiner herausragenden Lesestimme hervorrief, machte mir zweierlei klar: Zum einen wird „Kalte Stille“ seinem Vorgänger hinsichtlich des Erfolgs sicher in nichts nachstehen, zum anderen musste ich nach den Lesungen unbedingt an den Büchertisch.

Kai Meyer
Kai Meyer

Nach der Pause konnte ich mir dann endlich einen Eindruck verschaffen von Eva BaronskysHerr Mozart wacht auf„, das ich meinen Bloglesern bereits letztes Jahr allein aufgrund der göttlichen Idee vorgestellt habe. Der Roman, in dem Mozart im Jahre 2006 erwacht und sich von der Idee, sein Requiem zu beenden, getrieben in der neuen Zeit zurechtfinden muss, wird ganz offensichtlich zu recht hoch gelobt. Es war ein großartiges Erlebnis, mitzuerleben, wie Wolfgang beispielsweise die Bedeutung der Buchstabenkombination AC/DC zu ergründen sucht. Ein Erlebnis, das ich auch ohne die wunderbare musikalische Untermalung während der Lesung demnächst vertiefen werde.

Den Abschluss dieses unvergesslichen Leseabends bildete schließlich der Großmeister der deutschen Fantasy, Markus Heitz, womit der neben Kai Meyer und Wolfgang Hohlbein wohl bekannteste Vertreter seiner Zunft die Bühne betrat, um aus seinem im Frühjahr erschienenen Vampirthriller „Judassohn“ zu lesen, dessen Personal so gar nichts mit den weichgespülten Teenie-Idolen unserer Zeit zu tun hat. Die düstere Spannung, die sein Text hervorrufen wollte, wusste der Starautor mit dem ihm eigenen Humor trefflich aufzulockern.

Wulf Dorn
Wulf Dorn

Aufgelockert ging es nach den Lesungen dann in die Hotelbar, denn natürlich ist so ein Wochenende zu kurz, um es schlafend zu verbringen. In lustiger Runde, mehr oder weniger nach Rauchern und Nichtrauchern getrennt, schwatzte man sich so noch vergnüglich in den frühen Morgen.

Psychologie, All Age und Helferlein – rundum gut versichert

Ich hatte es leider im Vorfeld versäumt, mich für einen Workshop anzumelden, was allerdings angesichts der Tatsache, dass zur gleichen Zeit viele interessant Vorträge angeboten wurden, zu verschmerzen war.

Podiumsdiskussion, v.l.: Heike Brillmann-Ede, Jürgen Bräunlein, Ursula Poznanski, Brigitte Melzer
Podiumsdiskussion, v.l.: Heike Brillmann-Ede, Jürgen Bräunlein, Ursula Poznanski, Brigitte Melzer

Der Samstag begann also für mich mit dem Vortrag von Geschichtenweberin Melanie Metzenthin, die als Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie arbeitet und uns daher über das Thema „Figurenentwicklung: Wie entstehen Persönlichkeiten“ aufklären konnte. Besonders amüsant fiel dabei die abschließende Typisierung von Persönlichkeiten wie Superman oder den Blutsbrüdern Winnetou und Old Shatterhand aus.

In der anschließenden Podiumsdiskussion „Was liest du? – Ein kritischer Blick auf den All-Age-Rummel und die Bedürfnisse junger Leser“ führte Jürgen Bräunlein durch ein interessantes Gespräch über den Jugendroman und den Trend, dass auch Erwachsene vermehrt zum Jugendbuch greifen, den Verlage wiederrum mit dem Label „All Age“ beantworten. Mit von der Partie waren Heike Brillmann-Ede, die als Lektorin im Jugenbuchbereich bei Thienemann arbeitet, die Autorin Brigitte Melzer, Ursula Poznanski (s.o.) und Ole Johan Christiansen in seiner Funktion als Literaturwissenschaftler (ansonsten auch der Co-Autor von Thomas Plischke).

Nach dem Mittagessen beantwortete Fred Janssen von der Künstlersozialkasse in seinem Vortrag Fragen zur Künstlersozialversicherung. Das war sehr informativ und erfreulicherweise auch sehr persönlich.

Mit der Diplom-Pychologin Andrea Lionne Hinz ging es im Anschluss um „Die Psychologie des Schreibprozesses: Von Ideen auf der Straße, komplexem Problemlösen und höchstem Glücksgefühl“. Es ging also um Metastrategien in der Arbeit des Schtiftstellers.

Eva Baronsky
Eva Baronsky

Schließlich wartete Falko Löffler noch mit einem kleinen Schmankerl auf: „Digitale Helfer: Schreibsoftware für Autoren am Beispiel von ‚Scrivener'“. Wie meine Blogleser ja wissen, bin ich sehr interessiert an jeder Art von Autorensoftware und Falko, der auch im Bereich Computerspiele als Autor und Texter sehr erfahren ist, überzeugte mich sofort von „Scrivener„. Da die Software bisher nur für den Mac zu haben ist, hatte ich ihr noch keine Aufmerksamkeit geschenkt. Doch die Aussicht, dass das Programm im nächsten Jahr auch für Windows zu haben sein soll, ließ mich aufhorchen. Und was Falko uns damit alles vorführte, lässt yWriter, mit dem ich bis dato sehr zufrieden war, blass aussehen. Nun beginnt also die ungeduldige Wartezeit (eine Beta-Version soll schon im Oktober zu haben sein).

Nach diesem letzten Vortrag am Samstag ging es zum Abendessen. Derart gestärkt räumten die Autoren ihre Kofferräume leer und schleppten ihre Bücherkisten zur dafür eingerichteten Tauschbörse. Auch ich wurde noch einige Exemplare der Kriegerin los und muss mir dafür wohl wieder mal ein neues Bücherregal kaufen. Gefreut habe ich mich, bei dieser Gelegenheit Sandra Uschtrin endlich einmal persönlich kennenzulernen. Schließlich hat man ja von ihrer Arbeit schon lange profitiert.

Markus Heitz
Markus Heitz

Inzwischen verteilten sich die Teilnehmer ein wenig, um sich schließlich nach und nach wieder in der Hotelbar einzufinden. Ich möchte behaupten, der Abend wurde noch fröhlicher als der davor, zumal sich im Raucherraum bald eine Runde zusammenfand, die fleißig Ideen für ein hochgeheimes, dafür aber umso skurrileres Gemeinschaftsprojekt austauschte. Ein hochgradiger Spaß, dessen Ernst man aber keinesfalls unterschätzen sollte.

Schauspiel, Fernsehen und Grammatik

Am Sonntag habe ich daraufhin verschlafen. Glücklicherweise nur ein bisschen, sodass ich mit nur einer kleinen Verspätung zu Lisa-Marie Dickreiters Vortrag „Figuren zum Leben erwecken – wie sich AutorInnen mit Hilfe von Schauspiel-Techniken besser in Figuren und Szenen hineinversetzen können“ kam. Ein Vortrag, der viel Spaß bereitet hat. Und der mir  ein Mittel an die Hand gegeben hat, mit dem es mir eindringlicher als bisher gelingen sollte, Autoren zu vermitteln, wie sie tatsächlich ihre Figuren zum Leben erwecken können. Was ich oft umständlich zu erklären versuche, wurde in diesem Vortrag auf eine ebenso einfache wie treffende Formel gebracht, die ich mit Lisas Erlaubnis demnächst auf meinem Lektorenblog preisgeben will.

Peter Wohlleben ließ uns anschließend in seinem Vortrag „Hilfe, das Fernsehen kommt! – Erfahrungen, Tipps und Tricks im Umgang mit Medien“ an seinen umfangreichen Erfahrungen mit dem Thema teilhaben. Möglicherweise kommt man ja irgendwann einmal in den Genuss, davon zu profitieren.

Den Abschluss des Vortragswochenendes bildete „Selbst wenn sich der Autor ins Hinterteil bisse – Vom Reflexivpronomen bis zum Konjunktiv: Antworten auf die meist gestellten Fragen zur Grammatik bei Montségur“. Angelika Jodl, Sprachdozentin für die ausländischen Studenten der Uni München, verstand es dabei mit jeder Menge Humor auch die kniffligen Fälle der deutschen Sprache federleicht wirken zu lassen. Ihre Studenten sind jedenfalls zu beneiden.

v.l.: Andreas Wilhelm, Kay Meyer, Eva Baronsky, Wulf Dorn, Ursula Poznanski, Markus Heitz
v.l.: Andreas Wilhelm, Kay Meyer, Eva Baronsky, Wulf Dorn, Ursula Poznanski, Markus Heitz

Schließlich traf man sich zum letzten gemeinsamen Mittagessen, um sich dann nach und nach in alle Winde zu zerstreuen.

Wieder einmal nahm ich viel mit auf dem Heimweg: Bücher, Ideen, Inspiration, neue Erkentnisse und jede Menge toller Erfahrungen. Im Namen aller darf ich mich noch einmal ganz herzlich für die Organisation dieses großartigen Treffens besanken, ganz besonders natürlich bei Montségur-Chef Andreas Wilhelm, Programmleiterin Martina Sahler und Kameramann André Wiesler (es wird wieder eine DVD zu dem Treffen geben).

Rückblende: Sonntag

Der dritte Tag des Montsegur-Autorentreffens:

Der Sonntag war für mich Workshop-Tag. Die Aussicht, dadurch nun die interessanten Sonntagsvorträge zu verpassen, wurde mir dadurch nicht allzu schwer, dass sie dankenswerterweise wie auch an den Vortagen von André Wiesler mit der Kamera aufgezeichnet wurden, um hoffentlich bald auf DVD abrufbar zu sein.

Nachzuholen bleiben mir also die Vorträge „Witz bleib drin, du bist umzingelt! – Schreiben mit Ironie“ von Jürgen Bräunlein, „Wer hat Angst vor’m bösen Literaturwissenschaftler? – Ein kleiner Ausflug in die schöne Welt der Geisteswissenschaften mit ihren Potentialen und Ausprägungen“ von Ole Christiansen und Thomas Plischke sowie „Thema – Die DNS der Geschichte“ von Kathrin Sebens.

Der gut besetzte Workshop, den ich in dieser Zeit besuchte, hieß: „Ohne dich kann ich nicht sein – Symbiose von Inhalt und Sprache“. Mit großer Leidenschaft vermittelte uns Lisa-Marie Dickreiter, basierend auf ihren Erfahrungen aus dem dramaturgischen Bereich, an zahlreichen Textbeispielen (mein Stapel noch zu lesender Bücher ist um viele Meter gewachsen), wie man Stilmittel gekonnt einsetzt, um erstaunliche Wirkungen zu erzielen. Genau mein Thema also.

Der Workshop hätte noch andauern können, aber irgendwann war es eben Zeit zum Mittagessen. Im Anschluss blieb noch Zeit für einen gemütlichen Ausklang des Wochenendes auf der Hotelterasse.

Ein Wochenende, an dem ich wieder viel gelernt habe, Bekanntschaften vertieft und neue geschlossen und obendrein viel Inspiration mitgenommen habe und sogar ein paar der berüchtigten ungelegten Eier, über die man … na ja, ihr wisst schon.

Rückblende: Samstag

Der zweite Tag des Montsegur-Autorentreffens.

Pünktlich um 9.00 Uhr ging es los. Die Autorenschaft teilte sich in Workshop- und Vortragsbesucher. Da ich mich für einen Workshop am Sonntag eingetragen hatte, musste ich auf die samstäglichen von Hans Peter Roentgen („Exposee und Pitch“) und Andrea Schacht („Figurenbaukasten“) verzichten. Entschädigt wurde ich aber durch die tollen Vorträge.

Es begann psychologisch mit meiner Geschichtenweberkollegin Melanie Metzenthin, die uns als Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie mit ihrem Vortrag „Von unheilbaren Psychopathen und liebenswerten Schurken – Was zeichnet einen Bösewicht aus?“ die fachlich korrekten Fakten über unsere Antihelden näherbrachte.

Ebenso ein Fachmann auf seinem Gebiet ist Joachim Jessen von der Agentur Schlück, der in humorvoller Weise über die „Zusammenarbeit Autor – Agent – Verlag“ dozierte und dabei mit eigenen Erfahrungen nicht hinterm Berg hielt.

Jessen war auch Teilnehmer der anschließenden hoch interessanten Podiumsdiskussion „Wie die Jungfrau zum Kind … oder Warum werden Bücher Bestseller?“, in der neben ihm auch der Leiter des Bereichs Internet Communication bei Droemer Knaur, Domimik Huber, Juliane Korelski, Autorin und ehemalige Buchhändlerin, sowie die Bestsellerautorinnen Andrea Schacht und Eva Völler Interessantes zum Thema beizutregen hatten, wohl geführt und moderiert durch Jürgen Bräunlein.

Nach dem Mittagessen führte Dominik Huber dann seine Thesen, Erfahrungen und die Erfahrungen von Untersuchungen bezüglich „Autoren(selbst)marketing, neue Medien + virale Effekte“ aus. Gerade der Einfluss, den laut seinen Ausführungen das Internet auf die Karriere von Sebastian Fitzek hatte, war für die meisten Zuhörer sicher eine ganz neue Komponente.

Allen bekannt dürfte dagegen das Grundproblem gewesen sein, über das Titus Müller im Anschluss sprach. „Leben als Autor (Selbstzweifel, Motivation, Rituale)“. Man merkte es den belustigten Reaktionen des Publikums an, dass nicht nur ich meine Probleme und Problemchen in dem Vortrag wiederfand.

„Ein multimediales Event“ nannte André Wiesler seinen anschließenden Beitrag „Von Blutsaugern, Hexen und Menschenfressern“. Und schaurig schön ging es dann auch zu. So ein bisschen Grusel vor dem Abendbrot hat sicher keinem geschadet.

Nach dem leckeren Abendessen ging es dann wieder in die Hotelbar, wo es wieder sehr gemütlich bis beschwingt zuging.

Rückblende: Freitag

In drei kleinen Artikeln will ich das Montsegur-Autorentreffen dieses Jahres Revue passieren lassn, das vom 28. bis 30. August im Parkhotel am Taunus in Oberursel stattfand und Anlass und Auftakt meiner kleinen Urlaubsreise war.

Wie jedes Jahr gab es auch diesmal wieder einen grandiosen Beginn: den großen Leseabend am Freitag. Und wie schon im letzten Jahr musste ich mich aus anreisetechnischen Gründen leicht verspätet in den großen Saal hineinschleichen.

So habe ich leider die allseits hochgelobte Lesung von Titus Müller verpasst, der aus seinem Roman „Das Mysterium“ gelesen hat. Und ich musste hoffen, das André Wiesler, der gerade aus seinem phantastischen Roman „Wolfsfluch“ las, sich von meinem verspäteten Eindringen nicht allzu sehr gestört fühlte. Jedenfalls hat er sich hinterher nicht bei mir beschwert, was wahrscheinlich seinem nachsichtigem Wesen anzurechnen war.

Der Zuschauerraum war voll und von der gekonnten Performance von André sichtlich angetan. Auch mir gelang es kaum einmal, den Blick abzuwenden und durch die Publikumsreihen wandern zu lassen, um erste bekannte Gesichter auszumachen. Iny und Elmar Lorentz saßen da und begrüßten mich mit einem stillen Winker. Direkt hinter ihnen entdeckte ich Susanne Ruitenberg, zwei Reihen vor ihnen wenig später Ursula Poznanski.
So mischte sich unter das Vergnügen, dem Lesenden zuzuhören, bereits die Vorfreude auf ein vielfaches Wiedersehen mit lieben Montsegurkollegen.

André reichte das Mikrofon weiter an Eva Völler, die an diesem Abend unter einem ihrer vielen erfolgreichen Pseudonymen auftrat und als Charlotte Thomas aus ihrem Historischen Roman „Die Liebenden von San Marco“ las, der im Venedig von 1510 spielt.

Die anschließende Pause nutzte ich, um weiteren Bekannten die Hände zu schütteln. Mehr als achtzig Autoren waren angereist, darunter auch viele neue Gesichter und solche, die einem in Erinnerung riefen, dass schon das Wochenende im letzten Jahr nicht ausgereicht hatte, jeden persönlich kennenzulernen.

Besonders erfreulich, auch ein paar Geschichtenweber wiederzutreffen. Melanie Metzenthin  und Claudia Hornung zum Beispiel. Auch Barbara Peters wiederzusehen war eine große Freude, kannte ich die Hamburger Kinderbuch-Autorin doch schon von diversen Lesebühnen in Rostock.

Nach der Pause dann waren alle gespannt auf Sebastian Fitzek, der die Lesung aus seinem Thriller „Splitter“ mit allerhand anekdötelnden Splittern aus seinem Leben (und dem seiner Freunde) garnierte und so ein rundum schmackhaftes Mahl mit mehr als einer Prise Witz servierte.

Den Schluss der „Leserunde“ bildete Katerina Timm mit der Lesung aus ihrem zweiten Roman „Hexenschwester“, der Endes September in die Buchhandlungen kommen soll.

Ein rundum gelungener Abend also, der seinen Ausklang im gemütlichen Beisammensein in der Hotelbar fand, wo ich die Begrüßungen fortführen und vertiefen konnte und meinem Laster folgend schließlich im Kreis der qualmenden Autoren endete.

Die Mega-Lesung

Am 28.08. ist es wieder so weit: Oberursel wird von (Bestseller-) Autoren heimgesucht. Das Montsegur Autorenform reist an und fährt auf!

Beginnend um 20.00 Uhr werden je eine halbe Stunde lesen:

Titus Müller aus „Das Mysterium“ (Aufbau)
André Wiesler aus „Wolfsfluch“ (Heyne)
Charlotte Thomas aus „Die Liebenden von San Marco“ (Ehrenwirth)
Sebastian Fitzek aus „Splitter“ (Droemer Knaur)
Katerina Timm aus „Hexenschwester“ (Marion Von Schröder)

Natürlich stehen die Autoren hinterher gerne Rede und Antwort, es kann geplaudert und signiert werden.

Da die Lesung den Auftakt zum alljährlichen Mitgliedertreffen des Montsegur Autorenforums darstellt, wird man außerdem auch im Publikum auf zahlreiche Autoren treffen, unter ihnen z.B. Iny Lorentz, Andreas Wilhelm, Andrea Schacht, Thomas Finn und viele weitere.

Ort der Veranstaltung:

Parkhotel am Taunus
Hohemarkstr. 168
61440 Oberursel/Taunus
Tel.: 06171-9200
http://www.waldlust.de

Eintritt: 10,- Euro

Es wird eine Pause geben, in der Getränke gekauft werden können. Natürlich wird es auch einen Büchertisch geben, der freundlicherweise von der Buchhandlung Bollinger vor Ort organisiert wird.

Die Montségur-Autoren freuen sich auf viele Besucher und einen hoffentlich unvergleichlichen Abend für alle!