Vertrag dich: Vergriffen

© Franck Boston
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Weiter geht es im Vertragspoker. Vorweg sei gesagt, dass die Artikel von mir nach bestem Wissen und Gewissen verfasst werden. Aber ich bin kein Jurist. Im Streitfall könnt ihr euch also weder auf mich noch auf meine Ausführungen hier berufen.

Ist die Verlagsausgabe des Werkes vergriffen und wird vom Verlag nicht mehr angeboten und ausgeliefert, sieht der Normvertrag Folgendes vor (§ 9 Absatz 1):

  1. Der Verlag muss den Autor über diese Sachlage informieren.
  2. Der Autor kann nun den Verlag schriftlich auffordern, sich innerhalb von drei Monaten nach dieser Aufforderung zu verpflichten, eine ausreichende Anzahl weiterer Exemplare des Werkes herzustellen und zu verbreiten. Das heißt, der Verlag muss sich innerhalb dieser drei Monate für ein Ja oder ein Nein entscheiden.
  3. Im Vertrag wird für den Fall, dass der Verlag diese Verpflichtung eingeht, eine weitere Frist individuell festgelegt, bis zu der der Verlag dieser Verpflichtung nachkommen muss. Diese Frist beginnt mit dem Ablauf der drei Monate, die der Verlag für die Entscheidung Zeit hatte.

Kompliziert? Nehmen wir uns ein Beispiel vor:

Der Verlag informiert den Autor am heutigen 4. Januar, dass sein Buch vergriffen ist. Der Autor reagiert prompt und schickte dem Verlag am 5. Januar die Aufforderung, nachzudrucken. Die Aufforderung geht am 6. Januar beim Verlag ein. Der Verlag hat nun drei Monate Zeit, sich zum Nachdruck zu verpflichten. Am 15. Februar geht der Verlag diese Verpflichtung ein. Er befindet sich damit innerhalb der Dreimonatsfrist, die am 6. April endet. Die Vertragspartner hatten im Vertrag eine Frist zum Nachdrucken von 12 Monaten vereinbart. Diese beginnen mit dem Ende der Dreimonatsfrist, also am 6. April. Der Verlag muss also seiner Verpflichtung bis zum 6. April des Folgejahres nachkommen.

In der Regel wird der Autor diese Rechnung nicht machen müssen, weil sich der Verlag frühzeitig für oder gegen eine Neuauflage entscheiden und die Fristen nicht ausreizen wird.

Rechte zurück!

Lässt der Verlag jedoch eine dieser Fristen verstreichen, kann der Autor schriftlich vom Vertrag zurücktreten (und somit die Verwertungsrechte vollumfänglich zurückhalten). Liegt ein Verschulden des Verlags vor, kann der Autor stattdessen Schadenersatz wegen Nichterfüllung verlangen. Fließen dem Verlag anschließend etwa durch Remission noch Restexemplare zu, ist er wiederum in einer festzulegenden Frist berechtigt, diese noch zu verkaufen. Er ist allerdings verpflichtet, den Autor über die Anzahl der Exemplare zu unterrichten und sie ihm zur Übernahme anzubieten.

Der zweite Absatz des Paragrafen legt außerdem fest, dass es das Recht des Autors ist, das Werk für Folgeauflagen zu überarbeiten. Bei Werken wie Sachbüchern, bei denen eine solche Überarbeitung notwendig wird, ist der Autor zur Überarbeitung sogar verpflichtet. Wesentlichen Veränderungen von Art und Umfang des Werkes muss der Verlag zustimmen.

Lehnt der Autor die Bearbeitung ab, ist dazu nicht in der Lage oder liefert nicht in einer angemessenen Frist, kann der Verlag einen Dritten als Bearbeiter bestellen. In diesem Fall bedarf es hinsichtlich wesentlicher Änderungen der Zustimmung des Autors.

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Vertrag dich: Im Sinne des Autors

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In §2 Absatz 5d des Normvertrags werden drei Dinge geregelt, die das geistige Eigentum des Autors schützen:

1. Sofern der Verlag laut Vertrag berechtigt ist, Änderungen am Werk vorzunehmen oder vornehmen zu lassen, so darf das nur in einer Weise geschehen, die nicht die geistigen und persönlichen Rechte des Autors am Werk gefährden könnte. Dies ist im Sinne des Urheberrechtsschutzes.

2. Vergibt der Verlag zur Ausübung eines der Nebenrechte eine Lizenz an einen Dritten, ist er dazu verpflichtet, darauf hinzuwirken, dass auch der Lizenznehmer den Autor vor Beginn einer entsprechenden Bearbeitung des Werkes anhört.

3. Ebenso ist der Autor natürlich vom Verlag selbst anzuhören, falls dieser eines der Nebenrechte selbst ausüben will. Besitzt der Autor die entsprechenden Kompetenzen, muss der Verlag zunächst ihm die entsprechende Bearbeitung des Werkes anbieten, bevor ein Dritter beauftragt wird.

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PB-Plotten: 19 – Rohmanuskript

Tja, ob man nun viel oder wenig Aufwand mit dem Plotten betrieben hat, die eigentliche Schreibarbeit hat man erst noch vor sich. Und deren Ergebnis kann immer nur eine erste Fassung sein, ein Rohmanuskript, das von der Endfassung noch den einen oder anderen Überarbeitungsschritt entfernt ist.

Auch wird die umfangreichste Vorausplanung nicht vollständig davor schützen, beim Schreiben nicht doch noch Lücken, Fehler oder Verbesserungsmöglichkeiten zu finden.

Wie man damit umgehen sollte, ist schwerlich in einen allgemeinen Empfehlung auszudrücken. So gibt es Autoren, die es schaffen, sich während der Niederschrift der Rohversion von allen perfektionistischen Korrekturteufeln freizumachen. Sie schreiben den Text herunter, ohne sich schon um den optimalen Ausdruck zu scheren, merken Lücken und Schwächen im Manuskript bestenfalls an und schieben die Beseitigung aller Unklarheiten bis zur Überarbeitungsphase auf.

Auf der anderen Seite stehen die, die kaum einen einzelnen Satz zu Papier bringen, ehe sie nicht davon überzeugt sind, dass der vorherige sein bestmögliches Outfit angelegt hat, die nicht weiterkommen, wenn sie nicht auch noch das letzte Detail, das ihnen den Weg versperrt hat, in Grund und Boden recherchiert haben, die keine neue Szene beginnen können, wenn sie in der vorhegehenden noch eine klitzekleine logische Schwäche vermuten.

Letztere Spezies, zu der ich mich auch rechne, hat den Vorteil, mit der ersten Fassung der Finalversion schon recht nahe zu kommen. Dafür allerdings hat sie größere Schwierigkeiten, täglich eine gleichbleibend hohe Schreibleistung zu erzielen. Kleinigkeiten sorgen für Unterbrechung und können hin und wieder zur Verzweiflung führen.

Wer es kann, der sollte durchaus versuchen, die Rohversion quasi in einem Rutsch zu erstellen. Wer umfangreich plottet, sollte auch dann in der Überarbeitungsphase keine allzu großen Schwierigkeiten mit grundlegenden und/oder sehr umfangreichen Nachbesserungen und Änderungen bekommen.

Wo allerdings etwas grundsätzlich nicht funktioniert, sollte man darauf achten, dass man nicht sinnlos weiterschreibt.

(PB-Plotten: Die Liste)

Ausgesetzt

Seine Werke online zu veröffentlichen ist heutzutage kein Problem mehr. Ob auf dem eigenen Blog oder in mehr oder weniger ansehnlichem Outfit auf einer der aus dem WWW-Boden sprießenden Communitys – jeder kann mit wenigen Klicks seine Texte im Netz publizieren.

Während der Autor einer Printpublikation in der Regel Resonanz eher auf dem indirekten Weg erfährt, kommen Online-Autoren meist in den Genuss der direkten Kommunikation. Das geht so weit, dass der Leser dem Autor eigene Ideen und Verbesserungsvorschläge unterbreiten kann. Mehr noch: Erscheint es dem Autor vernünftig, ist er in der Lage, daraufhin Änderungen an seinem Text vorzunehmen. Der Begriff der konstruktiven Kritik erlebt damit einhergehend eine neue Blüte.

Nun bleibt allerdings eine Veröffentlichung eine Veröffentlichung. Publiziere ich einen Text von mir, bringe ihn also in eine uneingeschränkte Öffentlichkeit, dann setze ich ihn aus. Fortan gehört er dem Leser. Als Online-Autor bin ich selbst in der verlegerischen Verantwortung, zu entscheiden, ob der Text tatsächlich veröffentlichungsreif ist oder nicht.

Genauso wenig wie der Autor einer Printpublikation kann sich der Online-Autor seine Leser und Kritiker aussuchen. Dabei spielt es keinerlei Rolle, ob er dessen Aussagen zum Text wirklich als sachlich, freundlich, zutreffend, gerecht oder konstruktiv betrachtet.

Übrigens, der Neidfaktor, der hinsichtlich als unsachlich eingestufter Kommentare gern betont wird, mag sicherlich hier und da zutreffen, aber zum einen spielt das letztlich keine Rolle, zum anderen kann er auch schnell zu einer kleinen Selbsttäuschung missbraucht werden.

Ein letztes Mal

Gestern sind die Druckfahnen von Arcanum gekommen. Ein letztes Mal heißt es jetzt gründlich lesen, um möglicherweise noch Änderungswünsche anbringen zu können. Wenn schließlich das nächste Mal Post vom Verlag kommt, sollten es die Belegexemplare sein.