Philvent – die zwanzigste Tür

© Ramona Heim
© Ramona Heim
© Ramona Heim

Ich wünsche euch eine frohe Philventszeit! Hä? Ja, richtig gehört. Das ist die Zeit der 24 kleinen Geschichten. Jeden Tag eine neue. Und jede neue übertrifft die vorige um einen Satz. Bis zum 24. Dezember, Philnachten, geht das so.

Die Entscheidung war gefallen! Er wollte kein Risiko eingehen. Er durfte kein Risiko eingehen. Nicht an einem Heiligen Abend, an dem er zum ersten Mal der Gastgeber war. Nicht bei einem Abendessen, das er noch nie zuvor gekocht hatte. Nun stand er in seiner Küche und betrachtete die Zutaten für das Festessen. Sicher, es war ein wenig verschwenderisch. Doch zu einem solchen Anlass musste er sich einfach einen Probedurchlauf leisten. Ein Testkochen vier Tage vor dem Fest.

Er begann mit der Beilage, wollte sich sozusagen eingrooven. Er hielt das für eine gute Idee. Aufmerksam studierte er das Rezept. Er hatte es seiner Mutter aus dem Kreuz geleiert. Die hielt sein gesamtes Vorhaben offenbar für eine weit weniger gute Idee. Aber sie traute ihm ja kaum zu, die eigenen Schuhe zuzubinden. Tatsächlich war er allerdings selbst nach mehreren Anläufen nicht zufrieden. Er entschied sich nach dreistündigem vergeblichen Bemühen dazu, sich auf die Hauptspeise zu konzentrieren, deren Zubereitung ihm ein wenig unkomplizierter schien, und die Beilage fertig zu erstehen. Wirklich war er schließlich nach nur zwei Versuchen, als der zarte Fleischgeschmack seine Zunge umschmeichelte, überzeugt, es schmecke fast so gut wie bei Muttern.

Der Stolz auf das Vollbrachte verführte ihn dazu, sich gleich an seinen Computer zu setzen und eine weihnachtliche Speisekarte zu entwerfen. Ein Seufzen entfuhr ihm, als er die Buchstaben betrachtete: „Heiße Würstchen mit Kartoffelsalat“.

Messie

Vom Schreibtisch, Foto: Marko Tomicic
Vom Schreibtisch, Foto: Marko Tomicic
© Marko Tomicic

Jep, ich bin gar nicht da, denn ich laufe gerade auf der Buchmesse herum. Heute ist mein erster offizieller Tag, denn ich bin gestern erst nach Frankfurt angereist, was gerade noch die Zeit ließ, gemeinsam mit meiner Liebsten auf eine Verlagsparty zu gehen (nein, Interna werden nicht verraten).

Heute also Messetag, viele Kollegen treffen, Lesungen hören, wichtige Gespräche führen, an Verlagsständen rumlungern, Bücher anschauen, Füße wundlaufen, Kollegen treffen, … Am Abend dann zum traditionelle China-Buffet (genau, mit vielen Kollegen) und anschließend zum Galaktischen Forum (richtig, auch eine Party).

Morgen zum BuCon in Dreieich. Im Prinzip ähnlich wie heute, nur in kleiner und gemütlicher. Anschließend … wie? Nein, keine Party, aber das traditionelle Dreieich-Abendessen mit den Geschichtenwebern.

Sonntag schließlich noch ein Buchmessetag (s. o.), allerdings diesmal in kürzer.

Auch euch ein schönes Wochenende!

Beschiss für deine(n) Prota

© Muellek Josef
© Muellek Josef

Du brauchst mal ein bisschen Abwechslung von dem Manuskript, an dem du gerade arbeitest? Du willst gegen eine Schreibblockade ankämpfen? Du kennst deinen Protagonisten/deine Protagonistin noch nicht gut genug?

Da kann ich doch nichts dafür! Ich will dir lediglich ein bisschen Spaß verschaffen.

Also nimm den Protagonisten/die Protagonistin aus deinem aktuellen (oder dem nächsten) Projekt, setze ihn/sie in die folgende Szene und beobachte genau, wie er/sie sich verhält. Sollte er/sie das nicht wissen, wirst du dir allerdings selbst den Kopf zerbrechen müssen.

Und keine Sorge, auch Könige, Piraten, Waldläufer, Zwerge und gestiefelte Kater dürfen gern einmal aus ihrer Welt heraustreten, um sich in einer solchen Szenerie wiederzufinden, vorausgesetzt sie vergessen dabei ihre Charaktereigenschaften nicht. Dann kann man mit ihnen wahrscheinlich sogar besonders viel Spaß haben.

Unter Zeitdruck

Schreibe deine(n) Prota also in einen Termindruck. Ein wichtiges Treffen, ein Vortrag, der seine/ihre Karriere entscheidend beeinflussen kann, ein Abendessen mit dem Chef oder ein Date mit seiner/ihrer großen Liebe. Prota ist überzeugt davon, dass dieser Termin sein/ihr Leben entscheidend beeinflussen wird, ein Versäumen den Untergang bedeutet.

Prota hat sich herausgeputzt und kommt gerade rechtzeitig vor der vereinbarten Zeit am vereinbarten Treffpunkt an. Sch…! Prota rutscht aus und landet mit den guten Klamotten mitten in einem frischen Hundehaufen. Das ist nicht nur gut sichtbar, sondern auch eine Beleidigung für jeden Riechkolben.

Was wird Prota unternehmen? Verzweifelt er/sie oder nimmt er/sie es mit Humor? Lässt er/sie den Termin oder seine/ihre Eitelkeit sausen? Sucht er/sie nach einer Lösung, die weder das eine noch das andere nötig macht? Und welche Lösung passt zu deinem/r Prota?

Anschließend darf sich dein(e) Prota von dieser Tortur gern ein bisschen erholen und sei es in dem ihm/ihr von dir zugedachten Abenteuer. Nächste Woche kannst du ihn/sie dann hier in eine neue Prüfung schicken. Falls dir die Zeit bis dahin zu lang werden sollte, steht es dir frei, weitere deiner Figuren in den Dreck fallen zu lassen.

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Weitere Prüfungen für deine(n) Prota

 

Schöne Bescherung

Dieses würde wahrscheinlich das traurigste Weihnachtsfest werden, das ich je erlebt hatte. Es war der 23. Dezember und ich kam soeben von der Post, wo ich die letzten Grußkarten und ein kleines Päckchen für die Familie meiner Tante verschickt hatte. Glücklicherweise waren meine Verwandten daran gewöhnt, die Geschenke von mir erst nach den Feiertagen zu erhalten. Ich dachte heute allerdings sowieso nur noch an mein eigenes Fest.

Es würde in meiner kleinen Zweizimmerwohnung vor dem Fernseher stattfinden. Und das war gut so. Ein gemütliches Familienbeisammensein bei meinen Eltern hätte mir den Rest gegeben. Glücklicherweise verbrachten sie die Festtage in einem kleinen Haus in Dänemark. Das ersparte mir lange Ausreden.

Und das Angebot von Uwe, bei Wein und Kerzenschein noch einmal von vorn zu beginnen, war einfach lächerlich. So sehr ich seine Anwesenheit jetzt auch vermisste, es gab kein Zurück mehr! Seine Pute vom letzten Jahr wäre allerdings sehr willkommen gewesen.

„Ich, … äh, wünsche Ihnen frohe Weihnachten.“
Das war Peter Ernst, mein unangenehmer Nachbar, der mich mal wieder direkt vor meiner Wohnungstür abgefasst hatte.
„Ja, vielen Dank. Dir auch.“ Es widerstrebte mir, einen etwa Gleichaltrigen zu siezen. Eigentlich widerstrebte es mir überhaupt, mit Peter zu sprechen.
„D… danke sehr“, antwortete er und machte sich auf, die Treppe hinabzusteigen, nicht ohne sich unauffällig – wie er meinte – einige Male nach mir umzudrehen. Ich schlüsselte in meinem Schloss herum, das – wie immer – nur mit sehr viel Gefühl aufzubekommen war. Peter hatte mich wahrscheinlich schon vom Fenster aus beobachtet und tat nun so, als müsse er irgendwohin. Jetzt ging er vermutlich einmal langsam um den Block, um dann wieder in seiner Wohnung zu verschwinden. Es war ja seine Zeit, die er auf diese Weise vertrödelte.

Ich hielt es nicht lange zu Hause aus. Bald schon machte ich mich auf den Weg in eine kleine Kneipe, wo ich nach wenigen Wodka-Lemon vor den zudringlichen Stammtischhockern in die nächstbeste Disko flüchtete, die gerade erst ihre Pforten öffnete. Ich verbrachte die Nacht tanzend und mit den Drinks, die irgendwelche Männer mir spendierten, und fiel am frühen Morgen reichlich betäubt in mein Bett.

Am späten Vormittag des Heiligen Abends weckte mich das Telefon. Gemeinsam mit dem Kater, der sich über Nacht in meinem Kopf eingenistet hatte, schlafwandelte ich zu dem unerwarteten Wecker und nahm den Hörer ab.
„Guten Morgen, mein Schatz, habe ich dich geweckt?“
„Nein“, log ich Uwe an, gab mir aber keinerlei Mühe, auch nur annähernd so zu klingen, als sei ich schon seit Stunden auf den Beinen. „Das Schatz kannst du dir sparen.“
„Ach Lischen, sei doch nicht so. Noch könnten wir ein schönes gemeinsames Weihnachtsfest feiern.“
„Ich will aber nicht“, brummte ich, da meine Stimme zu nichts anderem in der Lage war.
„Ich bring Stollen mit, wir trinken schön Kaffee, dann hab ich ein nettes kleines Geschenk für dich …“
„Steck es dir sonst wohin! Hörst du mir immer noch nicht zu? Ich will mit dir nichts mehr zu tun haben!“ Damit knallte ich den Hörer auf.
Er begann noch schlimmer, als ich gedacht hatte, der Heilige Abend. Ein brummiger Kater hinter der Stirn und eine nervige Töle am Telefon.

Ich ging in meine Miniküche, um mir einen Kaffee zu kochen. Dabei stieß ich mir meinen nackten kleinen Zeh am Küchenschränkchen, das immerhin Schrank genug war, einen mächtigen Schmerz hervorzurufen. Ich fühlte mich sogar zum Fluchen zu schwach.
Während ich auf den Kaffee wartete und verträumt dem Abklingen des Schmerzes lauschte, schlummerte ich wieder ein.

Es klingelte an der Tür. Ich schreckte auf, wunderte mich erst, wo ich war, dann, wer das sein könnte, sah nach der Küchenuhr – 17.02 Uhr –, hetzte an einem zerzausten Spiegelbild vorbei und öffnete die Tür nur einen Spalt. Aber da war niemand. Ich tat einen Schritt zur Tür hinaus und stolperte über ein verwaistes, sorgsam in kitschiges Weihnachtspapier eingeschlagenes Päckchen. Nachdem ich mich wieder gefangen hatte, entdeckte ich an einem roten Bändchen einen Umschlag. Wütend hob ich den Stolperstein auf. Konnte Uwe mich nicht in Ruhe lassen?

Nach kurzer Überlegung warf ich das Päckchen doch nicht die Treppe hinunter, sondern nahm es mit in die Wohnung, knallte dafür aber kräftig mit der Tür. Im Wohnzimmer öffnete ich zunächst den Umschlag. Auf einer Weihnachtskarte, die noch kitschiger war als das Papier – unter der Überschrift „Frohes Fest“ streckte mir ein Plüschbär ein rotes Geschenk mit grünem Band entgegen –, standen in einer filigranen Schrift, die unmöglich zu Uwe gehören konnte, die Worte:

„Dem leidenden Herz
das doch wieder einsam
ein Trost seinem Schmerz
zu heilen den Gram.“

Ein wenig schmalzig war es ja. Und doch war ich in diesem Moment seltsam gerührt. Von wem konnte das stammen? Ich öffnete das Päckchen. Es enthielt eine Flasche meines Lieblingsweins, einen Dresdner Stollen, eine Kerze und die neue CD von Maria Mena. Da kannte mich aber jemand gut: Ich fand auch noch die kleine silberne Kette, die ich vor einigen Tagen im Schaufenster bewundert und für zu teuer befunden hatte.

Ich klingelte. Peter öffnete ein wenig verwundert die Tür.
„Das kann ich nicht annehmen“, sagte ich frei heraus.
Peter blickte zu Boden: „W… was können Sie nicht annehmen?“
„Dein Geschenk, das du mir vor die Tür gelegt hast.“
„W… woher wissen Sie?“
„Wer sonst sollte es gewesen sein?“
„I… ich bitte Sie, nehmen Sie es an. Sie würden mir einen großen Gefallen tun.“
Zum ersten Mal sah er mir in die Augen. Sein Blick hatte etwas Flehendes.

Ich betrachtete ihn. Er war wirklich keine Schönheit. Seine Gestalt wirkte ein wenig in sich zusammengesunken, was die schmalen Schultern im Kontrast zu dem nicht gerade schlanken Rest seines Körpers noch unterstrichen. Sein rundes, konturloses Gesicht ähnelte einem ungebräunten Pfannkuchen. Unglaublich, ja geradezu unerhört, dass es Uwe in seinem grenzenlosen Wahn geschafft hatte, sogar auf diesen Mann eifersüchtig zu sein, dessen Blicke für mich ja nur ertragbares Übel gewesen waren. Aber Peter hatte, jetzt, da ich ihn genauer betrachtete, auch etwas Liebes. Etwas Unschuldiges.

„Na gut, ich nehme es an. Wenn es dir so viel bedeutet. Vielen Dank also. Jetzt muss ich aber wieder rüber. Bei dir riecht es, als würdest du Gäste erwarten.“
„Oh nein. Ich mache mir immer an Weihnachten Pute. Darauf will ich nicht verzichten.“
„Na dann. Einen fröhlichen Heiligen Abend noch“, sagte ich, drehte mich um und kreiste um den Gedanken, wer von uns beiden wohl heute einsamer war.

„Sie b… bleiben heute wirklich allein?“, fragte Peter.
„Was geht dich das an?“, wollte ich antworten, besann mich aber des Geschenks. „Ja“, sagte ich stattdessen und ein „leider“ entfuhr mir noch.
„I… ich habe alles schön dekoriert und die Pute ist bald fertig. W… wollen Sie nicht vielleicht zu mir rüberkommen?“
„Nein!“, antwortete ich schnell. „Nicht bevor ich mich ein wenig zurecht gemacht habe. Und nicht, wenn du nicht aufhörst, mich zu siezen.“

Ich ging in mein Badezimmer und freute mich auf einen vielleicht doch nicht so traurigen Heiligen Abend.

Der BuCon war zu kurz

Mit etwas Verspätung will ich nun noch vom Samstag in Frankfurt, genauer in Dreieich, berichten.
Im dortigen Bürgerhaus findet alljährlich parallel zur Buchmesse der / die Buchmesse Con statt. Das ist sozusagen eine (stark) verkleinerte Ausgabe der Buchmesse, die sich speziell an Freunde der phantastischen Literatur richtet. Und es ist der jährliche Haupttreffpunkt der Geschichtenweber geworden.

Kurz nach 11.00 Uhr lenkte ich meine brave Karre auf den Parkplatz des Bürgerhauses. Nachdem ich mir am Einlass das übliche Tütchen mit kleinen Präsenten und Werbeprospekten abgeholt hatte, fand ich mich unter den ersten Frühconventlern, zu denen leider weder ein Geschichtenweber noch eine mir sonst irgendwie bekannte Person gehörte.

Also nach einer kleinen Inforunde erst einmal zurück an die frische Luft und rauchenderweise auf bekannte Ankömmlinge warten. Als erstes tauchte Nina Horvath auf, quasi direkt aus dem Liegewagen des Zugs aus Wien. Wir gingen gemeinsam wieder in den großen Saal, setzten uns mit zwei Käffchen an einen freien Tisch und harrten der Geschichtenweber, die da noch kommen sollten.

Jörg Olbrich: Das Erbe des Antipatros
Jörg Olbrich: Das Erbe des Antipatros

Das wurden schließlich eine ganze Menge. Rund 40 Forenkollegen und -kolleginnen trudelten im Laufe des Tages ein. Unser Stand wurde direkt neben dem des Scratch-Verlags mit Büchern und Naschereien drapiert. Natürlich musste ich mir beim Nachbarn gleich den Debütroman von Geschichtenweberadmin Jörg Olbrich anschauen, „Das Erbe des Antipatros„, von dem ich mir später auch ein signiertes Exemplar mitnehmen durfte.

Sehnsüchtig erwartet wurde Timo Bader, nicht zuletzt, weil er die neuen Geschichtenweber-T-Shirts mit sich führte. Bald darauf wurde es viel leichter, Geschichtenweber von Nicht-Geschichtenweber zu unterscheiden. Dennoch gab es Geschichtenweber in allen Farben zu sehen, ein recht butes Treiben.

Die GW-Shirts (Foto: Nina Horvath)
Die GW-Shirts (Foto: Nina Horvath)

Natürlich gab es nicht nur Geschichtenweber auf der Con. Einige der Conbesucher hatte ich schon am Vortag auf der Buchmesse oder beim Galaktischen Forum getroffen, mit anderen gab es ein exclusives Wiedersehen in Dreieich.

Und natürlich fiel es wieder schwer, sich einerseits zwischen den vielfältigen Programmpunkten, andererseits zwischen Programm und Gesprächen zu entscheiden. Ich besuchte schließlich die Lesungen von Christoph Hardebusch und Thomas Finn und konnte mich freuen, dass ich Markus Heitz stattdessen am gestrigen Mittwoch bei seiner Lesung in Rostock besuchen durfte (dazu mehr an anderer Stelle).
Sehr interessant auch die Podiumsdiskussion zum Thema, ob sich in der Zukunft der Fantasyliteratur die angeblich guten Autoren endgültig gegen den angeblichen Trash des Genres durchsetzen werden.

Schließlich stand noch die Verleihung des Deutschen Phantastikpreises an, der in diversen Kategorien vergeben wurde. Während Markus Heitz in der Kategorie Bester deutschsprachiger Roman gleich mal den zweiten und den ersten Platz belegte, wurde die Anthologie „Die Unterirdischen“ der Geschichtenweber auf Platz 2 in der Kategorie Beste deutschsprachige Anthologie gewebt. Auch in der Anthologie, die es auf Platz 3 schaffte, Drachenkinder: „Geschichten eines Krieges“, bin ich mit einer Geschichte vertreten.

Die beiden Höhepunkte des Tages (jedenmfalls für mich) sollten jedoch erst noch folgen.
Zunächst gleich im Anschluss an die Preisverleihung die Lesung der Geschichtenweber! Trotz vorgerückter Stunde füllte sich das sogenannte Hangardeck, in dem sechs Geschichtenweber von vorn und einer aus dem Publikum die aktuellen Veröffentlichungen vorstellten sowie einen Ausblick auf die Zukunft gaben. Das Alles im fünften Bestehensjahr der Autorengruppe.

Lesung der Geschichtenweber (Foto: Simone Edelberg)
Lesung der Geschichtenweber (Foto: Simone Edelberg)

Den Anfang machte Timo Bader, der nach der Vorstellung ein paar Worte zu „Darwins Schildkröte“ verlor, um dann einen Ausschnitt  seiner Geschichte daraus vorzutragen. Zur Verstärkung hatte er sich einen zweiten Leser auf die Bühne geholt: mich! Warum er mir den Text nicht vorher schon in die Hand gedrückt hatte, wurde mir allerdings erst jetzt klar: Ich las die Rolle eines überaus hässlichen, haarigen 200-Kilo-Außerirdischen!
Nachdem das sowohl im Publikum als auch am Lesetisch für viel Belustigung gesorgt hatte, stellte Wolfgang Schroeder quasi inkokgnito aus den Reihen der Zuschauer die Krimianthologie „Mord in jeder Beziehung“ vor, aus der Berta Berger (wieder von vorne) mit einer Probe ihres Beitrags sicher auch den ein oder anderen eingefleischten Phantastik-Freak neugierig machen konnte.
Nina Horvaths Begeisterung allein sollte Überzeugung genug gewesen sein, als sie mit strahlendem Lächeln die druckfrischen „Metamorphosen“ präsentierte und mit noch strahlenderem aus ihrer Geschichte las.
Schließlich erfuhren die Anwesenden von Tatjana Stöckler noch alles Wissenswerte zur fast schon erschienenen Anthologie „Spukhaus zu vermieten“ und Maike Schneider bot mit ihrer Geschichte einen eindrucksvollen Vorgeschmack.

Geschmack war auch das Stichwort für den zweiten persönlichen Höhepunkt, das alljährliche gemeinsame Abendessen der Geschichtenweber nach der Con. Das Restaurant Alt Sprendlingen bot beim „Lendchenabend“ auch diesmal wieder leckeres Essen und gemütliche Atmosphäre für einen gelungenen Abschluss der viel zu kurzen Veranstaltung.

Weitere Bilder und Berichte gibt es unter anderem von der großartigen Simone Edelberg hier und hier sowie vom Freund eines Freundes hier.

Rückblende: Samstag

Der zweite Tag des Montsegur-Autorentreffens.

Pünktlich um 9.00 Uhr ging es los. Die Autorenschaft teilte sich in Workshop- und Vortragsbesucher. Da ich mich für einen Workshop am Sonntag eingetragen hatte, musste ich auf die samstäglichen von Hans Peter Roentgen („Exposee und Pitch“) und Andrea Schacht („Figurenbaukasten“) verzichten. Entschädigt wurde ich aber durch die tollen Vorträge.

Es begann psychologisch mit meiner Geschichtenweberkollegin Melanie Metzenthin, die uns als Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie mit ihrem Vortrag „Von unheilbaren Psychopathen und liebenswerten Schurken – Was zeichnet einen Bösewicht aus?“ die fachlich korrekten Fakten über unsere Antihelden näherbrachte.

Ebenso ein Fachmann auf seinem Gebiet ist Joachim Jessen von der Agentur Schlück, der in humorvoller Weise über die „Zusammenarbeit Autor – Agent – Verlag“ dozierte und dabei mit eigenen Erfahrungen nicht hinterm Berg hielt.

Jessen war auch Teilnehmer der anschließenden hoch interessanten Podiumsdiskussion „Wie die Jungfrau zum Kind … oder Warum werden Bücher Bestseller?“, in der neben ihm auch der Leiter des Bereichs Internet Communication bei Droemer Knaur, Domimik Huber, Juliane Korelski, Autorin und ehemalige Buchhändlerin, sowie die Bestsellerautorinnen Andrea Schacht und Eva Völler Interessantes zum Thema beizutregen hatten, wohl geführt und moderiert durch Jürgen Bräunlein.

Nach dem Mittagessen führte Dominik Huber dann seine Thesen, Erfahrungen und die Erfahrungen von Untersuchungen bezüglich „Autoren(selbst)marketing, neue Medien + virale Effekte“ aus. Gerade der Einfluss, den laut seinen Ausführungen das Internet auf die Karriere von Sebastian Fitzek hatte, war für die meisten Zuhörer sicher eine ganz neue Komponente.

Allen bekannt dürfte dagegen das Grundproblem gewesen sein, über das Titus Müller im Anschluss sprach. „Leben als Autor (Selbstzweifel, Motivation, Rituale)“. Man merkte es den belustigten Reaktionen des Publikums an, dass nicht nur ich meine Probleme und Problemchen in dem Vortrag wiederfand.

„Ein multimediales Event“ nannte André Wiesler seinen anschließenden Beitrag „Von Blutsaugern, Hexen und Menschenfressern“. Und schaurig schön ging es dann auch zu. So ein bisschen Grusel vor dem Abendbrot hat sicher keinem geschadet.

Nach dem leckeren Abendessen ging es dann wieder in die Hotelbar, wo es wieder sehr gemütlich bis beschwingt zuging.