LesBar: Küstrinchen bei Nacht

Durch dunkle Stille kräuselt leise
und schimmerlos der seichte Bach,
geheimnisvoll auf diese Weise
steigt Nebel in das Blätterdach.

So undurchdringlich, schwarz und finster
erschien mir nirgends sonst die Nacht,
schon spinnt das Dunkel mir Gespinster
und ungesehn ein Steinkauz lacht.

„Kuwitt, komm mit, auf dunst’gen Wegen!“
Küstrinchens Bach, der lädt mich ein,
zu folgen seinem Lauf entlegen,
die Düsternis schluckt Mondes Schein.

Und doch, ich hör das Blesshuhn bellen
und schreie schweigend es hinaus:
die Dunkelheit kann nur erhellen,
solch Zauber fehlt der Stadt zu Haus.

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LesBar: dunkel

du suchst nun die ruhe
dunkel wohnt die nacht
aus schließt mich die truhe
du hast ausgelacht

war’n gestern noch auf schwingen
des tanzes lieder singen
der fröhlich stimmen höhe
war uns des windes böe

sturmeslust vergangen
freude nicht noch wut
bist von mir gegangen
dunkelt mir den mut

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© Ben Philipp

LesBar: zeit

tränendes tropfen
in den abfluss
fließt dahin wo
im rauch sich
auflöst
der gehöhlte stein

schleichende schnecke im
rasen einem schnellzug
gleich der wenige halt
los strecke die
hände greifen ins
nichts fassbar

flatternden vogels
fliehendes fliehen halte
die käfigtür lockend
und schmeichelnd
schlüpft durch die stäbe
lässt sich nicht fangen

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LesBar: gestrüpp

frei von plänen gefangen im gestrüpp der
straßen treibe ich endlos und kopflos
watend im nebel der toten gesichter
suchend im meer auf den lippen das wer

rettet mich der ich schleiche und gehalten
werde von ketten mit trauernden gliedern
schlepp ich mich ziellos bereisend die nächte
dunkeln die stadt des betons und der alten

frei von hoffnung im schimmer ich sehe
reckt zum himmel sich letzte laterne
einsam verlässt mich mein fliehender schatten
sehnsucht verfolgt ihn und aufwärts erspähe

ich aphrodite ihr strahlend gesicht
ich winde und strecke mich zu ihrem licht
mit scharfen dornen ihr grausames lachen
freudig erwachendes leben ersticht

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Verdichtet

Nachdem es nun schon eine Weile umgezogen ist, sei mir erlaubt, an dieser Stelle auf mein Gedichte-Blog „Der Verdichter“ hinzuweisen.

Dort poste ich in unregelmäßigen Abständen meine hin und wieder bebilderten mehr oder weniger lyrischen Versuche. Vielleicht gefällt euch ja der eine oder andere davon.

stadt flucht

Dieses Gedicht wurde als eines der Preisträgergedichte der Rostocker Lyriknacht 2006 in der „RISSE – Zeitschrift für Literatur in Mecklenburg und Vorpommern“, Heft 17 veröffentlicht:

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stadtgrenze
verschwunden
suche sie
nicht

suche das ende
natur dahinter
wo ist sie geblieben

statt grenze
zivilisationsfortschritt
allerhöchstens
ein weites feld

setzt der stadt
grenzen

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Cover Risse 17RISSE
Zeitschrift für Literatur in Mecklenburg und Vorpommern
Heft 17, Herbst 2006

ISSN: 0949-7994

RISSE im Netz

oder

Dieses Gedicht wurde zuerst in der Anthologie „Liebe in all ihren Facetten“ im Lichtstrahlverlag abgedruckt:

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oder

worte versprechen ungesagt
sinnlich die lippen oder
nicht ein lächeln verrät den augen
blick den erwünschten oder

nicht wissen nicht ahnen
lässt dein schauen oder
doch soll ich folgen der geste
verwirrenden wollens oder

doch eindeutelnd die situation
fraglos antwortsuchtspiel ja
ich will du willst oder

nicht gehen nicht bleiben
fürchtend die frage oder
doch die antwort ist flucht
vor dir vor mir oder

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Liebe in all ihren FacettenLiebe in all ihren Facetten

Großformat, gebunden, 144 Seiten
Lichtstrahlverlag, 2007
ISBN: 978-3-9808777-3-2

Die Anthologie Liebe in all ihren Facetten steht unter dem Stern der Liebe.

Von der ersten Liebestrauer eines jungen Mädchens bis zum nicht enden wollenden Liebesglück eines weisen Mittachtzigers sind viele fantastische Facetten der wohl grundsätzlichsten menschlichen Emotion vertreten.

Nach monatelanger Juryarbeit ist es nun an Ihnen, in den ausgewählten Gedichten nach der anregensten und interessantesten Sicht auf die Liebe zu stöbern.

Lassen Sie sich unterhalten und forttragen, hin zur ersten Liebe, zu Schmerz und Glück.

Bestimmt finden Sie in dem einen oder anderen Gedicht ein kleines Stück selbst Erlebtes, selbst Gefühltes wieder.

Wir danken allen Teilnehmern für Ihr kreatives Engagement, denn dies ist das schlagende Herz unsres Gedichtbandes.

Viel Freude beim Lesen!

Ihr Lichtstrahlverlag

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