Sechser im Motto: Werkzeugtasche

Sechser im Motto, Foto: javarman
Sechser im Motto, Foto: javarman

© javarman

Aufgabe:
Im folgenden Dialog fehlt nicht mehr und nicht weniger als der vermutlich wichtigste Teil von Hedwigs Antwort. Kannst du ihn bitte ergänzen?

„Hedwig, warum hast du eine Bohrmaschine in deiner Handtasche?“
„Ganz einfach: …“
„Ach so, alles klar.“

Antje Szillat

„Hedwig, warum hast du eine Bohrmaschine in deiner Handtasche?“
„Ganz einfach: Mein Kater ist auf den Baum geklettert und da er unter schlimmer Höhenangst leidet, traut er sich nun nicht mehr runter. Ich bin aber nicht gerade die Gelenkigste, was das Klettern betrifft. Also habe ich mir die Akkubohrmaschine meines Nachbarn ausgeliehen, um damit Löcher in den Baumstamm zu bohren. In diese Löcher werde ich dicke Zweige stecken, und sie quasi als natürliche Tritte verwenden. So schaffe ich es – trotz meiner Ungelenkigkeit – auf den Baum und kann meinen armen, leider etwas schusseligen Kater, herunterholen.
Jetzt möchtest du bestimmt auch noch erfahren, warum ich die Bohrmaschine in meine Handtasche gesteckt habe?! Ebenfalls ganz einfach: Mein Nachbar hat sie letzte Woche bei Hagebau gekauft. Was soweit nicht dramatisch oder ungewöhnlich ist. Aber es ist seine zehnte Akkubohrmaschine – er hat wohl einen ausgeprägten Akkubohrmaschinentick – und seine Frau ist nach der neunten schon stinksauer auf ihn gewesen, weil das Werkzeugregal im Keller schon überquillt. Also hat er sie heimlich gekauft. Deshalb hat er mich gebeten, die Maschine in meiner Handtasche zu verbergen, damit seine Frau nicht sieht, wie ich damit aus dem Haus komme, um im Garten Löcher in den Baumstamm zu bohren, damit ich Tritt-Zweige hineinstecken kann, um meinen feigen Kater vom Baum zu holen. So war es, ich schwöre!“
„Ach so, alles klar.“

Hans Peter Röntgen

„Hedwig, warum hast du eine Bohrmaschine in deiner Handtasche?“
„Ganz einfach: Ich komm heute unangemeldet zu meinem Mann ins Büro, und was meinst du, wen der auf seinem Schreibtisch gerade poppt? Nein, nicht die Sekretärin, diese Schlampe, sondern die Gräfin von Arentow, seine Klientin, und die ist schon weit über sechzig. Na, und jetzt hab ich seine Bohrmaschine geholt, gehe zurück zu seinem Büro und werde seinen Porsche ein wenig löchern, den liebt er nämlich wirklich, und dann hat der in Zukunft auch genug Löcher, in die das Schwein seinen Schwanz reinstecken kann.“
„Ach so, alles klar.“

Claudia Winter

„Hedwig, warum hast du eine Bohrmaschine in deiner Handtasche?“
Sie wirkte ein wenig blass um die Nase, während sie mit fliegenden Fingern den Reißverschluss der Tasche schloss. Ihr Blick rasterte das vollbesetzte Café, im Quadrat über die Köpfe hinweg, in jede Ecke hinein, ehe ihre Augen zu Ludwig zurückkehrten. „Das ist kompliziert“, murmelte sie und kniff den Mund zu einer bleistiftgeraden Linie zusammen.
Ludwig fragte sich unwillkürlich, wo die lächelnden Lippen seiner Exfrau geblieben waren, die ihn stets an einen Minidonut mit rosa Zuckerguss erinnert hatten. „Erklär es mir.“ Er sagte es nebenbei, und während er die Tageszeitung aufschlug, damit er nicht allzu neugierig wirkte. Der Leitartikel sprang ihm förmlich ins Auge.
Weiberfastnacht: Banküberfall in der Sparkassenfiliale in der Dürener Straße. Bankräuber bohrten seelenruhig Tresor auf, während Bankbelegschaft Karnevalslieder grölte. Polizei fahndet nach zwei Personen in Bauarbeiterkostüm.
Ludwig räusperte sich und nahm einen Schluck von seinem Kaffee. Schwarz mit drei Löffel Zucker. Hedwig trank Schnaps, ein ungewohnter Anblick. Offensichtlich hatte nur seine Welt aufgehört, sich zu drehen. Stumm musterte er Hedwigs Blaumann. Stand ihr außerordentlich gut, auch wenn er einige Nummern zu groß war.
War das die Chance, auf die er seit fünf Jahren wartete? Sehr langsam faltete Ludwig die Zeitung zusammen und schob sie zurück in den Zeitschriftenständer. Dann griff er nach der Hand, die zitternd und kalt vor ihm auf dem Tisch lag, als gehörte sie nicht zu dem Rest der Frau, die er noch immer liebte. „Was hältst du von einem gemütlichen Abendessen bei Giovannis? Du bist früher gern dorthin gegangen.“
Ihr Blick löste sich von der Eingangstür. Las er Erleichterung darin? Freude? Oder Widerwillen?
„Das wäre … nett.“
„Fände ich auch. Aber in Anbetracht der neuesten Entwicklung …“
„Ja?“ Jetzt guckt sie ängstlich.
Ludwig lehnt sich entspannt – sehr entspannt – zurück und lächelt. „… fände ich es passend, wenn Du die Rechnung übernimmst.“

Roland Spranger

„Hedwig, warum hast du eine Bohrmaschine in deiner Handtasche?“
„Ganz einfach: Ich bin Zahnärztin.“
„Ach so, alles klar.“

Stephanie Fey

„Hedwig, warum hast du eine Bohrmaschine in deiner Handtasche?“
„Ganz einfach: Die trägt mein Mann immer bei sich, ich hab sie
 vergessen rauszutun, bevor ich den schweren, alten Sack entsorge.“

„Ach so, alles klar.“

Michael Schmid

„Hedwig, warum hast du eine Bohrmaschine in deiner Handtasche?“
„Ganz einfach: Weil ich mir nach jedem Essen die Zähne putze.“
„Ach so, alles klar.“

Vielen Dank an die teilnehmenden Autorinnen und Autoren!

Mehr Sechser!

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Comments
One Response to “Sechser im Motto: Werkzeugtasche”
  1. Ruthie sagt:

    😀 Sehr interessante Erklärungen. Die Frau Winter hat allerdings „das Thema verfehlt“, weil ihre Erklärung nicht mit „ganz einfach“ weiter ging.

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