Verrückte Sätze: Beim Essen

© KFM / pixelio.de
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In der Kategorie „Verrückte Sätze“ geht es um Sätze, die aus einem Zusammenhang herausgerückt wurden, den ihr erst herstellen sollt. Schreibt eine kurze Szene, in der die Sätze vorkommen. Sie müssen nicht von zentraler Bedeutung für die Szene sein, dürfen einem Leser aber auch nicht fehl am Platz vorkommen. Versucht die Szene möglichst kurz zu gestalten, sagen wir etwa zehn Sätze.

Die heutige Szene spielt in einem Restaurant. Und folgende Sätze müssen vorkommen:

1. Entschuldigen Sie, aber Sie sitzen am falschen Tisch.

2. Zieh deine Hose wieder an!

Natürlich freue ich mich, wenn das eine oder andere Ergebnis dieser Übung in den Kommentaren landet oder hier verlinkt wird. 🙂

Und weil ich gerade gut drauf bin und euch ein wenig beflügeln will, schreibe ich einen kleinen Gewinn aus. Unter allen Szenen, die bis zum 31. Mai 2013 hier gepostet oder verlinkt werden, wähle ich (und zwar nicht nur abseits des Rechtsweges, sondern auch vollkommen subjektiv) diejenige aus, die mir am besten gefällt und übersende dem/der daraus folgenden Gewinner(in) ein Buch: Tad Williams/Deborah Beale: Die Drachen der Tinkerfarm.

Weitere Schreibübungen

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Comments
26 Responses to “Verrückte Sätze: Beim Essen”
  1. Also gut, pass auf…

    „Entschuldigen Sie, Sie sitzen am falschen Tisch“, sagte der Kellner zu den Mann im grauen Anzug. Aus irgendeinem Grund schwitzte der Typ und musste seine Krawatte lockern.
    „Haben Sie mich verstanden?“, fragte der Kellner nach, „Ihr Tisch ist da drüben!“
    „Ja“, keuchte der Mann mit hochrotem Gesicht, „ja, ich komme gleich.“
    „Zieh deine Hose wieder an“, erwiderte eine Frauenstimme. Verwirrt sah sich der Kellner im Restaurant um.
    Keine drei Sekunden später krabbelte die Dame, die das englische Frühstück bestellt hatte, unter dem Tisch hervor. Sie reichte dem Kellner einen Hunderteuroschein.
    „Sagen Sie dem Koch, das Würstchen war zu weich und die Eier zu hart. Aber abgesehen davon bin ich mit dem Service zufrieden. Behalten Sie den Rest.“

  2. Alfies rot-grün-karierte Hosen scheinen unter dem ultraviolett phosphoreszierenden Licht des Eingangsbereichs der Smack’s Bar kurz an Auffälligkeit zu verlieren, und Lisa fragt sich, ob sie nicht einfach hier stehenbleiben konnten, den Kellner, der sie ungeduldig nach New Yorker Art zum reservierten Tisch winkt, ignorierend und darauf wartend, dass in irgendeiner zukünftigen Zeit karierte Hosen wieder in Mode kommen. Ja, er mag bekannt sein wie ein bunter Hund, ihr Alfie, aber das berechtigt ihn noch lange nicht, tatsächlich die Metamorphose zum bunten Hund in aller Konsequenz durchzuziehen. „Entschuldigen Sie, aber Sie sitzen am falschen Tisch“, raunt ihr ein in Tweed und Hut gekleideter Schnauzbartträger über ein Glas Rotwein zu, und verwirrt blickt sie auf, sieht Alfie, der einen Tisch weiter fröhlich in Richtung des Kellners gestikuliert. Lisa schießt das Blut in die Wangen, und verlegen rutscht sie einen Stuhl weiter. Vierzig Minuten früher stand Alfie noch in Hemd und Socken vor ihr, sein Glied wie eine Fahne auf Halbmast vor ihren Augen baumelnd, mit seiner theatralisch über die Oberlippe gezogenen Unterlippe – er ist der Meinung, damit sähe er beleidigt aus – und verweigerte das Anziehen der Jeans, die sie aus den Untiefen seines Kleiderschrankes gefischt hatte. Wie ein kleines Kind stand er vor ihr, die Arme verschränkt, bis sie resigniert seufzte: „Zieh deine Hose wieder an“, und er zu der karierten Scheußlichkeit griff, die neben den Jeans auf dem Bett lag. Der berühmte, witzige, in jedem Club bekannte, Schabernack treibende Alfie, der nicht einmal zu ihrem fünften Jahrestag ernst bleiben konnte. Sie würde ihn wohl töten müssen.

  3. Deborah sagt:

    Tolle Ideen! 🙂 Ich bin zwar keine Autorin, aber die Sätze waren toll, fiel mir auch eine kleine Geschichte dazu ein.

    Ein typisch deutsches Touristenpaar – sie mit bunten Gewändern und ordentlichem Sonnenbrand und er mit Sandalen und weißen Socken – sitzt in einem piekfeinen Restaurant in Palma de Mallorca. Ein peinlich berührter Ober steht plötzlich in Begleitung eines schicken, jungen Pärchens neben ihnen: „Entschuldigen Sie, aber Sie sitzen am falschen Tisch, dieser ist bereits reserviert.“
    „Das kann gar nicht sein“, entgegnet der Sandalenträger und fuchtelt unter dem Tisch rum. „Sehen Sie doch, ich habe bereits vor Stunden diesen Platz reserviert für mich und meine Frau.“ Die Frau mit dem Sonnenbrand schaut ihren Mann an und den Stuhl, auf dem er sitzt. Sie wird noch eine Nuance röter vor Scham und und ruft entsetzt: „Schatz! Zieh deine Hose wieder an! Wir sind hier doch nicht am Pool!“

  4. Marianne Labisch sagt:

    OK, Philipp,

    dann will ich auch mal:

    Der Kellner trat an den Tisch und sagte zu dem älteren Mann:
    »Entschuldigen Sie, aber Sie sitzen am falschen Tisch.«
    Der Mann blickte zu ihm auf, schien irgendwie verwirrt, beugte sich zum Kellner vor und flüsterte: »Ich weiß, aber ich kann jetzt nicht hier weg.«
    Der Ober sah weder einen Teller noch ein Glas auf dem Tisch stehen und verstand nicht, warum der Gast sich weigerte, den Platz zu räumen.
    »Darf ich fragen, warum?«
    »Ich muss auf meine Tochter warten.«
    »Aber das können Sie an jedem anderen Tisch.«
    Der Mann wurde zusehends wütender.
    »Eben nicht! Verdammt. Nun lassen Sie mich doch in Ruhe. Es dauert nicht mehr lange.« Und es stimmte. Eine Dame stürmten in den Raum, holte etwas, das aussah wie ein Stück Stoff, aus ihrer Tasche und hielt es dem Mann hin.
    »Zieh deine Hose wieder an, Papa! Und das nächste Mal lässt du mich deine Kleidung überprüfen, b e v o r du aus dem Haus gehst.«

  5. Gerd Scherm sagt:

    „Entschuldigen Sie, aber Sie sitzen am falschen Tisch“, sagte der aufgeregte Uniformierte. „Dieses Menu war für jemanden anderen reserviert.“
    „Das Essen war bisher ausgezeichnet, und nun komme ich zu diesem delikaten Nachtisch. Stellen Sie sich also nicht so an!“, erwiderte Staatsminister von Eckenhardt-Strobel sichtlich genervt.
    „Ganz wie Sie wünschen Exzellenz. Ich würde aber vom Genuss dieses Nachtisches abraten.“
    „Wieso, ist das Dessert verdorben?“
    „Nein, nur mit extrem wirksamen Beruhigungsmitteln versetzt.“
    „Sind Sie des Wahnsinns? Wieso versetzen Sie ein so hervorragendes Essen mit Drogen?“
    „Nun, wie gesagt, Sie sitzen leider am falschen Tisch. Was Sie verzehrt haben, war eigentlich die Henkersmahlzeit für den Massenmörder Fitze Fahrnheit, genannt der Schlitzer von Bochum“, belehrte der Uniformierte den Minister und ging in den Nebenraum.
    Dort wollte sich der berüchtigte Massenmörder Fahrnheit gerade für seine letzte Mahlzeit Zivilkleidung anziehen. Kopfschüttelnd lauschten die vier Gefängniswärter dem Bericht über die verpatzte Henkersmahlzeit. Dann sagte der Oberwachtmeister: „Tja, da kann man nichts machen. Die Sache ist vermasselt. Fitze, zieh deine Hose wieder an! Wir versuchen es morgen noch einmal.“

  6. Pempe Tutak sagt:

    Noch bevor ich das Restaurant betrete,sehe ich, wie mein Mann an einem Tisch wartet. Es irritiert mich, dass beide Weingläser halb voll sind, doch ich denke mir nichts dabei.Wahrscheinlich hat er mal wieder vorgesorgt. Grade als ich das Restaurant betrete, kommt eine andere Dame zu ihm an den Tisch und redet mit ihm. Noch bevor sie sich hinsetzt, steht mein Mann auf und nimmt den Weg zu den Toiletten. Ich gehe mit schnellen Schritten auf den Tisch zu.
    „Entschuldigen Sie, aber Sie sitzen am falschen Tisch.“
    Die Frau guck mich verwirrt an.
    „Bitte was? Mein Freund ist grade auf dem WC, wir können das gleich klären. Ich denke, die Bedienung hat nur die Tischnummer verwechselt.“
    Ich schaue sie an. Sie versteht mich ja gar nicht. Ohne was zu sagen, drehe ich mich a uf den Absatz um und mache mich geradewegs auf den Weg zur Herren-Toilette. Mein Mann steht mit runter gelassener Hose vor einem Pissouar. Er schaut mich verdutzt an:
    „Was machst du denn hier?“
    Ich lasse meinen Blick an ihm runter wandern:
    „Ich hatte sowieso einen Grund gesucht, um dich zu verlassen, du Blödmann.“
    Ich geh zur Tür und drehe mich noch einmal um:
    „Und wenn du willst, dass die Olle da draußen bei dir bleibt, dann nur einen Rat: Zieh deine Hose wieder an!“

  7. schalk sagt:

    Endlich der lang ersehnte Urlaub. Irmi und Otti saßen unter Palmenwedeln auf Hawaii. Nach dem Essen orderte Irmi an der Theke ein Tablett Harvey Wallbanger, ein typischer Cocktail aus Wodka und Galliano, der pure Schnaps.
    »Wir schgönnen uns ja sonst nhicks«, pflichtete Otti ihr bei, als von den dreißig getränkten Kirschen übrige zehn die Köpfe aus den Gläsern reckten.
    »Rescht hascht mei Oschipops. Proscht.«
    »Entschuldigen Sie, aber Sie sitzen am falschen Tisch«, ertönte plötzlich eine Männerstimme. Ein junges Paar trat heran, in der Hand je einen Lomi Lomi Salmon: Räucherlachs auf übergroßen Blättern garniert mit Orchideen.
    »Waschn fürn Fisch«, wandte Otti seinen Blick.
    »Falscher Tisch! – Halt das mal, Christa.« Der Mann drückte seiner Freundin den Teller in die Hand und bäumte sich wie ein Berserker vor Otti auf.
    »Waschfisch? Mah, allet schind souber.«
    »Ich habe für diesen Tisch reserviert. Ab fünf Uhr.«
    »Nu scheins nich so pikiert. Uffe Fünf wollnse?«
    »Unerhört, Sie saufender idiot!«
    »Bigott? Isch zeich Ihrer Mausch ma wasche Fünf isch.«
    »Oschi, du kannscht doch nit … Mei, schwins zu Hausch?«
    »Robert, du machst da nicht …«
    »Das Pack will es doch nicht anders.«
    »Schau ma, wasch a nieddelchen.« Irmi schwankte lachend mit dem Cocktailglas.
    »Entschuldigen Sie bitte«, die junge Frau errötete und fuhr ihren Freund an. »Tu dir zwei Gefallen: Kauf dir einen Porsche. Und, zieh deine Hose wieder an!«

    • Philipp sagt:

      Sehr trunkenboldig. 🙂

      • schalk sagt:

        Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dieser Text beinhaltet nichts Persönliches. 🙂

        Als ich die Szene schrieb, dachte ich an ein Stück Gesellschaftskritik, das durchgängig mit Klischees spielt – worüber manche sich halb kaputt lachen, andere es eher traurig finden, und wieder andere einfach nur hohl.

        (Persönlich war mir der Effekt wichtig.)

  8. Philipp sagt:

    So, meine Lieben, gestern war Teilnahmeschluss, heute habe ich entschieden. Leicht ist es mir nicht gefallen, am Ende habe ich noch lange zwischen zwei Geschichten hin und her überlegt und mich schließlich entschieden:

    Gewonnen hat thomasmuehlfellner! (Tusch und Glückwunsch!)

    Herausheben möchte ich auch noch mal die Geschichte von Claudia, die ich wirklich klasse fand, aber natürlich lief meine Angebetete hier außer Konkurrenz.

  9. Philipp sagt:

    Vielen Dank noch einmal allen, die mitgemacht haben. Ich hoffe, ihr hattet genauso viel Spaß daran wie ich. Und sicher gibt es schon bald eine neue Möglichkeit. 🙂

  10. Antje Heyer sagt:

    Anna kam mit ihrem fünfjährigen Sohn Leonard in das Restaurant in dem sie einen Tisch vorbestellt hatten. Ihr Mann Michael kam egal um was es ging immer zu spät wegen der Arbeit und Tochter Lena kam auch ein paar Minuten später, da die Bahn machte was sie wollte. „Entschuldigen Sie bitte, aber sie sitzen am falschen Tisch!“ machte sie ein älteres Ehepaar auf die Tatsache aufmerksam das sie sich um einen Tisch vertan hatten. „Oh entschuldigen Sie vielmals!“ „Kein Problem!“ entgegnete Anna lächelnd. „Mama, Mama das Klo schwimmt weg!“ Mit runter gelassener Hose stand ihr Sprössling im Lokal. Normalerweise war er schon sehr selbstständig und ging deshalb auch allein aufs Klo. Nur diesmal hatte er dieses Wohl mit zuviel Klopapier gefüttert. „Zieh deine Hose wieder an!“ lachte sie und schüttelte den Kopf. Zum Glück kannte sie den Besitzer persönlich!

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