Philvent – die fünfzehnte Tür

© Ramona Heim
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Ich wünsche euch eine frohe Philventszeit! Hä? Ja, richtig gehört. Das ist die Zeit der 24 kleinen Geschichten. Jeden Tag eine neue. Und jede neue übertrifft die vorige um einen Satz. Bis zum 24. Dezember, Philnachten, geht das so.

Mir fiel die Kinnlade herunter. Was hatte sie gesagt? Sie wolle Weihnachten endlich einmal rundum genießen? Was hatte sie die letzten Jahre anders gemacht? Jahre, in denen die ganze Arbeit mir zufiel. Sie hatte sich doch immer stundenlang mit dem Schmücken des Weihnachtsbaums aufgehalten. Des Baums, den ich zuvor gekauft, transportiert und mühsam aufgerichtet hatte. Ich kümmerte mich um die Wohnung. Ich kümmerte mich ums Essen. Ich kümmerte mich um die Gäste. Sie kümmerte sich nur um den Baum, alles andere kümmerte sie nicht. Wenn ich nicht wäre …
„Du siehst ganz schön scheiße aus“, unterbrach sie meinen empörten Gedankenfluss. „Du solltest dringend zum Arzt gehen.“ Sie bückte sich, wühlte eine Weile im hohen Schnee, fand, was sie suchte,  und reichte mir die heruntergefallene Kinnlade.

Philvent – die vierzehnte Tür (nachgereicht)

© Ramona Heim
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Ich wünsche euch eine frohe Philventszeit! Hä? Ja, richtig gehört. Das ist die Zeit der 24 kleinen Geschichten. Jeden Tag eine neue. Und jede neue übertrifft die vorige um einen Satz. Bis zum 24. Dezember, Philnachten, geht das so.

Es roch nach Apfelsinen und Nüssen. Und es war stickig. So tief hatte ich meine Nase noch nie in den Sack gesteckt. Wie war mein Kopf, der brummte, als sei eine ganze Herde Rentiere darübergaloppiert, da hineingeraten? Ich erinnerte mich nur noch an die Party, mit der wir den erfolgreichen Abschluss unseres alljährlichen Arbeitseinsatzes gefeiert hatten. Der Rest war ebenso dunkel wie meine derzeitige Umgebung, die schuckelte, als säße ich noch auf meinem Schlitten. Ich versuchte, zu ertasten, wo ich war. Gerade fand ich meine Rute, da hörte ich quietschende Reifen – war ich in einem Kofferraum? Plötzlich öffnete sich ein Spalt, helles Licht blendete mich. Ich hörte eine Stimme: „Ich hoffe, Sie haben die Fahrt in meinem Taxi gut überstanden.“
„Mein Schlitten wäre bequemer gewesen.“
„Dann sollten Sie sich nächstes Jahr nicht so besaufen. Und von mir aus hätten Sie ja gern vorn sitzen können. Aber Ihre Rentiere waren dagegen.“