Entern

Entern, Foto: Patryk Kosmider
Entern, Foto: Patryk Kosmider
© Patryk Kosmider

Nein, in dieser neuen Reihe geht es nicht um Piraten. Weder die, die die Gesetze umschiffen, noch die, die  … na ja, sagen wir, die Segel setzen. Stattdessen gibt das Artikelbild einen – zugegeben vagen – Hinweis, worum es geht: Um die verschiedenen Situationen, in denen der Autor die Entertaste nutzen wird. Ums Entern eben. Oder anders ausgedrückt, um strukturelle Unterbrechungen des Leseflusses im Werk des Autors.

Absätze fallen da als Erstes ein. Und sie sind es letztlich auch, die den Anlass zu dieser Reihe gaben, denn immer wieder entdecke ich Fragen zur Absatzgestaltung. Aber auch die richtige Kapitellänge ist regelmäßig Thema.

Ich habe mich entschieden, vom Großen zum Kleinen vorzugehen, weshalb das (vorläufige) Inhaltsverzeichnis zu dieser Reihe folgendermaßen aussieht:

  1. In Reihe
  2. In Serie
  3. Band für Band
  4. Bücher im Buch
  5. Kapitel oder Kapitulation?
  6. In Szene setzen
  7. Absetzen
  8. Sprecher wechseln
  9. Strophilieren
  10. Zeilen dichten

Ja, ich bin selbst gespannt, was mir dazu einfallt. Wir werden sehen. Demnächst auf diesem Schiff!

Sechser im Motto: Kloschüssel

Sechser im Motto, Foto: javarman
Sechser im Motto, Foto: javarman
© javarman

Frage:
Wenn du einen Roman mit einem Satz beginnen müsstest, der das Wort „Kloschüssel“ beinhaltet, wie würde dieser erste Satz lauten?

Zoë Beck

An der ganzen Schule gibt es keine einzige Kloschüssel, in die sie mich noch nicht mit dem Kopf getaucht haben.

oder auch schön:
Man will einfach nicht aufwachen und dabei eine Kloschüssel umarmen.

Wulf Dorn

Fassungslos starrte Anna durchs Schlüsselloch ins Badezimmer, wo sich immer weitere Tentakel aus der Kloschüssel wanden und patschend über den Fliesenboden zur Tür tasteten.

Melanie Lahmer

Er blickte aus dem vierten Stock in den Hinterhof und fragte sich, ob das mit der Kloschüssel wirklich richtig gewesen war.

Robert Herbig

Unser Rechtsmediziner Doktor Jürgens hat festgestellt, dass die Todesursache von Jurkan Dostolski auf einen direkten und sehr heftigen Kontakt seines Hinterkopfes mit der Kloschüssel im Wohncontainer der Serben zurückzuführen ist.

Andrea Koßmann

Mit angehaltenem Atem versuche ich lautlos zu pupsen, während ich auf der Toilette sitze, der bestaussehendste Typ der Stadt im Flur (genau vor der verdammten Badezimmertür) hockt, meine Katze streichelt und auf mich wartet, um mich ins Theater auszuführen, als ich merke, dass das mit dem „lautlos“ eine sehr utopische Idee war und sich diese Idee verwandelt in die, mein iPhone aus der Hosentasche zu ziehen und einen Anrufton zu simulieren, der ein eventuelles Geräusch übertönt, als mir das Gerät aus der Hand rutscht und direkt in der Kloschlüssel landet.

Thomas Plischke

Erschöpft legte Robin die Wange auf den rissigen Rand der Kloschüssel.

Warum fängt man so an? Wegen der Aufmerksamkeitslenkung des Lesers. Ein Weg, um Aufmerksamkeit zu wecken, besteht darin, von Anfang an Fragen aufzuwerfen, die der Leser im Fortgang der Erzählung hoffentlich beantwortet sehen möchte.

Sezieren wir doch also rasch diesen ersten Satz: Wir steigen damit mitten in die Handlung ein (für all die, die es einen Hauch schnöseliger ausgedrückt haben möchten: Wir beginnen in medias res), und die Informationsdichte ist verhältnismäßig hoch. Zunächst stellen wir gleich eine handelnde Figur vor, an deren Schicksal der Leser teilhaben kann: Robin. Allein dieser Name lässt genügend Interpretationsspielraum und Deutungsfreiheiten, die dazu beitragen können, die Neugier des Lesers anzustacheln. Ist Robin eine Frau oder ein Mann? Handelt es sich am Ende gar um den berühmtesten Robin der Kulturgeschichte, Robin Hood, den es auf wundersame Weise aus dem Wald von Sherwood an einen Ort und in eine Zeit verschlagen hat, in der es Kloschüsseln gibt und man sich nicht den Hintern mit Blättern abwischt?

Wir erfahren zudem, dass Robin erschöpft ist. Wovon? Die Tatsache, dass er oder sie die Wange auf den Rand der Kloschüssel legen kann, spricht entweder für ein gewisses artistisches, schlangenmenschartiges Geschick (in Annahme einer üblichen Nutzung der Kloschüssel, vulgo: dem Draufsitzen), oder – und dies dürfte wahrscheinlicher sein – für den Umstand, dass Robin vor der Kloschüssel kauert oder kniet. Dies wiederum führt zu gewissen dumpfen Ahnungen hinsichtlich der körperlichen Verfassung Robins.

Daraus lässt sich etwas Wichtiges ableiten, was für den nachfolgenden Text insgesamt gilt (bzw. gelten könnte): In Sachen Darstellung sämtlicher und insbesondere auch unangenehmerer Facetten der menschlichen Existenz wird da von Autorenseite voraussichtlich nicht sonderlich zimperlich zu Werke gegangen werden. Oder anders gesagt: Das dürfte nichts für Zartbesaitete werden, und noch kann man wieder aussteigen, falls man nicht so genau wissen möchte, was sich in der Kloschüssel befindet (das ist im Übrigen keine Schwäche dieses ersten Satzes, sondern eher so etwas wie ein Dienst am Leser).

Apropos Kloschüssel: Über sie erfahren wir, dass sie einen rissigen Rand besitzt (es lebe die Alliteration!). Ein unschuldiges Detail, das dennoch eine Erwartungshaltung bezüglich der Atmosphäre aufbaut, denn Robin hält sich offenbar nicht in einer Toilette auf, in der das Porzellan neu ist (und es beschleicht einen womöglich gar das ungute Gefühl, das hier auch nicht zwingend genau auf Hygiene geachtet wird).

Insgesamt betrachtet eignet sich der Satz als Ausgangspunkt für eine Vielzahl möglicher Geschichten. Er ist gewissermaßen eine Knospe, bei der noch nicht feststeht, wozu sie erblühen wird: von der skurrilen Schilderung einer Zeitreise (siehe oben) bis zur knallharten Milieustudie mit gesellschaftspolitischer Attitüde ist hier noch alles im Bereich des Denkbaren, und das ist auch gut so.

Vielen Dank an die teilnehmenden Autorinnen und Autoren!

Mehr Sechser!

Vatersorge

Autora Auge, Foto: Voronin76
Autora Auge, Foto: Voronin76
© Voronin76

Autora Auge:
Guten Tag, Herr Adar! Schön, dass Sie hergefunden haben. Was mich besonders interessieren würde: Warum haben Sie in „Das Lächeln der Kriegerin“ so lange gezögert, bis Sie ihrer Tochter Lothiel erlaubt haben, die Botschaft aus der Grenzfeste weiterzutragen? Ich meine, Sie waren doch verletzt und Ihre Frau konnte Sie schlecht alleinlassen. War Lothiel da nicht die einzige Alternative?

Adar:
Sicher, Frau Auge, aber Sie müssen auch einen Vater verstehen. Ich liebe meine Tochter und will doch nicht, dass ihr etwas zustößt. Sie ist unser einziges Kind! Und sie kennt die Welt noch nicht, ja, ehrlich gesagt ist sie noch sehr naiv, was natürlich nicht ihre Schuld ist. Gut, wenn sie ein Junge wäre …

Konflikte im Alltag: Hunger

© corepics
© corepics
© corepics

Lust, aus einem scheinbar nichtigen Konflikt eine kleine Geschichte zu basteln? Wie wäre es mit diesem hier?

Dein Protagonist oder deine Protagonistin liegt faul auf der Couch und schaut einen spannenden Film ohne Werbeunterbrechung. Da meldet sich ein kleines Hungergefühl, das rasch zu einem gewaltigen Hunger heranwächst.

Versuche daraus eine interessante, lustige oder sogar spannende Geschichte zu basteln.

Variante 1: Erzähle die Geschichte des inneren Kampfes der Hauptfigur, die den quälenden Hunger am liebsten ignorieren würde. Wird sie bis zum Ende des Films aushalten? Versucht sie das Problem durch ein Telefonat zu lösen? Hofft sie, sich mit den Krümeln vom Frühstück über Wasser zu halten?

Variante 2: Deine Hauptfigur hat dem Hunger schnell nachgegeben. Doch bis zum Sättigungsgefühl ist es noch weit. Denk dir eine Geschichte aus, in der so ziemlich alles schiefgeht, was schiefgehen kann. Lass dir einfach ein paar schöne Hindernisse einfallen.

Weitere Schreibübungen

Szenenplanung

Vom Schreibtisch, Foto: Marko Tomicic
Vom Schreibtisch, Foto: Marko Tomicic
© Marko Tomicic

Der Kurzkrimi, an dem ich gerade arbeite, kommt leider ohne intensive Vorplanung nicht aus. Glücklicherweise steht jetzt nur noch die Szenenplanung aus, mit der ich gestern begonnen habe.

Der Minitipp: Den Bogen spannen

Minitipp, Foto: Diego Barbieri / Shutterstock.com
Minitipp, Foto: Diego Barbieri / Shutterstock.com
© Diego Barbieri / Shutterstock.com

Wir beobachten die Schützin. Plötzlich spannt sie den Bogen! Und auch wir sind gespannt, was geschieht, wenn sie die Sehne loslässt. Doch noch erfüllt sich unsere Erwartung nicht. Mögen wir geglaubt haben, die Sehne sei schon zum Zerreißen gespannt, die Schützin zieht sie noch ein weiteres Stück an.

Gerade, als wir sicher sind, nun werde sie den Pfeil davonschnellen lassen, lockert sie ihren Griff noch einmal ein wenig. Wieder spannt sie den Bogen. Jetzt noch straffer als zuvor. Noch mehr. Und noch mehr. Die Anspannung presst uns den Schweiß auf die Stirn, die Erwartung lässt uns zittern. Es scheinen Jahre zu vergehen, dann endlich geschieht, was wir von Beginn an erwartet haben: Die Spannung löst sich, der Pfeil springt von der Sehne, um das endgültige Ergebnis zu dokumentieren.

Ein Spannungsbogen, wie er (hoffentlich) im Buche steht.

Sechser im Motto: Lieblingswort

Sechser im Motto, Foto: javarman
Sechser im Motto, Foto: javarman
© javarman

Frage:
Welches ist dein Lieblingswort und warum?

Susanne Gerdom

Schuttrutsche. Ein unterschätztes, geradezu ausgegrenztes Wort von archaischer Klangschönheit. Herb und dunkel, mystisch und raunend. Einer der Großen Alten könnte so heißen: Cthulhu, Nyarlathotep, Shub-Niggurath, Tsathoggua, Schuttrutsche. Ein sehr deutsches Wort, im Übrigen. Man stelle sich einen Japaner vor, der sich an dieser Konsonantenfreude abmüht: Shuturutushu.

André Wiesler

Mein Lieblingswort ist zzt. Geraffel, weil es einen so originellen Klang hat und eine tolle Beschreibung für all die Dinge ist, die man eigentlich gerne macht, die aber so komplex oder aufwendig sind, dass man davor zurückschreckt. „Na, dieser Roman wird aber ein echtes Geraffel“ oder „Was, ich soll den Garten umgraben? Na, das wird aber ein großes Geraffel“ Vielen Dank an Little Britain für diese Wortschatzergänzung.

Mascha Vassena

Mein liebstes Wort in der deutschen Sprache ist „Welle“, besser noch sein Plural „Wellen“. Vom „W“ voran geschoben, brandet das  erste „e“ an den Doppelkonsonanten in der Mitte, schwappt über, wird zum zweiten „e“ und läuft aus ins „n“. Es ist ein Wort, bei dem ich sofort ruhig werde, das mich hinausträgt und an einen anderen Ort versetzt, weil in ihm außer seiner Bedeutung so viele anderes mitschwingt: Strand, Weite, Unendlichkeit, Langsamkeit, Ewigkeit, Gleichmaß, Zeit, Veränderung.

Stephan R. Bellem

Hmmm. ich fürchte, ich habe kein Lieblingswort. Es wäre zwar interessant, eine Geschichte mit nur einem Wort zu erzählen, aber es gibt wenige Worte, die eine solche Kraft haben. Darum habe ich kein „Lieblingswort“.

Gabriele Gfrerer

Das erste Mal bin ich ihr am 5. Mai 2006 begegnet. Wobei – so genau kann ich es heute nicht mehr sagen. Er und ich hatten uns vorher schon immer wieder über sie unterhalten. Genauer: über sie und ihn.
Das Mädchen und der Junge waren dazu ausersehen, die Welt zu retten, sagte er in das halbdunkle Zimmer und in seinen Augen lag dieser Glanz, um den ich ihn beneidete, weil er mit so viel Leidenschaft von ihrer Welt erzählen konnte. Ich verlor mich für ein paar Momente im Anblick seiner erhitzen Wangen und dem melodischen Klang seiner Stimme und hätte darüber beinahe die Geschichte verpasst, um die ich ihn ursprünglich gefragt hatte.
Doch dann hatte sie mich auch schon selbst eingefangen. Die Rebellin. Die Auserwählte. Die sturköpfig Suchende. Die irrwitzig Liebende. Die mit der realen Welt schon aus purer Erwartungshaltung im Clinch lag. Die jeden zurück stieß, der ihr mangelnde Glaubwürdigkeit vorwarf. Und die letztendlich – wie alle wahrhaft Liebenden – ihr Leben einsetzte, um jene zu retten, die gegen jede Vernunft vom ersten Augenblick an sie geglaubt hatten.
„Deine Begabung möchte ich haben!“, seufzte ich, als er fertig war.
„Aber du hast sie doch.“
Ich kann nicht sagen, ob er lächelte, als er – wie immer – beinahe lautlos aus meinem Zimmer verschwand. Auf jeden Fall aber ließ er mir etwas zurück, das ab sofort zu meinem Lieblingswort geworden war.
Was es ist? Fantasie.
Warum? Fragt ihn doch selbst! Ich bin sicher, er kommt, wenn ihr ihn ruft. Und er wird euch ebenso glücklich machen wie mich …

Christoph Lode

Ich habe viele Lieblingswörter. Besonders haben es mir die Bildhaften und Lautmalerischen angetan. „Stapfen“ zum Beispiel – da hört man förmlich den Stiefel im Matsch. Oder „Bollwerk“: nur zwei Silben, in denen aber ganze Türme, Zinnen und abweisende Mauern drinstecken. Es gibt aber auch Wörter, die ich nicht mag, Euphemismen wie „Gleichschaltung“. Und bürokratische Monster. „Umsatzsteuervorauszahlungsbescheid“ ist so eins. So trostlos wie ein Leben im Plattenbau.

Vielen Dank an die teilnehmenden Autorinnen und Autoren!

Mehr Sechser!

Drachen, Diebe und Dämonen

Gerd Scherm (Hg.): Drachen, Diebe und Dämonen

Dieses Geschichtenweber-Projekt blickt auf eine lange Entstehungs- und Leidensgeschichte zurück. Alle Unwetter hatten sich gegen das Projektteam verschworen, das gegen manche Klippe gekracht ist, bevor es sie schließlich doch noch umschiffen konnte. Nicht zuletzt dem Können und der Ausdauer des Kapitäns Gerd Scherm ist es zu verdanken, dass nun endlich ein Hafen erreicht ist. Umso mehr wünsche ich ihm und seiner Mannschaft viel Erfolg mit ihrem Schi… Buch!

Gerd Scherm (Hg.): Drachen, Diebe und DämonenGerd Scherm (Hg.)
Drachen, Diebe und Dämonen

Eine Geschichtenweber-Anthologie

Softcover, 150 Seiten
Wölfchen Verlag, vorauss. 16.04.2012
ISBN: 978-3-943406-05-4

Verlagstext:

Dracheneiern werden magische Kräfte zugeschrieben. Sie verheißen Fruchtbarkeit, Macht, Reichtum und sogar kulinarische Sensationen. Kein Wunder, dass alle möglichen Kreaturen hinter ihnen her sind, allen voran Vertreter der Spezies Mensch. Drachen sind extrem langlebig, und so sind es auch ihre Eier. Oft dauert es Generationen, bis aus ihnen der Nachwuchs schlüpft. So bleibt viel Zeit für eine lange Reise mit vielen Abenteuern …

Acht Autorinnen und Autoren der Gruppe „Geschichtenweber“ machten sich daran, die Geschichte eines Dracheneies zu erzählen. Das Ei geht dabei von Hand zu Hand, die durchaus auch Krallen haben kann. Jeder, der es haben will, verfolgt seine eigenen Ziele – sei es Heilung, Erleuchtung, Herrschaft oder Reichtum.
Die neun ineinander verwobenen Geschichten verfolgen die Spur des Dracheneies durch Raum und Zeit, sie erzählen von Betrug, Diebstahl und List. Aber auch von Liebe und Glück.

Geschichten und Autoren

  1. Das Wunschkind – von Melanie Metzenthin
  2. Drachenwahn – von Carsten Thomas
  3. Die Gesellenprüfung – von Marco Ansing
  4. Aelwin Drachenführer – von Felix Woitkowski
  5. Das Kleptomantikon – von Gerd Scherm
  6. Dämonenblut – von Alfons Th. Seeboth
  7. Finale für Harfe und Gesang – von Hannah Steenbock
  8. Das Sonntagskind – von Nina Horvath
  9. Überstunden in Barkertown – von Carsten Thomas

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Verlagsseite
Die Anthologie auf Facebook
Homepage der Geschichtenweber
Amazon

Bis zum 12.04.2012 kann die Anthologie zum Subskriptionspreis von 8,90 € und versandkostenfrei (Buchsendung) direkt per E-Mail: woelfchen-verlag[at]t-online.de vorbestellt werden.

Vertrag dich: Herausgeber und Autoren

© Franck Boston
© Franck Boston
© Franck Boston

Ach ja, die Blogpause hat mich etwas durcheinandergebracht. Es steht ja noch eine Folge aus, die ich nun nachschieben will. Ein letztes Mal sei gesagt, dass die Artikel von mir nach bestem Wissen und Gewissen verfasst werden. Aber ich bin kein Jurist. Im Streitfall könnt ihr euch also weder auf mich noch auf meine Ausführungen hier berufen.

Bei diesem Thema wenden wir uns vom üblichen Normvertrag ab. Denn dort, das sei einmal ausdrücklich gesagt, geht es um Einzelwerke. Mancher Autor ebenso wie mancher engagierte Verleger orientiert sich auch bei Anthologien, in denen mehrere Autoren veröffentlichen, am Normvertrag, da passt es dann aber nicht wirklich. Und tatsächlich bietet der VS auch spezielle Musterverträge für Anthologien an.

Wer dort nachschaut, dem wird auffallen, dass es zwei Ausführungen gibt: eine für Autoren, eine für Herausgeber. Das hat gute Gründe, denn während der Autor nur einen Teil zum Gesamtwerk beisteuert, vertritt der Herausgeber das Gesamtwerk, steht also zum Verlag wie ein Autor mit einer Einzelpublikation. Ist er gleichzeitig mit einem eigenen Beitrag vertreten, sollte er also einen Herausgeber- und einen Autorenvertrag abschließen.

Das Werk des Herausgebers ist also die Anthologie als Gesamtwerk, er liefert als Manuskript die zusammengestellten Autorentexte sowie eventuelle Vor-, Nachwörter und sonstige Ergänzungen. Sein Vertrag betrifft dieses Gesamtwerk. Die Verwertungsrechte (Verlagsrecht) werden hier in der Regel exklusiv, also ausschließlich vergeben. Verständlich, denn es wäre für den Verlag höchst unschön, würde der Herausgeber die Anthologie in dieser Zusammenstellung weiteren Verlagen anbieten oder sie selbst weiterverwerten.

Verwertbare Beiträge

Zusätzlich schließt jeder einzelne Autor mit dem Verlag einen Vertrag über sein beigesteuertes Einzelwerk ab. Und hier, das ist der wichtigste Punkt, um den es mir hier geht, sollten die Rechte, wie im Mustervertrag empfohlen, nicht exklusiv (einfaches Verlagsrecht) vergeben werden. Somit kann sich der Autor die Möglichkeit bewahren, sein ja zumeist kürzeres Werk auch in anderen Anthologien, Zeitschriften oder einem Sammelband eigener Werke zu verwerten. Schließlich werden Anthologien in der Regel nicht wegen eines einzelnen Beitrags gekauft. Und die Rechte für das Gesamtwerk liegen ja exklusiv beim Verlag.

Dennoch wird es vorkommen, dass sich Verlage für eine gewisse Zeit (ein- bis zwei Jahre) auch für die Einzelbeiträge das exklusive Verlagsrecht sichern wollen. Die Befristung und eine entsprechend hohe Vergütung vorausgesetzt halte ich das für durchaus in Ordnung. Womit wir zum Honorar kommen.

Honorierte Arbeit

Dass Autoren für ihre Arbeit nicht bezahlen sollten, dass also jedes Angebot eines sogenannten Verlages, sich Veröffentlichungsraum in einer Anthologie kaufen zu dürfen oder überhaupt irgenwelche Unkostenbeiträge zu leisten, unseriös ist, muss ich hier hoffentlich nicht erneut betonen.

Allerdings gehen die Meinungen darüber, ob Seriösität davon abhängt, dass der Autor eines Anthologiebeitrags entlohnt wird, auseinander. Es ist ein schwieriges Feld, nicht zuletzt weil die in beide Richtungen kostenlose Veröffentlichung im Kleinverlagsbereich (auch bei durchaus engagierten Kleinverlegern) alles andere als eine Seltenheit ist.

Manche Autoren wissen es nicht besser, manche sind gerade zu Beginn einfach dankbar für die Chance, überhaupt veröffentlichen zu dürfen (ging mir auch so), anderen bieten die meist geringen Verdienstmöglichkeiten mit derartigen Veröffentlichungen einfach nicht genug Anreiz, um die Teilnahme an einer Anthologie  davon abhängig zu machen. Nachvollziehbar, wie ich finde.

Andererseits ist noch der kürzeste Text, mag er mir beim Schreiben noch so viel Vergnügen bereiten, durch eine Arbeitsleistung erbracht, die honoriert werden will. Und jeder Anthologiebeitrag hat gleichzeitig Anteil daran, dass der Verlag durch die verkauften Bücher Einnahmen hat. Argumente, die sich in irgendeiner Form auf die geringe Größe des Verlags, der (noch) nicht in der Lage dazu sei, Honorare zu zahlen, beziehen, sind in Wirklichkeit recht schwache. Wer ein Unternehmen gleich welcher Art gründet, muss sich eben auch und nicht zuletzt Gedanken darüber machen, ob und wie er die Personalkosten stemmen kann. Und es gibt ja auch die Kleinverlage, die beweisen, dass es funktioniert.

Gut, letztlich sind jedem Autor solche Entscheidungen selbst überlassen. Und spätestens, wer die Möglichkeit bekommt, in einer der verhältnismäßig seltenen Anthologien mittlerer und größerer Verlage zu veröffentlichen, wird sich um die Vergütung kaum noch Sorgen machen müssen.

Zwei Modelle sind üblich:

  1. Eine Umsatzbeteiligung durch Tantiemen, die zwischen den beteiligten Urhebern (Herausgeber und Autoren) aufgeteilt wird. Die Aufteilung erfolgt dabei häufig entsprechend der jeweiligen Seitenanzahl, die der einzelne Beitrag umfasst. Anders als beim Normvertrag schreibt der Mustervertrag hier eine konkrete prozentuale Beteiligung von zehn Prozent vom Nettoladenverkaufspreis vor. Es ist aber eben nur ein Mustervertrag. Trotzdem sicher zur Orientierung interessant.
  2. Ein festes Auflagenhonorar, das mit eventuellen weiteren Auflagen steigt. Das Honorar ist oft an die angefangene Druckseite gebunden. Bei einer Geschichte von 9,5 Druckseiten und einem Seitenhonorar von 12 Euro bei der ersten Auflage würde also ein Honorar von 120,- Euro herauskommen. Dieses Honorar ist ein garantiertes Mindesthonorar und wird vom Verlag vorgestreckt.

Einige Empfehlungen seien mir zum Abschluss noch erlaubt:

  • Belegexemplare (Freiexemplare) sind weder Geschenk noch Honorar, sondern gesetzlich vorgesehen!
  • Ebenso sollte man nicht in Dankbarkeitsausbrüche verfallen, wenn man die fertige Anthologie zum bevorzugten Autorenrabatt beziehen darf.
  • Abnahmeverpflichtungen sind letztlich ein versteckter Druckkostenzuschuss und gelten damit nicht als seriös.
  • Schau dir den Mustervertrag genau an. Wo ein konkretes Vertragsangebot deutlich abweicht (s. o. hinsichtlich des exklusiven Verlagsrechts, aber auch die Abgabe zusätzlicher und unüblicher Nebenrechte, …) sollte der Verlag bereit sein, solche Zugaben zusätzlich ins Honorar einfließen zu lassen. Denn bei aller Freude über eine Veröffentlichung, ein Vertragsangebot ist immer nur eine Verhandlungbasis!

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Zur Übersicht

Verlinkt

Vom Schreibtisch, Foto: Marko Tomicic
Vom Schreibtisch, Foto: Marko Tomicic
© Marko Tomicic

In der Rubrik „Vom Schreibtisch“ mache ich es mir heute relativ einfach, indem ich auf zwei kürzlich erschienene Blogartikel verweise:

Hinzuzufügen ist nur, dass ich neben meinem Hauptprojekt aktuell über einem Kurzkrimi brüte, der in Warnemünde spielt und Ende April fertig sein muss.

Unterwegs nach Tschechien (bis 30.04.12)

Ausschreibungen und Wettbewerbe, Foto: tebnad
Ausschreibungen und Wettbewerbe, Foto: tebnad
© tebnad

Schirndinger Schreibwettbewerb

  • Einsendeschluss: 30. April 2012
  • Preisgeld: 250,- Euro
  • Thema: Unterwegs nach Tschechien
  • Textsorte/Genre: Geschichte, Text, Gedicht
  • Ausrichter: Künstlerhaus Schirnding
  • Origiginalausschreibung: –
  • Quelle: Uschtrin

3. Schirndinger Schreibwettbewerb

Zum 3. Mal veranstaltet das Künstlerhaus Schirnding einen Schreibwettbewerb, der sich an alle erwachsenen Autoren/innen, ab 18 Jahre, richtet und deutschlandweit ausgeschrieben ist.

Das Thema lautet „Unterwegs nach Tschechien“ – eine bisher unveröffentlichte Geschichte, ein Text oder ein Gedicht sind einzureichen. Umfang nicht mehr als 2 Seiten (60 Zeilen).

Wie das Thema bearbeitet wird, bleibt dem Schreiber/der Schreiberin überlassen. Teilnahmevoraussetzung: der/die Verfasser/in muss seinen/ihren Wohnsitz in Deutschland haben.

Einsendeschluss ist der 30. April 2012.

Es gibt einen ersten Hauptpreis von 250 Euro, der/die zweite Preisträger/in erhält 150 Euro, der dritte Preis ist mit 100 Euro dotiert.

Die eingereichten Texte müssen mit einem Geheimwort versehen sein, ohne Verfassername. Deshalb bitte in einem verschlossenen Kuvert  Name, Adresse, Telefonnummer und das Geheimwort, das auch auf dem eingereichten Schriftstück steht, zum Beitrag dazulegen.

Die eingereichten Beiträge werden nicht zurückgesandt, bitte Kopien einschicken.

Die drei Preisträger werden vom Künstlerhaus Schirnding eingeladen und im Rahmen einer Veranstaltung, bei der sie ihr Werk lesen, dem Publikum vorgestellt. Für kostenlose Unterbringung der Preisträger wird gesorgt.

Beiträge bitte senden an:

Rathaus Schirnding
Stichwort: “Unterwegs nach Tschechien Schreibwettbewerb“
Hauptstraße 5
95706 Schirnding

Weitere Ausschreibungen:

Literaturport
Uschtrin

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