Ausgesetzt

Seine Werke online zu veröffentlichen ist heutzutage kein Problem mehr. Ob auf dem eigenen Blog oder in mehr oder weniger ansehnlichem Outfit auf einer der aus dem WWW-Boden sprießenden Communitys – jeder kann mit wenigen Klicks seine Texte im Netz publizieren.

Während der Autor einer Printpublikation in der Regel Resonanz eher auf dem indirekten Weg erfährt, kommen Online-Autoren meist in den Genuss der direkten Kommunikation. Das geht so weit, dass der Leser dem Autor eigene Ideen und Verbesserungsvorschläge unterbreiten kann. Mehr noch: Erscheint es dem Autor vernünftig, ist er in der Lage, daraufhin Änderungen an seinem Text vorzunehmen. Der Begriff der konstruktiven Kritik erlebt damit einhergehend eine neue Blüte.

Nun bleibt allerdings eine Veröffentlichung eine Veröffentlichung. Publiziere ich einen Text von mir, bringe ihn also in eine uneingeschränkte Öffentlichkeit, dann setze ich ihn aus. Fortan gehört er dem Leser. Als Online-Autor bin ich selbst in der verlegerischen Verantwortung, zu entscheiden, ob der Text tatsächlich veröffentlichungsreif ist oder nicht.

Genauso wenig wie der Autor einer Printpublikation kann sich der Online-Autor seine Leser und Kritiker aussuchen. Dabei spielt es keinerlei Rolle, ob er dessen Aussagen zum Text wirklich als sachlich, freundlich, zutreffend, gerecht oder konstruktiv betrachtet.

Übrigens, der Neidfaktor, der hinsichtlich als unsachlich eingestufter Kommentare gern betont wird, mag sicherlich hier und da zutreffen, aber zum einen spielt das letztlich keine Rolle, zum anderen kann er auch schnell zu einer kleinen Selbsttäuschung missbraucht werden.

  1. Dazu muss man auch eines sagen: Veröffentliche eine Science-Fiction Geschichte in einem SF-Buch, kann ich davon ausgehen, dass nur wenige Menschen, die mit dem Genre grundsätzlich nichts am Hut haben, den Text zu sehen bekommen. Wer das nicht mag, der kauft nicht.
    Wird ein Text neu in einer Community eingestellt und erscheint auf der Startseite, kann es leicht passieren, dass jemand, der SF nicht mag, draufklickt. Als Autor darf man sich dann lange Erklärungen gefallen lassen, was der Leser grundsätzlich von „diesem unrealistischen Weltraumzeugs“ hält.
    Gebracht hat das niemandem etwas. Es gibt eben Liebhaber verschiedener Genres und wenn jemand nur aufgrund von Leserkommentaren dieses wechselt (was vermutlich kaum jemand tun wird), dann werden die Texte wohl eher schlechter als besser.

    Es ist aber auch ein enormer Unterschied zwischen der Veröffentlichen in Foren und anderswo im Internet. In Foren sollte man Texte nur stellen, wenn man daran arbeitet. Denn das ist einfach mit der Aufforderung für jedermann gleichzusetzen, daran „rumzumäkeln“, was in einer gewissen Arbeitsphase (nicht zu früh, aber auch nicht zu spät in der Reifephase eines Textes) auch durchaus sehr nützlich sein kann.
    Leseproben auf der eigenen Homepage wiederum rufen recht ähnliche Kommentare hervor wie Buchveröffentlichungen: Kurz, allgemein, oft lobend, mitunter ein wenig tadelnd, aber normalerweise keine „Zerlegung“ auf Nebensatzniveau.

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