Gib zurück, das ist meine!

Zuerst ist die Idee. Eine eigene natürlich! Und die will gut behütet sein. Das wissen junge Schriftsteller schon, bevor sie den ersten Buchstaben ihres späteren Bestsellers zu Papier gebracht haben. Denn der Ideenklau ist allgegenwärtig! Also muss man zunächst einmal in einem Forum fragen, wie man seine ureigene Idee am besten schützen soll. Die Antwort kann nur lauten: Indem man einen guten Roman daraus entwickelt.

Dafür gibt es schon rein praktische Gründe, denn die Idee lässt sich sowieso nicht schützen. Da kann der junge Autor tun und lassen, was er will, kann Beweise vorlegen noch und nöcher, kein deutscher Richter wird ihm zusprechen, dass diese Idee nur im gehöre. Selbst wenn er sie bei Tausenden von Notaren als seine eigene hätte beglaubigen lassen.

Auch könnte er die Idee unwissentlich selbst gestohlen haben, wie so viele vor ihm und praktisch alle nach ihm. Denn frische und nigelnagelneue Grundideen für Geschichten sind so rar wie Blauwale in der Ostsee.

Aber vergessen wir das mal und stellen uns Autor I.D. Schutz vor, der fürchten muss, die super Idee, die ihn überraschend beim letzten Kinobesuch angefallen hat und die das Versprechen des Erfolgs gleich mit sich trug, könne ihm ein anderer stehlen. Einer, der daraus schneller ein Buch macht als I.D. selbst. Ein Buch, auf dem eigentlich der Name Schutz stehen müsste und an dem dann jener andere verdient.

Pech gehabt, würde ich sagen. Da lässt man mal im Eifer des Gefechts drei Worte zuviel über die eigene Buchidee fallen und schon stürzt sich die Konkurrenz drauf und schreibt genau dieses Buch. Dieses eine, das man aus dieser einen Idee machen konnte.

Allerdings könnte man auch ein bisschen ins Grübeln kommen, denn warum dauert es denn immer so lange von der Idee zum fertigen Buch? Vielleicht gehört zum Buch weit mehr als nur eine gute Idee? Und möglicherweise muss von dem Autor viel mehr in ein Buch hineinfließen als nur diese Idee, damit es wirklich zu seinem Buch wird.

Ich selbst könnte mit Sicherheit aus einer einzigen meiner Ideen mehrere sehr verschiedene Manuskripte entwickeln (von denen höchstwahrscheinlich nicht alle gleich gut wären). Würde ich die Idee einem Kollegen in die Hand drücken, würde der vermutlich dankend ablehnen, weil er selbst am Ende seines Lebens noch so viele eigene Ideen übrig hätte, dass er sie wie ein Bündel Luftballons verschenken könnte. Doch selbst wenn er meine Idee wollte, würde er daraus sein Manuskript machen, nicht meines. Das könnte er gar nicht. Ebensowenig, wie ich sein Buch schreiben könnte.

Und hätte er meine Idee sogar nötig, würde ich bezweifeln, dass er überhaupt in der Lage wäre, ein gutes Buch daraus zu entwickeln.

Also immer mit der Ruhe. Gute Ideen scheinen nur zu Beginn so überaus wertvoll. Den wahren Wert erhalten sie aber erst, wenn man aus ihnen etwas (ganz Eigenes) entwickelt. Und dazu sollte man weniger schützen und mehr schreiben.

8 Antworten auf “Gib zurück, das ist meine!”

  1. Kann mich da den anderen anschließen und bedenkenlos unterschreiben.

    Nervig ist es trotzdem, falls man plötzlich etwas anderes entdeckt, dem die gleiche Idee zugrunde liegt… Sprech da aus Erfahrung.

    1. Das ist nicht nur nervig, das kann richtig frustrierend sein. Habe deswegen schon mal nach 60 Seiten ein Projekt abgebrochen, weil ich die Grundidee woanders entdeckt hatte.
      Aber so läuft das eben, und dann habe ich mich halt an das nächste Ding gesetzt und das vorherige als Schreibübung betrachtet.

      1. Völig richtig. Aber es wird einem immer wieder mal so gehen. Und man muss die Idee deswegen nicht unbedingt aufgeben.
        Denn, wie gesagt, sie bekommt eine eigene Handschrift, wird möglicherweise zu etwas vollkommen anderem und letztlich doch wieder zu etwas noch nie Dagewesenem.

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