Sagengestalten oder Aprilscherz?

Normalerweise präsentiere ich auf meinem Blog nur ausgewählte Ausschreibungen, bei denen ich mit ziemlicher Sicherheit sagen kann, dass sie für die teilnehmenden Autoren keinerlei Tücken bereithalten (abgesehen davon, dass der eingesandte Text nicht als preis- bzw. veröffentlichungswürdig betrachtet werden könnte).

Dieses Mal ist das ein klein wenig anders. Denn ich habe bestenfalls ein gutes Gefühl bei der Ausschreibung, die ich über Feenfeuer entdeckt habe. Das liegt einfach daran, dass der ausschreibende Verlag noch ganz neu im Geschäft ist. Mondwolf aus Österreich wurde erst am 1. April dieses Jahres gegründet, will bereits im Herbst die ersten Bücher auf den Markt bringen und wirbt auf der Webseite offen um neue Autoren.

Drei Fakten, die eigentlich gegen eine Empfehlung sprechen. Denn natürlich ist die Sicherheit für den Autor bei einem etablierten Verlag größer, zum einen, weil er sich so auf die Erfahrungswerte anderer Autoren stützen kann, zum anderen, weil die Gefahr geringer ist, dass der Verlag nach einem halben Jahr seine gerade erst aufgestoßenen Türen wieder schließen muss.

Auch mag ich es lieber, wenn ein Kleinverlag, sei er neu oder bereits länger auf dem Markt, seine Planungen langsam, dafür aber realistisch angeht. Schnell auf den Markt geworfene Bücher leiden oft an mangelnder Qualität, sowohl hinsichtlich der Textauswahl wie auch hinsichtlich der äußeren Präsentation.

Und dass der Satz, „Wir suchen Autoren“, den Skeptischen oder einfach Vorsichtigen sofort an die schwarzen Schafe der Branche denken lässt, sollte einem Verlagsgründer eigentlich bewusst sein.

Auch Sätze wie die, die in der Verlagsbeschreibung stehen, klingen ein bisschen nach den Lockangeboten eines Zuschussverlags:

In vielen Schubladen schlummern gute Manuskripte, die wegen starrer Programme, des Überangebotes aus dem amerikanischen und englischsprachigen Raum und Mindestauflagen keine Chance bekommen. Diese Schätze wollen wir finden und den Lesern zugänglich machen.

Aber wahrscheinlich handelt es sich dabei wirklich eher um eine etwas unbedachte Herangehensweise des Verlags, denn auf der Seite betont der Verlag ausdrücklich, kein Zuschussverlag zu sein, wenn auch wiederum mit einer etwas seltsamen Begründung:

In der Zusammenarbeit mit unseren Autoren legen wir großen Wert auf gute Kommunikation und ein faires Miteinander. Demzufolge sind wir ganz klar KEIN Zuschussverlag.

Sei es drum. Nehmen wir den Verlag, der sich die Förderung der deutschsprachigen Fantasy auf die Fahnen geschrieben hat, beim Wort. Denn an anderer Stelle auf der Homepage drückt er sich klarer und treffender aus:

Demzufolge sind wir ganz klar KEIN Zuschussverlag. Unsere Autoren erhalten umfassende Betreuung, der Verlag kümmert sich um alle Verlagsaufgaben vom Lektorat bis zum Marketing. Aktive Unterstützung seitens der Autoren begrüßen und schätzen wir!

Und eines bleibt festzuhalten: Die erste Ausschreibung, mit der Mondwolf in den Literaturbetrieb startet, lässt sich im Vergleich mit manch anderer Anthologieausschreibung durchaus sehen. Nicht nur das eigentliche obligatorische Belegexemplar gibt es für die ausgewählten Autoren, sondern auch ein vertraglich zugesicherten Preisgeld in Höhe von 40 Euro, das man somit als Garantie- bzw. Pauschalhonorar verstehen kann. Um über Tantiemen ein solches Honorar in einer Kleinverlagsanthologie zu erreichen, wird man in den meisten Fällen einiges an Geduld aufbringen müssen. Mancher Jungautor dürfte sich überhaupt über die erste finanzielle Vergütung seiner Schreibarbeit freuen.

Bis zum 15. August kann man sich mit einer oder mehreren Fantasy-Geschichten, die sich um eine oder mehrere Sagengestalten drehen sollen, beteiligen. Die genauen Ausschreibungsbedingungen findet ihr auf der Homepage des Verlags oder in diesem PDF.

Bleibt zu hoffen, dass Mondwolf sich als Kleinverlag im Sinne von Fairlag etabliert und in diesem Sinne seine Ziele verwirklichen kann.

Advertisements
Comments
6 Responses to “Sagengestalten oder Aprilscherz?”
  1. Taklara sagt:

    Hört sich doch erst mal ganz spannend an – besonders das Thema ist mal was anderes.
    Und die Tücken, die du erwähnt hast – nun, bei einem Beitrag zu einer Anthologie sind die Risiken mEn minimal. Schlimmstensfalls kann man das Buch zwei Monate nach Erscheinen nicht mehr bestellen, weil ein kleiner Verlag sich zuviel vorgenommen hatte.
    Ich denke, ich werde es da mal versuchen.
    lg
    Taklara

  2. Feenfeuer sagt:

    Hallo Philipp und erstmal danke für die Verlinkung!

    Tja, was soll ich sagen, zunächst war ich, was einige Passagen in der Verlagsselbstdarstellung angeht, auch etwas skeptisch. Mein Eindruck war dann aber das dies schlichtweg dem Neulingsstatus des Verlags zuzuschreiben ist, welcher zudem höchst motiviert scheint.
    Das „Autoren gesucht“ hat bei mir natürlich auch zunächst einen Würgereiz ausgelöst, ihr klare Distanzierung von Zuschüssen, liess ihn dann aber wieder verklingen. Ich denke das ein neuer (Klein)Verlag in der Tat erstmal Autoren suchen muss um sich einen Schriftstellerstamm aufzubauen.

    Ich probiere bei den Ausschreibungen, die ich auf meinem Blog veröffentliche, schon sehr drauf zu achten wie die Verlage arbeiten. Das führt oft dazu das Ausschreibungen bei mir gar nicht auftauchen, dafür reicht es schon als Verlag nicht ausschliessen zu können das vom Autoren für irgendetwas Geld verlangt werden könnte. Sollte sich Mondwolf als Verlag entpuppen der irgendwann doch auf so einer Schiene anfängt, ist mein Blogbeitrag über die Ausschreibung weg.

    Grundsätzlich ist es mir aber wichtig, mit meinen doch sehr bescheidenen Mitteln, kleine Verlage die korrekt arbeiten zu unterstützen. Ich bin recht gespannt auf die Anthologie und Erfahrungsberichte von Teilnehmenden in verschiedenen Autorenforen.

    Mit besten Grüssen

    • autorphilipp sagt:

      Ich finde, du machst das ganz richtig. Und es wäre ja auch ein Teufelskreis, wollten alle erst einmal abwarten, welche Erfahrungen andere gemacht haben.
      Und wie du siehst, denke ich über den Verlag und die Ausschreibung ganz ähnlich wie du.

      LG

Trackbacks
Check out what others are saying...
  1. […] This post was mentioned on Twitter by Rostock-Blogs.de. Rostock-Blogs.de said: Sagengestalten oder Aprilscherz?: Normalerweise präsentiere ich auf meinem Blog nur ausgewählte Ausschreibungen, b… http://bit.ly/9msNbc […]



Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: