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BookRix25: Philipp Bobrowski

Hier findet ihr die Antworten auf 25 Fragen, die mir die Community auf BookRix gestellt hat.

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Bildpause zum 20.03.10

Originalausschreibung: http://bildpause.wordpress.com/

Was ist BILDPAUSE

… ein Hörstückwettbewerb ausgeschrieben durch und für das zeitKINO der Leipziger Schaubühne und das 2. Potsdamer OH!-Ton Festival!

Im Dezember 2009 startet die Ausschreibung für BILDPAUSE. In insgesamt 5 Staffeln werden die Jurymitglieder von BILDPAUSE 15 Gewinnerinnen und Gewinner ermitteln. Die 15 Hörstücke werden sowohl während des zeitKINOs in der Schaubühne im Lindenfels Leipzig aufgeführt (ab März 2010 bis Juni 2011), als auch gesammelt dem Festivalpublikum des im Juni 2011 zum zweiten Mal stattfindenden Potsdamer OH!-Ton Festivals für radiophone Dokumentationen vorgestellt. Dort wird dann unter den 15 Stücken ein Publikumspreis verliehen. Alle Gewinnerstücke sind mit Technikgutscheinen in Höhe von 200 Euro dotiert!

Außerdem ist geplant, Programmkinos der gesamten Republik zu gewinnen, die das Prinzip BILDPAUSE für ihr Programm mit übernehmen und die Gewinnerstücke in ihren Häusern zu Gehör bringen werden.

Was ist zeitKINO:
Wie in vielen anderen deutschen Städten gab es auch im Leipziger Hauptbahnhof ein Zeitkino, das Reisenden die Wartezeit zwischen zwei Zügen verkürzen sollte. 1950 gegründet verfügte das Kino über 204 Sitzplätze und zeigte täglich zwischen 10.00 und 18.30 eine ca. einstündige Filmrolle in Dauerschleife bei laufendem Einlass. Jede Woche wechselte das aus Kurzfilmen und Nachrichten bestehende Programm. Das Zeitkino im Hauptbahnhof wurde 1992 wegen baulicher Mängel geschlossen. Die Schaubühne Lindenfels greift dieses historische Vorbild der Kinogeschichte auf und entwickelt daraus ein eigenes Kinoformat, in dem Kurzfilme unterschiedlichster Genres zu Themenschwerpunkten gebündelt und in Schleife gezeigt werden. Dem Zuschauer wird damit ermöglicht, seinen eigenen Rezeptionsrhythmus zu finden und zu entscheiden, wie lange und wann er sich mit den gezeigten Filmen auseinandersetzen möchte. Die BILDPAUSE wird in den 10 Minuten hörbar werden, die der Filmvorführer benötigt, um die Filmrolle neu einzulegen.

Was ist OH!-Ton:
Das OH!-Ton-Festival für radiophone Dokumentationen fand erstmals im Sommer 2009 statt. Gewidmet ist es dem eher unterbeachteten dokumentarisch-künstlerischen Genre Radio-Feature. Auf Hörbooten treibend auf der Havel, im Offenen Gelände am Havelufer und im Saal der fabrik Potsdam konnte das Publikum 3 Tage lang lauschen, was das Format der radiophonen Dokumenation alles sein kann.
Der Hörstückwettbewerb die OH!-Ton-Jagd bildete den Abschluss des Festivals. Die eingesendeten Hörstücke waren trotz strenger Vorgaben so vielfältig und aufwendig gestaltet, dass sie ein Liebling der Organisatoren und des Publikums waren!!! Mit dem neu initierten Wettbewerb BILDPAUSE hoffen wir, wieder einen Anreiz für ebenso kreative Hörstücke geboten zu haben.

Wettbewerb

Wettbewerbsbedingungen allgemein:

Das BILDPAUSE-Hörstück darf nicht länger als 3.30 min sein.
Es darf keine GEMA-pflichtige Musik enthalten, aber natürlich ist Selbersingen- und spielen erlaubt, sowie Musik aus GEMAfreien Datenbanken.
Es muss das vorgegebenen Filmzitat enthalten, welches für jede Staffel neu gewählt wird.
Alle Gestaltungsweisen sind erwünscht und erlaubt, ob dokumentarische O-Töne oder fiktionale Stimmen, ob künstliche oder echte Geräusche…
Und das Hörstück sollte einen Titel haben, damit wir es angemessen ankündigen können!

EINSENDESCHLUSS ist der 20. MÄRZ 2010.

Die Hörstücke dann bitte als .wav-Format an:

TETRAEDER e.V.
BILDPAUSE Staffel 1
Erich-Weinert-Str.5
10439 Berlin

Zu gewinnen sind Technikgutscheine in der Höhe von 200 Euro; pro Staffel werden drei Gewinnerinnen und Gewinner ermittelt! siehe dazu JURY. Alle Gewinnerstücke werden auf einer BILDPAUSE DVD und im Internet präsentiert.

Gibt es Fragen? Dann bitte an: info@ohton-festival.de

Staffeln

1. BILDPAUSE Staffel: Ausschreibung Anfang Dezember 2009, Einsendeschluss 20. März 2010 – 3 Gewinnerhörstücke werden ermittelt und laufen dann in den zeitKINO Schlaufen und bei den Partnern ab April, Mai, Juni 2010

Vorgegebenes Filmzitat:
„… I thought I recognized your voice for a minute …“
„… Für einen Moment dachte ich, ich hätte Ihre Stimme erkannt …“

2. BILDPAUSE Staffel: Ausschreibung 20. März 2010, Einsendeschluss 20. Juni 2010 – 3 Gewinnerhörstücke werden ermittelt und laufen dann in den zeitKINO Schlaufen und bei den Partnern Juli, August, September 2010

3. BILDPAUSE Staffel: Ausschreibung 20. Juni 2010, Einsendeschluss 20. September 2010 – 3 Gewinnerhörstücke werden ermittelt und laufen dann in den zeitKINO Schlaufen und bei den Partnern Oktober, November, Dezember 2010

4. BILDPAUSE Staffel: Ausschreibung 20. September 2010, Einsendeschluss 20. Dezember 2010 – 3 Gewinnerhörstücke werden ermittelt und laufen dann in den zeitKINO Schlaufen und bei den Partnern Januar, Februar, März 2011

5. BILDPAUSE Staffel: Ausschreibung 20. Dezember 2010, Einsendeschluss 20. März 2011 – 3 Gewinnerhörstücke werden ermittelt und laufen dann in den zeitKINO Schlaufen und bei den Partnern April, Mai, Juni 2011

Abschluss und Präsentation während des 2.OH!-Ton Festivals Mitte JUNI 2011 in Potsdam!

Jury und mehr: http://bildpause.wordpress.com/

Die erste Nacht

Eine Leseprobe aus meiner Geschichte „Die erste Nacht“, die in der Zeitschrift „Elfenschrift – Das kleine phantastische Literaturheftchen“, Ausgabe 15 von Herausgeberin Ulrike Stegemann erschienen ist.

Was, wenn man panische Angst vor der Dunkelheit hat und nur noch nicht ahnt, dass man nun ein neues Leben beginnen wird, eines in dem die heutige Nacht nur die erste von unzähligen dunklen Nächten sein wird?

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Ich hob den Kopf nur langsam, um den Bassisten nicht zu stören, der mir hinter meiner Stirn ein exklusives Konzert zelebrierte. Sollte ich die Augen öffnen? „Besser nicht“, wollte ich mir antworten. Aber mir war bewusst, dass der harte Untergrund, auf den ich mich bettete, und die unangenehm erfrischende Kühle, die meinen Körper zwickte, noch eine Überraschung für mich bereithielten. Also, Augen auf und durch. Dunkelheit. Und kein Lichtschalter. Ein Frösteln. Ich war nicht zu Hause. Ich lag auf einer Bank. Voll bekleidet, Schuhe und Jacke inklusive. Ich richtete mich auf, fingerte in der Jackentasche nach dem Handy. Ein Licht in der Finsternis. 23.35 Uhr.

In mir wuchs die Erkenntnis, dass etwas nicht stimmte. Gegen 3.00 Uhr hatte ich den „Keller“ verlassen. Das wusste ich noch, denn es war ungewöhnlich früh für mich. Allerdings weit später als 23.35 Uhr. Hatte ich einen ganzen Tag verschlafen? Ich war einen Moment ratlos, bis mir einfiel, wie leicht sich auch das mit dem Handy überprüfen ließ. Tatsächlich: Am Samstagabend war ich in die Disko gegangen, jetzt ging es stramm auf den Montag zu.

Ich schob diese Merkwürdigkeiten beiseite. Mein Verstand arbeitete sowieso noch viel zu langsam. Jetzt hatte ich einen ganz anderen Kampf zu bestehen. Einen, der schlimmer war, als alles, was ich über das schwarze Loch in meinem Gedächtnis noch herausfinden mochte. Ich musste durch die Schwärze der Nacht nach Hause finden.

Mein Körper strafte den Versuch, aufzustehen, mit Schmerzen. Ich versuchte sie zu ignorieren. Konnte ein Kater so lange anhalten? Oh ja, er konnte.

Wo war ich?

Ich konnte kaum die Hand vor Augen sehen. Ruckartig stellte ich mich auf die Beine. Ihr Zittern griff auf den ganzen Körper über, mir brach der Schweiß aus allen Poren. Oh nein, das war nicht nur der Kater. Ich schaute mich nach allen Seiten um, lauschte in die Dunkelheit. Es war so still. Zu still.

Die ersten Schritte waren zaghaft, tastend. Trotzdem gesellte sich zu dem Bassisten ein Trommler, der von innen meine Brust bearbeitete. Meine Füße passten sich dem Takt an, bewegten sich immer schneller, rissen mich förmlich mit sich, bis ich, die Arme weit vorgestreckt, durch die Nacht stürmte, ein Ohr zur Orientierung auf das Knirschen des Weges unter meinen Füßen gerichtet, das andere gemeinsam mit den angestrengten, aber sinnentleerten Augen zur Kontrolle der Umgebung abgestellt.

So wäre ich beinahe dem unvermeidlichen Ende entgegengerannt. Im letzten Moment erkannte ich die Mauer. Wenigstens wusste ich jetzt, wo ich war: der Park der Wallanlagen an der historischen Stadtmauer. Keine fünf Minuten vom „Keller“ entfernt. Der wahrscheinlich dunkelste Ort der Stadt. Kein Licht der weit entfernten Straßenlaternen reichte hierher. Aber auch nur ein Katzensprung bis zu mir nach Hause. Ich war allerdings keine Katze. Also weiter!

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Ulrike Stegemann (Hrsg.)
Elfenschrift – Das kleine phantastische Literaturheftchen
Ausgabe 15, September 2007

ISSN: 1613-3293

Cover-Bild: Rosi Dombach
Schwerpunkt: Endlose Nacht

Aus dem Inhalt:

  • Nachbericht über den Marburg Con 2007 inkl. Interview mit Uwe Vöhl
  • Textbeiträge von Maike Schneider, Christiane Gref, Philipp Bobrowski, Manuela P. Forst, Oliver Hohlstein, Tanja Thomsen und Christel Scheja
  • Grafiken/Illustrationen von Rosi Dombach, Shaggy Buttler, Tina Müllner, Manfred Lafrentz, Christel Scheja, Manuela P. Forst und Michael Stegemann
  • Bücher-Ecke: „Wolfgang Hohlbeins Schattenchronik“, Vampire und mehr. Weitere Infos, Ausschreibungstipps und mehr …

Rezensionen:
Terracom 103
Phantastischer Bücherbrief

Zur Elfenschrift

Störfaktor

Gabriele Gfrerer: Störfaktor

Gabriele Gfrerer hat nachgelegt. Nachdem ich noch im September ihren ersten Labyrinthe-Krimi auf diesem Blog vorstellen durfte, ist nun schon das zweite Buch der Österreicherin in der Reihe erschinen: „Störfaktor“.

Das sagt der Verlag dazu:

Zivilcourage zählt!

„Warum lassen sie uns nicht einfach in Ruhe?“ Marijana ist verzweifelt. Zusammen mit ihrer Familie lebt sie in Wien, seit vielen Jahren. Ihre Eltern stammen aus Bosnien. Als Marijana im Deutschunterricht ein Referat zum Thema „Ausländerfeindlichkeit“ hält, sticht sie in ein Wespennest. Auf ihrem Handy gehen beklemmende SMS-Botschaften ein, ihr Vater wird zusammengeschlagen, ihr Bruder gekidnappt. Wer will sie mundtot machen? Und wem kann sie noch trauen?

Stimmen zum Buch:

„Hier werden alle Register des Kriminalromans gezogen. Der einzige Unterschied zu den Krimis für Erwachsene ist, dass hier Jugendliche im Mittelpunkt stehen.“

Buchhändler heute
Gabriele Gferer
Störfaktor
broschiert, 208 Seiten
Thienemann
ISBN: 978-3-522-20091-2
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Gewebte und Ernste Links

Geschichtenweber allüberall! Zunächst mal sind die ersten beiden Interviews mit Autoren der Steampunk-Anthologie „Von Feuer und Dampf: Spiegelwelten 2“ inzwischen online:

Charlotte Engmann

Sylke Brandt

Charlotte Engmanns neuer Roman „Dämonen über Luxemburg“ wurde außerdem von Petra Hartmann rezensiert.

Petra kümmert sich außerdem ganz rührend um unseren Ernst. Hier gibt es eine Ankündigung, da ein Interview mit Verlegerin Simone Edelberg und dort ein Statement von Ernst selbst.

Fragen über Fragen

Insgesamt 45 Fragen darf ich derzeit beantworten. Teilweise sehr ungewöhnliche Fragen. 25 davon sind für den Interviewaccount BookRix 25, in dem mir die Fragen der User der Plattform gestellt werden, 20 für Clockworker, wo in einer Interviewreihe die Autoren der Steampunk-Anthologie der Geschichtenweber befragt werden, die im Juni dieses Jahres bei Arcanum Fantasy erscheinen soll.

Die Anthologie wird übrigens in der Phantastikreihe „Spiegelwelten“ erscheinen und daher den Titel „Von Feuer und Dampf: Spiegelwelten 2“ tragen, unter dem sie bereits bei Amazon gelistet ist. In dieser Reihe ist bisher die Anthologie „Von Dolch und Stundenglas“ der Herausgebers Felix Woitkowski erschienen.

Von Feuer und Dampf: Spiegelwelten 2

Frage nicht den Lektor

Mir fallen auf Anhieb nur drei Gründe ein, warum ein Autor einen freien Lektor für das Lektorat eines Romans beauftragen und bezahlen sollte:

1. Er will nicht oder glaubt nicht, dass sein Roman eines Tages in einem Publikumsverlag erscheint (der ja dann für das Lektorat verantwortlich wäre), will ihn aber im Eigenverlag oder über einen Dienstleister publizieren, wobei er sich wünscht, dass das Manuskript im Wesentlichen so bleibt, wie es ist, aber in diesem Rahmen so gut als möglich verbessert wird.

2. Er hofft, mithilfe des freien Lektors sein Manuskript derart aufzubessern, dass die Chancen, einen Agentur- oder Verlagsvertrag zu ergattern, steigen.

3. Sein Fokus liegt nicht so sehr auf dem aktuellen Text, sondern er sieht es eher als eine langfristige Investition, eine Art Schreibkurs am eigenen Text, wobei hier möglicherweise von vorneherein die Manuskriptbetreung durch den Lektor die bessere Wahl wäre.

In allen drei Fällen wird es noch immer sehr abweichende Auffassungen geben, ob das Lektorat hier eine sinnvolle Investition im Vergleich zu den Alternativen darstellt. Und in allen drei Fällen sollte sich der Autor klarmachen, dass der finanzielle Aufwand vergleichsweise hoch ist.

Und vor allem der erste Fall ist es, um den es mir hier geht. Selbst wenn ich nicht auch als freier Lektor arbeiten würde, der schließlich damit Geld verdienen kann, würde ich es zunächst einmal begrüßen, wenn jemand auch für die Alternative zum Publikumsverlag zu der Erkenntnis kommt, dass er dem potentiellen Leser nicht seine Rohfassung um die Ohren hauen will. Allerdings sehe ich es auch als meine ethische Pflicht dem potentiellen Kunden gegenüber an, ihm vor der Auftragsannahme eine ehrliche Einschätzung seines Werkes und dessen Möglichkeiten zu geben.

Und die kann im Grunde genommen wieder nur auf drei Arten ausfallen:

1. Ich schätze das Werk für so gut ein, dass der Kunde noch einmal darüber nachdenken sollte, ob er es nicht doch bei einer Agentur oder einem Pubklikumsverlag versucht. Kurz gesagt, ich mache ihm klar, dass er mich eigentlich nicht braucht.

2. Ich schätze den Roman so ein, dass es einiger Überarbeitung bedarf, um ein überzeugendes Ergebnis zu liefern, mit dem der Kunde dann entweder einen guten Roman im Eigenverlag oder beim Dienstleister veröffentlicht (ich weise immer auf die Nachteile eines solchen Vorgehens hin) oder es aber doch auf dem klassischen Verlagsweg versucht.

3. Meiner Einschätzung nach bedürfte es weit mehr als eines Lektorats, um aus dem vorliegenden Manuskript ein veröffentlichungsreifes zu machen.

Der Titel des Artikels bezieht sich auf Kunden, denen ich im Vorhinein diese dritte Einschätzung gebe, wobei ich, sofern ich es für eingermaßen aussichtsreich halte, auf die Möglichkeit einer Manuskriptbetreuung hinweise.

Es ist nun einmal so: Mit einem normalen Lektorat (keine Manuskriptbetreuung, kein Ghostwriting) lässt sich aus einem solchen Manuskript im besten Fall ein etwas besserer Roman, aber kein Wunderwerk zaubern. Ein guter Lektor mag einen großen Anteil an der Qualität des Endprodukts haben, aber viel entscheidender ist die Qualität des Ausgangsprodukts. Ist der Wurm im Holz, reicht eine Politur nicht aus.

Wenn sich nun ein Autor trotz einer solchen Vorabeinschätzung dennoch für ein Lektorat entscheidet (und ich rate eher ab), tut er gut daran, sich nach dem Lektorat nicht neuerlich nach der Einschätzung des Lektors zu erkundigen, denn die wird sich nicht wesentlich geändert haben.

Ihm bleibt jedoch als Trost, dass auch ein Lektor nicht frei von Subjektivität und damit fehlbar ist.

Lyrik in Feldkirch bis 15.03.10

Das Theater am Saumarkt veranstaltet den 8. Feldkircher Lyrikpreis.

Mittels einer Jury ausgewählte Texte werden anlässlich einer langen Nacht der Lyrik voraussichtlich am Samstag, dem 27. November 2010 im Theater am Saumarkt, Feldkirch, präsentiert bzw. von den Autorinnen und Autoren selbst dem Publikum vorgestellt.

Bewerbungsvoraussetzungen

Bewerbungsunterlagen

1. Blatt:

Name, Kontaktadresse, Mail-Adresse, Telefonnummer und Bank, Bankleitzahl und Kontonummer der Autorin/des Autors
Titel aller eingereichten Gedichte (höchstens 5!)
Oben rechts ist eine 5stellige Zahl (z.b. 13572) zu schreiben, die sich auch auf den Textproben oben rechts wieder findet!

2. Blatt: kurzer Lebenslauf, bisherige literarische Tätigkeit, Publikationen
Textproben aus bisher unveröffentlichter, deutschsprachiger Lyrik: Mindestens 3 bis max. 5 Gedichte bzw. 1 Gedicht mit maximal 5 Seiten á 35 Zeilen (eineinhalbfacher Zeilenabstand). Werden mehr als fünf Seiten bzw. mehr als 5 Gedichte abgegeben, kann die Einreichung nicht berücksichtigt werden.
Die Abgabe der Gedichte muss als Schreibmaschinenniederschrift oder als Computerausdruck erfolgen. Die Gedichte sind fünffach vorzulegen und sind für jedes Jurymitglied (z.B. mittels Büroklammer) zusammenzuheften. Werden die Gedichte nur 1-fach abgegeben, kann die Einreichung nicht berücksichtigt werden.
Jede Kopie muss oben rechts mit einer 5stelligen Zahl versehen sein.
Keine Originale! – Die Einsendungen können aus arbeitstechnischen Gründen nicht zurückgesendet werden.
Textexemplare, welche die Anonymität nicht gewährleisten, finden keine Berücksichtigung.

Ende der Einreichungsfrist: 15. März 2010 (Datum des Poststempels)

Höhe des Lyrikpreises: 1. Preis 1.000 Euro, weiterer 2. und 3. Preis (Höhe noch nicht bekannt).

Es ist vorgesehen, die PreisträgerInnen-Gedichte und eine weitere von der Jury festgelegte Auswahl von Gedichten in einer Lyrik-Anthologie zum Feldkircher Lyrikpreis bei der Edition Art Science zu publizieren. AutorInnen, deren Gedichte in der Anthologie publiziert werden, erhalten ein Belegexemplar.

Die Anthologie wird bei der Verleihung des Feldkircher Lyrikpreises, die voraussichtlich am 27. November 2010 durchgeführt wird, erscheinen.

Vergabe und Information

Die Zuerkennung des Lyrikpreises erfolgt auf Vorschlag einer 4köpfigen Jury.
Pro Person ist nur eine Einreichung zulässig. Mehrfachbewerbungen werden ausgeschieden.
Literaturschaffende, die unter den PreisträgerInnen waren, können sich nach Ablauf von 5 Jahren erneut bewerben.
Auf Grund der Vielzahl der Einsendungen können nur die GewinnerInnen über das Ergebnis schriftlich verständigt werden. Wir freuen uns jedoch sehr, wenn Sie als TeilnehmerInnen des Lyrikpreises mit Ihren FreundInnen, Bekannten und Verwandten am Samstag, dem 27. November 2010 um 20.15 Uhr, die Preisverleihung & Lyriklesung besuchen und laden Sie schon heute herzlich zu dieser Feier mit Buffet ein!

Beachten Sie das diesbezügliche Rahmenprogramm anläßlich des Feldkircher Lyrikpreises auf www.saumarkt.at

Rücksendung der Manuskripte: Die eingesandten Texte von unberücksichtigten Bewerbungen können aufgrund der auch heuer wieder zu erwartenden hohen TeilnehmerInnenzahl und des damit verbundenen Arbeitsaufwandes nicht zurückgestellt werden.

Wichtige Hinweise für die Lyrikpreis-BewerberInnen

Gedruckte oder sonst veröffentlichte Manuskripte sowie Manuskripte, die bereits in früheren Jahren vorgelegt wurden, finden keine Berücksichtigung.
Es ist vorgesehen, die Manuskripte von LyrikpreisträgerInnen zu Dokumentationszwecken dem Franz-Michael-Felder- und Vorarlberger Literaturarchiv zu übermitteln.
Die TeilnehmerInnen erklären sich bereit, daß die Gedichte in einer Publikation zum Feldkircher Lyrikpreis abgedruckt werden.

Die Texte sind 5-fach zu senden an:

Theater am Saumarkt
Kennwort „Feldkircher Lyrikpreis“
Mühletorplatz 1
6800 Feldkirch
Österreich

Info: www.saumarkt.at

Jungfräulich …

… oder Lügen haben kurze Beine

Eine Leseprobe aus meiner Geschichte „Jungfräulich oder Lügen haben kurze Beine“, die in der Anthologie „Der Tod aus der Teekiste“ im Schreiblust-Verlag erschienen ist.

Bruno hat sich für diesen einen Moment aufgespart. Den Moment, in dem er mit einer Frau schlafen wird, die er wirklich liebt und die auch ihn wirklich liebt. Entsprechend überwältigt ist er, als es wirklich geschehen soll. Beim Anblick der nackten Nicole fällt ihm die Kinnlade herunter. Das scheint seiner Angebeteten allerdings weniger gut zu gefallen.

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Nicole hatte Herz und Verstand. Jetzt schaute sie ihn allerdings etwas verstört an, bevor sie sich wegdrehte. Bruno konnte den Blick kaum von ihr abwenden, als er mit den Händen die Bettdecke abtastete. Ihr nackter Körper war makellos, versprach ein Leben in Erfüllung. Bruno versuchte sich zu kontrollieren, zwang seine Augen, die Hände bei der Suche zu unterstützen.

„Was ist mit dir los?“ Nicole schien ein Schluchzen zu unterdrücken.
„Es tut mir leid, mein Schatz.“ Er war selbst überrascht, dass er sich in dieser Situation halbwegs verständlich ausdrücken konnte, obwohl seine Stimme ihren Bass verloren hatte. Sie klang leer und offen. Er lallte ein wenig. „Es ist mir zum ersten Mal passiert. Dein Anblick war zu viel für mich, nach all den Jahren der Enthaltung.“
Nicole drehte sich nicht um.
„Vielleicht könntest du mir suchen helfen.“ In dem schummrigen Kerzenlicht war auf der dunklen Bettdecke nichts auszumachen. Er schaltete die Nachttischlampe ein.
„Das kannst du mir nicht antun“, antwortete Nicole. „Sag Bescheid, wenn du sie gefunden hast.“ Sie griff sich ihre Klamotten und verließ das Schlafzimmer.

Bruno sprang aus dem Bett und begann es zu durchwühlen. Er ärgerte sich. Wieso musste ihm das passieren? Ihm, der sich sein Leben lang für diesen Abend aufgespart hatte? Mit fünfundzwanzig hatten andere Männer – selbst die, die es mit den Frauen weit schwerer hatten als er – bereits viele Jahre sexueller Erfahrungen hinter sich.

Bruno spürte einen beißenden Schmerz in seiner rechten Hand. Er zog sie zurück und lutschte das Blut von seinem Zeigefinger. Doch er fühlte sich erleichtert.
„Ich glaube, ich hab sie!“, rief er durch die offene Schlafzimmertür. Er riss die Bettdecke zurück. Da lag sie. Die rosafarbene Innenseite schaute ihn unschuldig an.

Eine saubere Trennung. Bruno war ein wenig verwundert. Er fasste vorsichtig an den Kehlkopf. Alles wie immer. Langsam tasteten sich seine Finger nach oben. Eine Zehntelsekunde schwebten sie in der Luft, dann befühlten sie die fleischige Unterseite der Zunge.

„Hast du was anderes erwartet?“, dachte Bruno. „Der Rest liegt schließlich vor dir.“ Er griff nach seiner Kinnlade, vorsichtiger jetzt, um sich nicht wieder an seinen Schneidezähnen zu verletzen. Er hob den Unterkiefer auf, ging mit ihm zum Schlafzimmerspiegel. „Kein Wunder, dass Nicole schockiert war“, dachte er, als er sich im Spiegel betrachtete. „Ich sehe ja reichlich blöd aus. Wahrscheinlich wäre es noch schlimmer, wenn ich nicht ohnehin ein fliehendes Kinn hätte.“ Er musste ein wenig kichern, wobei ihm sein Unterkiefer beinah aus der Hand gefallen wäre. Er packte ihn fester und versuchte ihn wieder in seine angestammte Position zu bringen. Er schob, drückte, wackelte, drehte und fummelte – ohne Erfolg. „Natürlich! Kaputtgehen ist leicht, aber für die Reparatur braucht man einen Spezialisten.“

Bruno war zu ungeduldig. Er legte sein Kinn auf den Nachttisch und zog sich an. Dann lief er Nicole nach. „Ich hab das Kinn gefunden. Aber ich krieg es nicht mehr dran. Nicole?“

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Der Tod aus der TeekisteAndreas Schroeter (Hrsg.):
Der Tod aus der Teekiste
… und 30 andere abgedrehte Geschichten

Taschenbuch, 230 Seiten
Schreiblust-Verlag
ISBN: 3-9808278-8-7

„Viele Autoren können schreiben, aber nur wenige können originell schreiben. Wir präsentieren Ihnen die Stecknadeln aus dem Heuhaufen.“ So lautet der Klappentext unseren Buches „Der Tod aus der Teekiste“. Und dieser knappe Rückseiten-Text sagt im Grunde alles aus – wir haben uns für dieses Buch auf die Suche nach originellen Geschichten gemacht, weil wir glauben, dass es schon genug Einheitsbrei gibt. Wieder haben uns – wie schon für unsere Krimi-Anthologie „Madrigal für einen Mörder“ – knapp 400 Geschichten zum Thema erreicht. 31 von ihnen haben den Sprung in dieses Buch geschafft.

Da gibt es einen Mann, der sich auf eine sehr seltsame Beziehung mit seinem Papagei einlässt, eine völlig verkorkste Bewerbungsfahrt oder den „Club der Hässlichen“, um nur einige Beispiele zu nennen. Sogar Jesus kommt vor. Aber lesen Sie selbst …

„Der Tod aus der Teekiste“ ist ein originelle, frische und sehr abwechlungsreiche Anthologie geworden, bei der man vielleicht auf Seite 99 noch lauthals lacht, um direkt nach dem Umblättern einen entsetzten Gesichtsausdruck zu bekommen: Achterbahnfahrt statt Kinderkarussell.

Viele Autoren sind erstmals in einem Buch des Schreiblust-Verlags vertreten. Aber auch einige bekannte Namen, die die Leser schon aus unseren früheren Büchern kennen, sind wieder dabei. Andreas Gruber, Andrea Tillmanns oder Philipp Bobrowski gehören zu ihnen.
Das Cover hat der Dortmunder Grafiker Michael Henke gemacht.

Übrigens, falls Sie den Titel irgendwie seltsam finden sollten: Wir hatten keine Wahl. Und das kam so: Es war einmal eine Assam-Teekiste, die über ein Gewässer schipperte. Aus ihr stiegen ein paar ziemlich kleine, aber bösartige Monster. Und die haben uns befohlen, das Buch so und nicht anders zu nennen … Was sollten wir machen? Aber wir verraten schon wieder zu viel.

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Mehr zu den Drachenschwertern

Die Saga der DrachenschwerterHerausgeberin Janine Höcker hat bei den Geschichtenwebern die neuesten Informatinen zur baldigen Publikation der Geschichtenweber-Anthologie „Die Saga der Drachenschwerter“ bekanntgegeben, die ich euch nicht vorenthalten möchte:

Titel: Die Saga der Drachenschwerter
Verlag: Wunderwaldverlag
ISBN: 978-3-940582-24-9
Preis: 16,90
Ausstattung: Softcover
Seiten: ca. 230

Genre: asian historical fantasy
geeignet für: Erwachsene oder Jugendliche ab sechzehn Jahren

Bei dem Buch handelt es sich um ein Geschichtenweberprojekt. Gerd Scherm und Janine Höcker sind Herausgeber des Buches.
Und die Autoren, die mit Geschichten in dem Buch vertreten sind, sind:

Klaus Mundt, Manuel Bianchi, Michael Mühlehner, Wolfgang Schroeder, Nadine Muriel, Nina Horvath, Stefan Cernohuby, Stephanie Oelschläger, Gerd Scherm, Janine Höcker.

Klappentext:
„… der weiße Falke wird die verlorene Sonne wieder zum Himmel emporheben. Der schwarze Falke schläft in seinem Nest auf dem Berg der Finsternis. Das Rauschen in der Nacht mag der Wind in den Blättern sein oder der nahende Flügelschlag des Todes. Doch so lange Pferde durch die Steppe wandern, gibt es Hoffnung für die Menschen …

Viele Drachenklingen wurden geschmiedet, um das Gleichgewicht der Kräfte zu bewahren, eine, um es zu zerstören. Zannin no Katana, das Schwert des Drachens der Finsternis, verheert Seringaye und überzieht die Welt mit Frost und Eis. Hoffnung versprechen die Klingen der anderen Drachengötter, doch diese sind verschollen. Eine verzweifelte Jagd beginnt, die die Schwertträger aus allen Teilen Seringayes zum Ort der Entscheidung führt. Dort treffen jene, die dem Licht folgen auf jene, die sich dem Schatten zuwandten und auf die Schergen der Finsternis. Eine Schlacht um das Schicksal der Welt entbrennt …

In ihren Episoden berichten die Geschichtenweber von der Queste der Schwertträger durch die Welt Seringaye. So vielfältig wie die Autoren sind auch die Erzählungen über Macht und Ohnmacht, Gut und Böse und das Ringen um Mut und Stärke. Fantasy auf hohem Niveau mit einer Prise Philosophie, in blühenden Bildern beschrieben – ein Genuss für Kenner!“

Das Buch erscheint zur Leipziger Buchmesse. Es wird dort auch eine Lesung und eine Buchvorstellung geben. Wer also auf der Messe ist und Lust hat, einige der Autoren kennen zu lernen, ist herzlich eingeladen, vorbeizuschauen!

Das Buch kann ab sofort beim Verlag vorbestellt werden.

Wer weitere Informationen, Hintergrundinformationen und Neuigkeiten erfahren möchte, findet im Drachenschwerter-Saga-Blog alles Wichtige. Dort gibt es ab sofort auch immer wieder kleine Leseproben.
Achso und auf der Geschichtenweberhomepage gibt es Vorankündigung und Informationen natürlich auch :wave:

Einen Trailer zum Buch findet ihr HIER

Liebe Grüße
Janine

Von der Kurzgeschichte zum Roman

Viele, die eine Kurzgeschichte schreiben wollen, haben vor allem ein Problem: die Kürze.

Allerdings hört man auch immer wieder von versierten Kurzgeschichtenschreibern, dass sie an ihrem Romanmanuskript verzweifeln, weil sie das Gefühl haben, sie müssten den sich angeeigneten Schreibstil aufblähen, um eine angemessene Romanlänge zu erreichen. Dazu gibt es zum Beispiel einen interessanten Thread im Forum der Geschichtenweber.

Ich denke, das Problem liegt vor allem darin, dass schon die unzähligen Tipps, die man zum Schreiben im Internet oder in Schreibratgebern bekommt, zu allgemein sind und kaum einmal zwischen dem Verfassen einer Kurzgeschichte und eines Romans unterscheiden.

Dazu kommt der immer weitläufigere Begriff der Kurzgeschichte, der inzwischen nahezu alle Prosa, die kürzer als ein Roman ist, in diese Gattung drängt. Tatsächlich müsste man hier natürlich weitere Gattungen wie die Novelle und vor allem die Erzählung, die in ihrer Struktur deutlich näher am Roman liegt, abgrenzen.

Bleiben wir aber zunächst bei der Abgrenzung von Kurzgeschichte und Roman.

Wie also bekommt der Kurzgeschichtenschreiber Länge in seinen Roman? Indem er sich die Frage stellt, wie er denn die Kürze in seine Kurzgeschichten bekommen hat.

Die Ursachen dafür liegen nur begrenzt in der Knappheit des persönlichen Schreibstils eines Autors, sondern vor allem in den unterschiedlichen Anforderungen, die die jeweilige Gattung an die Stilmittel stellt.

Hier sind vor allem die Fragen der Auswahl des Stoffs, also dessen, was erzählt wird, das Wie des Erzählens und die Charakterisierung sowie die Entwicklung der Figuren von Bedeutung.

Nehmen wir als Beispiel an, ein Autor wolle anhand seiner Geschichte eine Figur zeigen, deren übertriebener Ehrgeiz sie in den Untergang führt. Nehmen wir weiter an, er habe sich für einen Rennfahrer als Protagonisten entschieden. Nun ist die Frage, schreibt er eine Kurzgeschichte oder einen Roman.

Beides ist natürlich möglich. Schreibt er den Roman, schreibt er über die Geschichte dieses Rennfahrers. Je nachdem, wie der Roman angelegt ist, konzentriert er sich auf einen wesentlichen Ausschnitt dieses Lebens, in unserem Fall zum Beispiel auf all die Ereignisse, die den Rennfahrer zu dem Punkt führen, an dem er aus Übereifer einen Fehler begeht, der seine Rennfahrerkarriere beendet.

Dabei schreibt der Autor am Konflikt entlang, von seiner Entstehung bis hin zu seiner finalen Lösung (in unserem Fall dem Scheitern des Rennfahrers).

Je nachdem, wie der Autor den Konflikt anlegt, wird er seinen Roman in der Regel kurz vor der Entstehung des Konflikts beginnen lassen. Das kann in unserem Fall der Beginn der Rennfahrerkarriere unseres Protagonisten sein, aber auch ein bestimmter Punkt in der laufenden Rennsaison.

Folgt der Autor nun der viel zitierten Schreibregel und will den Roman straff erzählen, wählt er nur solche Szenen, die er am Ende nicht streichen könnte, ohne dass sich das Endprodukt grundlegend ändert. Selbst wenn er nur den Haupthandlungsstrang erzählt, landet er damit nicht unweigerlich bei der Kurzgeschichte. Im Mittelpunkt des Romans steht der Prota und sein Konflikt. Relevant sind daher alle Szenen, die eine Entwicklung des Protas und seines Konflikts zum Inhalt haben. So zum Beispiel die Szene, in der der Grundstein für die besondere Rivalität zwischen unserem Rennfahrer und seinem Hauptkonkurrenten gelegt wird. Oder die, in der es dem Prota gelingt, einen ersten Sieg gegen den Konkurrenten einzufahren. Aber auch die, in der er kurz davor steht, seine Prioritäten neu zu ordnen, weil er etwas erlebt, was eine höhere Bedeutung als die Rivalität auf der Rennbahn bekommen könnte, bis eine herbe Enttäuschung erneut die Scheuklappen hochfahren lässt.

All das braucht eine Kurzgeschichte nicht. Denn ihr Hauptaugenmerk liegt in Wirklichkeit nicht auf dem Protagonisten als solchem. Sie konzentriert sich auf ein Geschehnis. Ein Geschehnis, in dem der Konflikt bereits auf dem Höhepunkt angelangt ist, die Lösung kurz bevor steht. Daraus ergibt sich oft eine pointierte Form.

Die Kurzgeschichte könnte also die letzte(n) Runde(n) des letzten Rennens erzählen, in dem der Protagonist handeln muss, um die Meisterschaft zu gewinnen. Der Sieg in diesem Rennen ist entscheidend, der Prota fährt direkt hinter seinem Konkurrenten, setzt alles auf eine Karte und baut einen folgenschweren Unfall, der ihn nicht nur die Meisterschaft, sondern auch seine weitere Karriere als Rennfahrer kostet.

Die Kurzgeschichte erfüllt also dieselbe Prämisse wie der Roman, aber sie erzählt nicht die Geschichte des Protagonisten, sondern die eines Geschehnisses, an dem der Prota nur grundlegend beteiligt ist, also die Geschichte seines Scheiterns. Damit wird auch klar, dass die Kurzgeschichte all die Entwicklungen, die der Roman erzählt, einfach weglässt. Um die geht es nicht, weder in Bezug auf den Prota noch in Bezug auf den Konflikt. Was den Prota bis hierhin gebracht hat, welche Chancen er bereits hatte, den Konflikt für sich zu entscheiden oder ihm ganz zu entgehen, welche Niederlagen, welche Siege er bis hierhin eingefahren hat und, ganz wichtig, welche umfangreichen Charaktereigenschaften und Hintergründe Voraussetzung für den Konflikt waren, zählt für die Kurzgeschichte nicht. Hier ist alles gesetzt.

Das bedeutet auch, das mindestens ein Tipp, den angehende Autoren immer wieder zu hören bekommen, an der Kurzgeschichte völlig vorbeischießt: die Charakterentwicklung eines glaubhaften Protas.

Provokativ gesagt ist der Prota in der Kurzgeschichte nicht von entscheidender Bedeutung. Die Entwicklung seiner Eigenschaften muss sich den Anforderungen des erzählten Geschehnisses unterordnen. Nachvollziehbar wird er nur dadurch, dass er eine oder einige wenige Eigenschaften besitzt, die zum Geschehnis (und damit zum Konflikt) passen. In unserem Fall also ein extrem ehrgeiziger Rennfahrer, der in Anbetracht eines möglichen Siegs in der Meisterschaft jede Vernunft fahren lässt.

Mehr „Charakter“ braucht es für die Kurzgeschichte nicht. Sofern diese Eigenschaften erfüllt werden, ist der Prota austauschbar. Der Fokus, um es noch einmal zu sagen, liegt nicht auf dem Prota, sondern auf dem Geschehnis

Tatsächlich sind manche Texte, die uns in Anthologien oder anderswo als Kurzgeschichten angeboten werden (das trifft auch auf solche von mir zu) im engeren Sinne gar keine Kurzgeschichten.

Hier handelt es sich eher um Erzählungen im engeren Sinne. Diese Gattung liegt nämlich nicht allein der Länge wegen zwischen Roman und Kurzgeschichte. Wie die Kurzgeschichte ist die Erzählung in der Regel nicht verschachtelt, sondern konzentriert sich auf einen Handlungsstrang und wird meist chronologisch erzählt. Im Fokus steht aber nicht ein einzelnes Geschehnis, die Zuspitzung eines Konflikts, sondern eher (wie im Roman) eine Folge von Geschehnissen, eine Entwicklung.

Für eine Erzählung im engsten Sinne, eignet sich unser Beispiel nicht besonders gut, denn es ist auf einen zentralen Konflikt ausgerichtet. Tatsächlich könnte man natürlich auch ein einzelnes Rennen oder einen Teil der Rennsaison chronologisch (herunter-) erzählen, aber ohne einen zentralen Konflikt, wäre das wahrscheinlich eher langweilig. Dem Grunde nach ist eine Erzählung nämlich eher ein chronologischer Bericht realen oder fiktiven Geschehens. Eine Urlaubserzählung, die letzten Tage im Leben eines Menschen, ein Familienfest, alles Dinge, die eine Erzählung rechtfertigen, in der sich nicht alles um einen zentralen Konflikt drehen muss (was nicht heißt, dass sie konfliktfrei wären).

Sieht man es nicht ganz so eng, sind wir wieder bei den Geschichten, die auf verhältnismäßig wenigen Seiten einen Konflikt entstehen und sich entwickeln lassen, bis er auf einem Höhepunkt aufgelöst wird, romanhafte Erzählungen also. Oder Kurzromane. In der Regel sind auch diese nicht verschachtelt und chronologisch erzählt. Im Unterschied zum Roman setzen sie meist später ein, häufig bei einem Geschehnis, bei dem ein bereits schwelender Konflikt noch einmal deutlich gemacht oder verschärft wird.

Natürlich kann es auch am verwendeten Stoff liegen, der die Möglichkeit bietet, auf wenigen Seiten einen Konflikt entstehen zu lassen und ihn zum Höhepunkt zu treiben. Vielleicht erfährt unser Rennfahrer am Morgen vor dem finalen Rennen, dass seine Frau ihn mit dem Konkurrenten betrügt, mit dem ihn bis dahin eine enge Freundschaft verbunden hat. Nun will er es ihm im Rennen zeigen. Der Ausgang ist bekannt.

Diese Art der Erzählung liegt also wirklich genau zwischen Roman und Kurzgeschichte. Sie behandelt einen sich entwickelnden Konflikt, dessen Entwicklung entweder schnell genug vonstatten geht, dass sie sich auf wenigen Seiten chronologisch erzählen lässt, oder von dessen Entwicklung wir nur einen Ausschnitt kennenlernen, der aber repräsentativ für die Gesamtentwicklung ist. Weil es diese Entwicklung gibt, besteht die Handlung logischerweise auch aus mehr als einem Geschehnis In unserem Beispiel könnten das der Morgen mit der verräterischen SMS, eine Auseinandersetzung mit dem Konkurrenten in der Boxengasse und die Abschlussszene, in der der Prota seinen verhängnisvollen Überholversuch startet, sein.

Im Vergleich zum Roman sehen wir aber, dass die Entwicklung sich auf einige wesentliche Stationen eines meist explosiven Konflikts beschränkt, während dem Prota kaum tief greifende Entwicklungsfortschritte (positiv oder negativ) zugestanden werden können. Sowohl seine Eifersucht als auch sein Konkurrenzdenken sind bereits auf einem Stand, der nur einen Anlass braucht, um den Konflikt zum Explodieren zu bringen.

Dennoch rückt der Protagonist im Vergleich zur Kurzgeschichte wieder stärker ins Zentrum. Er muss zwar ein weitgehend fertiges, aber doch runderes Charakterbild abgeben als in der Kurzgeschichte.

Der Vollständigkeit halber noch ein paar Sätze zur Novelle. Sie wird heute gern einfach von der Länge her definiert. Wird der Text länger als 20 Seiten, nennt man ihn eben Novelle. Dabei steckt schon im Begriff das entscheidende Charakteristikum der Novelle: die Neuigkeit.

Bei dieser Neuigkeit handelt es sich um ein vorausgehendes Ereignis. Vorausgehend deshalb, weil es dieses Ereignis ist, das die Handlung der Novelle erst in Gang bringt. Von diesem Ereignis geht alles aus. Üblicherweise zieht ein solches Ereignis eine Kette nachfolgender Ereignisse nach sich, wobei das für den Protagonisten, mal schleichend, mal plötzlich, eine grundlegende Veränderung bedeutet.

Ein sicher nicht ganz klischeefreies, aber umso besseres Beispiel wäre der treu sorgende Familienvater, dem wie aus heiterem Himmel ein (möglicherweise gar nicht so ernst gemeintes) Kompliment eine jungen Dame zufliegt. Von da an verliert sich der Mann immer häufiger in Tagträumen, denkt auf einmal an Alternativen, die ihm sein aktuelles Leben verwehrt, besucht seit Jahrzehnten zum ersten Mal wieder seine frühere Stammkneipe, usw. Möglicherweise biegt er eines Tages auf dem Weg zur Arbeit falsch ab, landet beim Bahnhof und ward nie wieder gesehen.

In unserem Beispiel könnte so ein auslösendes Ereignis das genaue Gegenteil sein: Der Rennfahrer, dem es bis dahin eher am letzten Quäntchen Ehrgeiz gefehlt hat, der sich dafür aber durch seine sportliche Fairness ausgezeichnet hat, wird eines Tages bei einem kleinen Streit von seiner Frau ein bisschen fahrlässig als Schlappschwanz bezeichnet. Das nagt an ihm und kanalisiert sich mehr und mehr in einem unbedingten Siegeswillen auf der Rennstrecke. Wiederum sind die Folgen bekannt.

Wir sehen, die Länge ist nur das eine. Die Gattungen stellen weitere, meist wichtigere Anforderungen an den Autor. Damit ist nicht gesagt, dass dieser sich streng daran halten muss. Ob es ihm wichtig ist, ob er gerade eine Kurzgeschichte, eine Erzählung oder eine Novelle geschrieben hat, ist ja seine Sache. Viel wichtiger ist, ob die Geschichte die eigenen Anforderungen erfüllt und das auch an die Leser weitergeben kann. Obendrein sind die Übergänge zwischen den Gattungen natürlich fließend.

In diesem kleinen Artikel sollte ja vor allem dem eingefleischten Kurzgeschichtenschreiber gezeigt werden, dass die Kürze, die er in seine Texte bringt, nicht unbedingt ein Charakteristikum seines persönlichen Schreibstils sein muss, sondern mit den Anforderungen, die diese Textsorte nun mal stellt, zusammenhängt. Versucht er sich dagegen an den Anforderungen für einen Roman, werden diese (Figuren- und Konfliktentwicklung, möglicherweise stützende Nebenhandlungen) von sich aus für eine gute Länge sorgen.

Es geht also weniger darum, den persönlichen Schreibstil zu ändern, sondern darum, sich für diese Entwicklungen Zeit einzuräumen, einen Konflikt nicht geradlinig und von eben auf gleich zum Höhepunkt zu treiben, sondern ihn  in seinen Auf und Abs „auszukosten“.

Federwelt lädt zum Münchner Menü bis 01.03.10

Ausschreibung Münchner-Menü-Wettbewerb + Federwelt-Jurypreis:

Liebe Gäste, liebe Autorinnen und Autoren,

diesmal nehmen wir eine Stadt als Sujet: München. Und wieder sehen wir das Thema sehr frei und freuen uns auf alles, was Euch zu München einfällt: Was für Liebesgeschichten können hier passieren, welche nur hier, wen kann man hassen? Was ist schön, was ist schlimm? Wir freuen uns auf Ausführungen übers Schnösel-München genauso wie über Dramen und Komödien aus dem Hasenbergl. Vielleicht erfahren wir endlich, warum München schlechter ist als Berlin – oder besser. Schickt uns Junkiegeschichten, eine Familiensaga oder was unter den Tischen am Debütantinnenball im Bayrischen Hof passiert. Erzählt uns vom Gasteig, vom P1, aus dem Schellingsalon oder dem Cafe King. Wir werden ein Buch draus machen, eine Bestandsaufnahme von München am Anfang des 21. Jahrhunderts.

Es werden insgesamt 1.000 Euro Preisgelder vergeben (750 Euro Publikumspreis, 250 Euro Federwelt-Jurypreis), viele der Geschichten werden in unserem Buch veröffentlicht und im RedBulletin (Auflage 1,6 Mio).
Der Sieger/die Siegerin des Publikumspreises bekommt zusätzlich ein Drei-Nächte-Wochenende in einem Tophotel spendiert.
Die Siegergeschichte des Federwelt-Jurypreises wird in der „Federwelt – Zeitschrift für Autorinnen und Autoren“ veröffentlicht.
Alle Autorinnen und Autoren aus der Endrunde werden von unserem Sponsor Carpe diem zur Menülesung am 20.3.2010 nach München eingeladen.

Die Texte sollen bis 1. März 2010 elektronisch an lesung@hs-veranstaltungen.de eingesandt werden. Unsere Jury wählt aus den Geschichten vier aus. Am Samstag, den 20. März 2010 ab 17:30 Uhr findet die Lesung in München statt – der Ort wird noch bekannt gegeben.
Jeder Text wird erst musikalisch (live) eingeführt, dann von unseren Schauspielern gelesen, darauf von unserem Koch in einem Menügang interpretiert. Vier solcher Gänge gibt es. Das Publikum wählt zum Schluß den Sieger/die Siegerin aus, der/die das Preisgeld gewinnt und weitere Siegprämien.

Als BewerberIn um den Preis erklärt ihr euch mit der Einsendung bereit, dass euer Text bei Auswahl vorgetragen und in einer Anthologie zur Lesung, im RedBulletin bzw. in der „Federwelt“ sowie auf unserer Homepage (www.hs-veranstaltungen.de, Menüpunkt Lesungen) veröffentlicht wird. Die Texte müssen zwischen 11.000 und 13.000 Zeichen lang sein (ohne Leerzeichen) und sollen als Worddokument bei uns eingereicht werden.

Einsendeschluss ist der 1. März 2010.

Pro TeilnehmerIn kann nur ein Text eingereicht werden. Informationen über bisher stattgefundene Lesungen und die Veranstalter unter http://www.hs-veranstaltungen.de/lesungen.

Reservierende für die Lesung mit Viergangmenü melden sich bitte per E-Mail unter dem Account holleschek@hs-veranstaltungen.de an. Die Anmeldung wird bestätigt. Erst nach Zahlungsaufforderung ist der Betrag fällig.
Wir freuen uns auf euch und eure Geschichten.

Otger Holleschek und Matthias Schlick

Otger Holleschek
h+s veranstaltungen gmbh
Martin-Luther-Straße 2
81539 München
Telefon: 089/890686-66, Mobil 0172-2390398
fax: 089/8906868-88
www.hs-veranstaltungen.de

Pressemeldung 27. Januar 2010:

wir freuen uns, euch die Jurymitglieder für den laufenden Menülesungswettbewerb ankündigen zu können:
Michael Krüger, Chef des Hanser Verlages und ungekrönte Größe des gesamtdeutschen Literaturbetriebes, unterstützt uns mit seiner Meinung ebenso wie Amelie Fried, die mit ihrer Literatursendung „Die Vorleser“ eine wichtige Multiplikatorin für gute Texte ist. Wer jetzt gut schreibt, kann groß rauskommen!
Daneben werden uns Natalie Buchholz, Lektorin bei Randomhouse, Literaturprofessor Manuel Braun und die Akademischen Rätin Dr. Kathrin Bleuler unterstützen.

Das Thema ist „München“, und wir suchen alles, was auch nur ansatzweise mit München zu tun hat. Liebesgeschichten, Lebensgeschichten, Leidensgeschichten.
Also auf geht’s: Texte elektronisch als Worddatei abgeben bis 1. März 2010 unter lesungen@hs-veranstaltungen.de. 11.000 bis 13.000 Zeichen ohne Leerzeichen. Informationen über die aktuelle und bisherige Lesungen unter www.hs-veranstaltungen.de/lesungen
Alle Autoren der Endrunde werden nach München eingeladen.

Mit freundlichen Grüßen,

Otger Holleschek

Endlich Urlaub

Eine Leseprobe aus meiner Geschichte „Endlich Urlaub“, die in der  Geschichtenweber-Anthologie „Alea³ – Ein Jahr danach“ im Web-Site-Verlag erschienen ist.

Wil Rest ist ein genialer, aber längst unterforderter Privatdetektiv. Von den ewig gleich anspruchslosen Aufträgen gelangweilt, freut er sich auf den Urlaub mit seiner Familie. Doch ein seltsamer Würfel, den ein Botenjunge seiner rührigen Assistentin Marita überbracht hat, kommt ihm dazwischen. Plötzlich findet sich Wil Rest in einer seltsamen Welt wieder.

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Sie hielten vor einem Hot…, nein, das war nicht das richtige Wort dafür. Wil kramte in seinem Gedächtnis. Herberge. So musste man es wohl nennen. Sie hielten also vor einer Herberge. Auf einem Schild, das in seiner Verankerung knarrte, war eine halb geöffnete Tür aufgemalt. Darüber stand in windschiefen Lettern: »Aller Anfang ist schwer«. Ernst führte ihn durch eine dunkle Gaststube, in der nur ein paar vereinzelte Gestalten saßen.
»Dieses Dorf muss eine Art Mittelalterattraktion für Touristen sein«, dachte Wil. »Die Schauspieler sind auf jeden Fall sehr treffend gekleidet.« Er hatte allerdings kaum Zeit, sich umzuschauen, denn Ernst zog ihn nun eine linkerhand gelegene Treppe ins obere Stockwerk hinauf. Er folgte einem schmalen Gang und klopfte an dessen Ende gegen eine Tür, die der Treppe genau gegenüber lag.

»Komm herein, Ernst«, tönte eine kräftige, tiefe Stimme aus dem Innern des Raumes. »Und bring den lieben Herrn Rest gleich mit.«
Stirnrunzelnd trat Will hinter Ernst durch die niedrige Tür. Das dämmrige Zimmer wurde nur durch ein kleines Fenster erleuchtet. Im Schatten neben diesem Fenster, die Lehne der Tür zugewandt, stand ein riesiger Stuhl.
»Nein«, dachte Wil, »das ist wohl eher ein Thron.«
»Na ja«, tönte die Stimme jetzt aus Richtung des Throns. »Ganz so prächtig ist er nicht.«
»Meinen Sie mich?«, brauste Wil auf.
»Nein«, lachte die Stimme. »Den Holzstuhl, auf dem ich sitze und den Sie so freundlich waren als Thron zu bezeichnen.«
»Aber das habe ich doch nur gedacht.« Wil machte seine Situation langsam Angst. Hinter dieser mächtigen Stimme schien sich ein Hellseher zu verbergen und es wollte ihm nicht gelingen, auf die Schnelle eine logische Erklärung dafür zu finden.
»Meine Konzentration lässt Ihre Gedanken zu mir sprechen«, antwortete die Stimme.
Nun bewegte sich etwas in dem Armstuhl. Ein Mann sprang heraus, dessen Beine bis dahin wohl kaum den Boden berührt haben konnten, denn als er nun stand, hatte er Mühe über die Armlehnen seines Sitzmöbels zu schauen. Er trug einen rundum geschlossenen Mantel in einem dunklen Blau, dessen eines Ende in eine Kapuze ausuferte, die dem Kopf des kleinen Mannes die Möglichkeit gab, eine ganze Gruppe seinesgleichen zu sich einzuladen, während das andere Ende in weiten Falten den Staub des Fußbodens aufwirbelte.
»Rebauz«, stellte sich der Liliputaner vor. »Der große Rebauz.«
Wil, der sich noch immer fragte, wie sein Gegenüber es geschafft hatte, allein die Sitzfläche seines Stuhls zu erklimmen, antwortete: »Rest. Wil Rest.«
»Ich weiß. Schließlich sind Sie der Rest, den ich zu mir geleitet habe.«
»Haben Sie schon andere vor mir hierher geleitet?«
»Nein, Sie sind der erste. Wen braucht es noch außer dem großen Rebauz und dem Rest, also Ihnen?«
»Wären Sie dann so freundlich«, fragte Wil mit deutlicher Ungeduld in der Stimme, »mir zu erklären, was ich hier soll?«
»Nun, ich hörte von Ihnen. In Ihrer Welt sind Sie ein bekannter Finder. Und genau so jemanden brauche ich.«
»Ein Finder?«
»Ja, bei Ihnen sagt man wohl Detektiv. Sie suchen nach Dieben und Mördern, Ehebrechern und -brecherinnen, verlorenen Dingen, Tieren und Menschen, Schuld und Unschuld, nach Rätseln und deren Lösungen. Und meist finden Sie, was Sie suchen. Manche meinen, Sie seien der Beste.«
»Und so einen brauchen Sie?« Wil fühlte sich geschmeichelt. Ein Fehler, den er nie ganz abstellen konnte und der ihm schon manch langweiligen Job eingebracht hatte.
»Ganz genau Sie, Rest.«
»Und wer sagt Ihnen, dass ich Ihnen helfe? Meine Frau und meine Tochter warten auf mich. Wir wollen in den Urlaub.«
»Ich weiß, dass Sie nicht ablehnen können. Sehen Sie, bevor Sie Ihre Aufgabe nicht erfüllt haben, kann Sie der Würfel nicht zurückbringen, selbst wenn ich es wollte.«
»Der Würfel … Sie?« Nun war er also doch dem Geheimnis des Würfels auf der Spur. Sonderlich angestrengt hatte er sich dafür allerdings nicht.
»Genau. Sie haben ihn doch noch?«
Wil kramte in der Tasche seines neuen Gewandes. Die Tasche war groß, er versank fast mit dem ganzen Unterarm darin. Doch ganz unten fand er den Würfel. »Gott sei Dank«, entfuhr es ihm.
»Na, dann ist ja alles in Ordnung.«
Der Mann hatte die Ruhe weg. »Wen oder was soll ich denn für Sie suchen?«
»Meinen Sohn. Je schneller Sie ihn finden, desto schneller sind Sie wieder bei Ihrer Familie.«
Richtig, die hatte er fast vergessen. Noch irgendetwas bereitete ihm Sorgen. Er musste lange nachdenken, bis es ihm einfiel: »Ich werde bei der Suche schwerlich erfolgreich sein.«
»Warum nicht?«
»Ohne meine Assistentin, äh, Frau … äh … also Marita, komme ich nicht weit. Sie ist meine Stütze.«
»Sie werden sehen, ich habe an alles gedacht. Nicht umsonst bin ich der große Rebauz. Zwar kann ich Ihnen nicht auch noch Marita herführen, doch ich werde Ihnen meine Gehilfin leihen. Ich habe sie für diese Zwecke etwas angepasst.«
»Hallo, Bossilein«, hörte Wil hinter sich.
»Schnickschnack!«, entfuhr es Wil. Er drehte sich um und das nächste Schnickschnack blieb ihm im Halse stecken. Vor ihm stand Marita. Na ja, Marita in einem Brautkleid. Vermutlich war es das nicht, doch welche Frau trug in Deutschland ein solch wallendes weißes Kleid zu einem anderen Anlass als der Hochzeit? Marita trug meist Jeans. Aber alles andere stimmte: Die walnussfarbenen langen Haare, das kecke, etwas spitznasige Gesicht, der lange schlanke Körper – soweit das Kleid ihn noch erahnen ließ –, die freche Stimme, ja sogar die Gedanken, die ihn überkamen: »Schade, dass ich nicht noch mal vierundzwanzig und unverheiratet sein kann, jetzt auch noch dieses Kleid.«
Rebauz räusperte sich. »Offensichtlich gefällt sie Ihnen. Ich scheine sie erstaunlich gut getroffen zu haben.«
»Ja, ganz erstaunlich. Wie heißt du, mein Kind.«
»Marita, Bossilein, das weißt du doch.«
»Richtig. Ähm … Schnickschnack …«, er wandte sich an Rebauz, »das haben Sie sich ja fein ausgedacht. Was ist denn nun mit Ihrem Sohn?«
»Wie Sie sich denken können, ist es nicht nur mein Sohn.«
»Ich bin mir nicht sicher, was ich mir in diesem Land denken soll, doch wirklich überrascht bin ich nicht. Wie heißt denn die holde Frau Mutter?«
»Mütter.«
»Wie bitte?«
»Das Kind hat mehrere Mütter. Den mächtigen Feenkreis. Das sind sieben.«
»Meine Güte, Sie haben es gut. Aber wie geht das? Haben Sie mit allen gleichzeitig …?«
»Nein.«
»Wie dann?«
»Nacheinander. Die Eizellen der Mütter haben sich in meinem Körper vereint und gemeinsam den Samen gefunden.«
»Aha«, sagte Wil kurz, schüttelte dabei aber den Kopf. »Besonders groß kann der Junge ja nicht geworden sein.«
Marita lachte, der große Rebauz schien die Bemerkung zu überhören.
»Er wurde gezeugt, um dem Land ein mächtiger Beschützer zu sein.«
»Wie heißt es eigentlich?«
»Leiz.«
»Ein merkwürdiger Name für ein merkwürdiges Land.«
»Nein, das Kind heißt Leiz. Das Land heißt Dnal.«
»Auch nicht viel besser.«
»Jedenfalls soll Leiz Dnals Beschützer werden.«
»Verstehe, Sie haben ihn vor jemandem … oder etwas versteckt.«
»Ich sehe, Ihr Gehirn läuft schon auf Hochtouren. Sehr gut, sehr gut.«
Marita gab Wil einen leichten Kuss auf die Wange und flüsterte: »Du bist der Beste, Bossilein.«
Wil spürte, dass er errötete. »Schnickschnack!«
»Es handelt sich um den Zauberer Eigam«, fuhr Rebauz fort. »Wahrscheinlich der mächtigste seines Fachs.«
»Was ist das Besondere an dem Jungen … wie hieß er noch?«
»Leiz«, sprang Marita ein. »Vermutlich ist auch er sehr mächtig. Bei dem mächtigen Vater, den mächtigen Müttern und vor allem der mächtigen Aufgabe gegen den mächtigen Feind.«
»Nicht schlecht, meine Perle, nicht schlecht. Wahrscheinlich ist der Junge sogar außergewöhnlich mächtig. Mächtiger als der Vater, die sieben Mütter und vor allem der böse Zauberer …«
»Eigam«, ergänzte Marita.
»Richtig«, antwortete Rebauz. »Leider ist es tatsächlich so.« Er wirkte ein wenig zerknirscht.
»Was stört Sie daran?«, wollte Wil wissen. »Er ist doch Ihr Sohn, wenn ich mich recht erinnere.«
»Natürlich. Und ich bin stolz darauf. Doch das machte es eben nötig, ihn zu verstecken. Jetzt erreicht der Junge bald sein sechzehntes Lebensjahr und seine Macht ist reif, geschult zu werden. Daher muss ich ihn wiederfinden, bevor Eigam das tut.«
»Und Sie wissen nicht, wo er ist?«
»Zunächst wurde er von Rebauz, also mir, und der Höchsten des mächtigen Feenkreises an einem geheimen Ort gehalten. Im Alter von zwei Jahren wurde er von einem Unbekannten versteckt, der von der Höchsten ernannt worden war, damit das Versteck von keinem, der ihm nahe steht, unter Folter preisgegeben werden könnte.«
»Und diese Höchste ist nicht mehr am Leben?«
»Wie kommen Sie darauf?«
»Weil man sie sonst nach dem Unbekannten fragen könnte, der das Versteck ja kennen muss«, antwortete Wil mit sich nicht unzufrieden.
»Sie sind nah dran.«
»Nur nah dran?«
»Der Unbekannte hatte den Befehl, sich sofort, nachdem er den Jungen versteckt hatte, bei der Höchsten der Sieben zurückzumelden. Man riss ihm zunächst die Zunge heraus und als man die Situation erneut überdacht hatte, köpfte man ihn.«
Wil schüttelte sich. Dabei vernahm er ein deutliches Knurren. »Ich bekomme langsam Hunger. Gibt es in diesem verdammten Thal nichts zu essen?«
»Dnal«, verbesserte ihn Marita und zauberte aus dem üppigen Dekolleté ihres berauschenden Kleides einen kleinen Laib Brot und ein großes Stück Rauchfleisch.
»Ich danke dir, meine Perle«, sagte Wil und fuhr, nachdem er ein paar Mal abwechselnd von Brot und Fleisch abgebissen hatte, zu Rebauz gewandt fort: »Wie wollen Sie ihn dann jemals wiederfinden?«
»Sie vergessen, dass wir die Magie beherrschen.«
»Richtig.«
»Einem Magier ist es möglich, Magie aufzuspüren. Vor allem, wenn es verwandte Magie ist.«
»Natürlich.« Wil nickte wissend. »Erklären Sie mir nur eines. Wozu brauchen Sie dann mich?«
»Etwas scheint nicht zu funktionieren. Natürlich musste dafür gesorgt werden, dass das Kind seine Magie unterdrückt, um nicht von Eigam gefunden zu werden. Eine Restspur seiner Magie sollte jedoch für den Vater, also mich, spürbar sein. Doch, wie gesagt, es hat außergewöhnliche Fähigkeiten. Es scheint jede magische Spur so restlos zu unterdrücken, dass auch ich und seine Mütter es nicht zu finden vermögen.«
»Da ich keine andere Möglichkeit zu haben scheine, werde ich Ihnen helfen. Ich glaube nicht, dass Sie, der große Rebauz, in diesem Dorf in einer Herberge leben. Daher gehe ich davon aus, Sie hatten einen guten Grund dafür, mich hierher zu … wie sagten Sie … geleiten? Warum denken Sie, ich sollte hier mit der Suche beginnen?«
»Ich habe mich natürlich schon eine Weile bemüht, den Jungen zu finden. Ich fand heraus, dass es hier in den letzten Jahren immer wieder Vorfälle gab, die zumindest an ein Wunder grenzten, wenn sie es denn nicht sogar waren. Schwerkranke Menschen standen vom Sterbebett wieder auf, manche Krankheiten schienen geradezu einen Bogen um das Dorf zu machen. Einige Menschen werden unnatürlich alt, das Wetter ist hier unglaublich mild, selbst Winterstürme, die die umliegenden Dörfer teilweise in arge Not gebracht haben, berührten Nigeb kaum. Das sind nur einige Beispiele, die aber auf die Anwesenheit einer Macht hindeuten, wie es in Dnal keine zweite gibt. Dennoch konnte ich das Kind hier nicht ausfindig machen.«
»Merkwürdig«, sagte Wil nachdenklich. Er schaute aus dem Fenster, das ein herrliches Abendrot zeigte. Ihm schien noch nicht alles geklärt zu sein, doch er sagte: »Vielleicht darf ich zunächst eine Nacht darüber schlafen. Ich bin schon sehr müde, war es schon, als ich hier angekommen bin. Morgen werde ich meine Ermittlungen beginnen und mich mit Marita im Dorf umhören. Wenn es möglich ist, würde ich mich auch gern mit den Damen des magischen Siebenecks unterhalten.«
»Kreis«, verbesserter Marita.
»Richtig. Dieser ganze Schnickschnack bringt mich völlig durcheinander. Also, Herr Rebauz, wäre Ihnen das recht?«
»Natürlich. Ruhen Sie sich nur erst aus. Ich habe gleich nebenan ein Zimmer für Sie herrichten lassen. Und wenn Sie es wirklich für nötig erachten, den viel beschäftigten Kreis zu befragen, die Burg der Feen liegt nicht weit von hier, am Fuß des Gebirges. Ernst kann sie dorthin bringen, hoffentlich ohne viel Aufsehen zu erregen.«
»Wir werden vorsichtig sein«, antwortete Wil.

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Alea Ein Jahr danachBirgit Käker, Jörg Olbrich (Hrsg.)
Alea³ – Ein Jahr danach

broschiert, 250 Seiten
Web-Site-Verlag
ISBN: 3-935982-05-4

Ein Jahr ist es jetzt her, dass ein schwarzer Würfel aus Obsidian, der auf jeder Seite eine römische Drei zeigt, seine Finder in fremde Welten entführt hat. Was ist aus denen geworden, die auf eigenen Wunsch nicht zurückgekehrt sind? Wie ist es ihnen ergangen? Haben sie ihre Entscheidung bereut? Dieses Buch gibt die Antworten und zeigt wie unsere Helden die neuen Aufgaben meistern. Aber auch der Würfel ist in der Zwischenzeit nicht untätig geblieben und hat neue Personen gefunden, die das Abenteuer ihres Lebens erleben.

Zehn Autorinnen und Autoren nehmen Sie mit in lustigen, spannenden, tragischen und gefühlvollen Geschichten.

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Hart aber fair

Autoren, die eine kleine, feine Plattform suchen, auf der sie mit anderen an ihren Texten arbeiten können, sollten einmal auf Antholog vorbeischauen. Das Forum des alten Internethasen Compuexe will sich in Zukunft verstärkt der Textarbeit widmen.

Zart besaitet sollte man allerdings nicht sein. Der Titel dieses Beitrags könnte gut als Motto Compuexes durchgehen. Die meisten seiner „Jünger“ dürften aber bestätigen: So lernt man wirklich was.