Bin ich jetzt Fotograf?

Lange Zeit habe ich mich schwer getan, mich Autor zu nennen. Dabei könnte sich im weitesten Sinne des Begriffs jeder, der irgendwann irgendetwas geschrieben hat, einen Brief, einen Aufsatz, ein Gedicht, ja auch nur einen einzelnen Satz, Autor nennen. In diesem weitesten Sinne sind wir also bis auf wenige Ausnahmen alle Autoren.

Nun ist es ja aber so, dass der Begriff Autor im Allgemeinen nicht in diesem weitesten Sinne verstanden wird, sondern eher als eine Art Berufszeichnung, selbst dann, wenn bekannt sein sollte, das nur wenige Autoren allein von ihrer Autorentätigkeit leben können.

In demjenigem, dem wir erzählen, wir seien Autor, werden also gewisse Vorstellungen geweckt, welche Voraussetzungen wir erfüllen müssen, um uns so titulieren zu dürfen. Die werden bei jedem ein bisschen anders aussehen, aber immer wird es irgendwie in die Richtung gehen, dass es um Veröffentlichungen geht, dass eine gewisse Professionalität dahintersteckt, dass es andere gibt, die unsere Autorentätigkeit als solche würdigen (Verlage zum Beispiel, und natürlich Leser).

Was aber hat das mit dem Titel dieses Blogeintrags zu tun? Nun, ich habe mir vor einigen Tagen einen kleinen Fotoapparat gekauft. Einige Bilder habe ich bereits geschossen. Vielleicht stelle ich demnächst ein oder zwei auf irgendeiner frei zugänglichen Internetplattform aus. Darf ich nun meine Vita erweitern? Bin ich jetzt Fotograf?

4 Antworten auf “Bin ich jetzt Fotograf?”

  1. DAS darfst du dir gleich abschminken 😉 Fotodesigner darfst du dich nennen, da „Fotograf“ ein geschützter Berufsname ist, den du nur tragen darfst, wenn du es auch gelernt hast.

    Autor oder Schriftsteller – sagt nur aus, dass du einmal etwas veröffentlicht hast. Gerade in der „Schreiberei“ gibt es so viele Lücken um sich mit Titeln zu bewerfen. Ich hab mal für ein Zine wissenschaftliche Kurzbeiträge geschrieben. So hätte ich mich sogar als Wissenschafts-Publizist betiteln dürfen 😉

    Genauso ist es mit dem „Journalisten“: Es gibt zwar das Studium Journalistik, aber das muss man nicht haben, um sich Journalist nennen zu dürfen. Veröffentlichungen in Printmedien reichen da vollkommen aus 😉

    Du siehst, vertrau keiner Visitenkarte – da steht manchmal mehr drauf, als drin steckt 😉

    1. Aber, aber, mein lieber Wortman, du wirst doch dieses kleine Essay nicht so ernst nehmen. Natürlich weiß ich, dass es rein rechtlich einen Unterschied macht, ob ich eine geschützte oder eine nicht geschützte Berufsbezeichnung offiziell verwenden will.
      Trotzdem finde ich den Vergleich ganz passend, weil es ja nicht so sehr um die rechtliche Seite geht als um die der persönlichen Selbstdarstellung.
      Und sei versichert, ich werde mich bestimmt nicht einmal in dieser Hinsicht Fotograf nennen, höchstens im Scherz. 😉

  2. Nee, nicht ernst in dem Sinne 😉

    Um ehrlich zu sein, mir kam vor dem ersten Posting ein paar alte Erinnerungen in den Sinn, wenn manche Leute glauben, sie wären besonders toll, weil sie X oder Y auf ihrer Visitenkarte stehen hatten. Das hat wahrscheinlich den Grundton beeinflusst 🙂

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