Komplizierte Sätze

Ich sinniere seit gestern Abend (wenn gerade Zeit ist) über ein Posting in einem Autorenforum. Ein User hatte einen Satz aus seinem aktuellen Projekt gepostet, in dem er sich bei einer grammatischen Frage nicht sicher war. Die Frage selbst war schnell zu klären, doch gab es eine ganze Reihe Anmerkungen, wie man den Satz einerseits übersichtlicher (also verständlicher), andererseits überhaupt sinnvoller gestalten könne.

Tatsächlich war es ein recht langer Satz, der viele Informationen gleichzeitig enthielt und auf jeden Fall den Leser, möglicherweise auch den Autor mit schwierig herstellbaren Bezügen der Satzteile untereinander überforderte.

Nun kenne ich Ähnliches aus meiner Lektoratstätigkeit. Besonder „junge“ Autoren neigen dazu, viel zu wenig Punkte zu setzen, den einzelnen Satz mit Informationen zu überfrachten und Satzstrukturen zu erschaffen, mit denen sie selbst dann nicht mehr klarkommen. Das ist nichts Verwerfliches, aber vielleicht etwas Vermeidbares.

Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Ein Schreibstil, der mit kunstvoll zusammengezauberten Sätzen jongliert, ist etwas Feines, solange er zum Text passt und von seinem Autor beherrscht wird. Es ist aber auch wahr, dass eine spannend erzählte Geschichte auch in einer straffen, einfachen Sprache wirken kann, vor allem dann, wenn sie sich weder Ausrutscher in die eine noch in die andere Richtung erlaubt.

Warum brachte mich nun dieses Posting zum Grübeln? Weil es mir erstmals einen noch etwas vernebelten Weg aufzeigt, wie man Autoren raten könnte, die mit diesem Problem zu kämpfen haben.

Ich muss noch ein bisschen darüber nachdenken, dann wird das sicherlich ein Thema für mein Lektorenblog. Tipps von eurer Seite nehme ich dabei gern entgegen.

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Comments
2 Responses to “Komplizierte Sätze”
  1. Matthias sagt:

    Das Problem der Schachtelsätze kennt wohl jeder, der schreibt. Mir fällt das Punktsetzen leichter, seit ich das Programm Papyrus Autor einsetze. Ich lasse grundsätzlich alle Sätze mit mehr als 25 Wörtern anzeigen. Es lohnt sich oft, über diese Formulierungen noch einmal nachzudenken.

    • autorphilipp sagt:

      Ja, Papyrus soll ein gutes Programm sein. Ich selbst habe es noch nicht ausprobiert. Der Tipp ist gut. Nachdenken über das, was man geschrieben hat, sowieso immer.

      Ich denke aber noch an eine Lösung, die nicht allein die Länge eines Satzes als Grundlage nimmt. Eher die Anzahl der neuen Informationen in einem Satz. Die sollte vielleicht beim Schreibanfänger, der sich im Satzbau noch nicht immer so sicher ist, zunächst in der Regel auf eine einzige, in Ausnahmefällen auf zwei zurückgefahren werden. Das kann natürlich nur eine helfende Brücke sein. Ob es praktikabel ist, muss ich noch ausprobieren. Und ob es wirklich hilft, ebenso.

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