Interview mit mir

Um die „Edition Geschichtenweber“ noch besser kennenzulernen, führt Sabrina Eberl (SE) regelmäßig Interviews mit ausgewählten Autoren.

SE: Philipp Bobrowski (PB) ist nicht nur ein talentierter Autor, sondern auch ein Geschichtenweber der ersten Stunde. Im März 2008 wurde sein erster Fantasyroman „Das Lächeln der Kriegerin“ beim Hinstorff Verlag veröffentlicht. Weiters schreibt und arbeitet er sehr engagiert an Kurzgeschichten und ist Mitherausgeber der Anthologie „Burgturm im Nebel“. Dies sind nur ein paar der Gründe, weshalb ich Philipp, um dieses Interview gebeten habe. Lieber Philipp, was macht für dich sowohl beim Lesen, als auch beim Schreiben, eine gute Geschichte aus?

PB: Kriterien für gute Geschichten gibt es viele und ich könnte kaum sagen, welche mir die wichtigsten sind. Ich denke, eine gute Geschichte erzählt etwas auf irgendeine Weise Spannendes oder Interessantes. Und sie erzählt es in einer spannenden oder interessanten Art. Natürlich darf es gern auch spannend und interessant zugleich sein. Das bedeutet meistens, aber nicht unbedingt, dass sie mir auch etwas Neues erzählt oder mir etwas auf neue Art und Weise erzählt. Und ich liebe es, wenn mir ein Text mehr erzählt, als es seine Buchstaben vermuten lassen. Wenn etwas zwischen den Zeilen steht und ich Intertpretationsspielraum habe. Das versuche ich immer auch beim Schreiben umzusetzen.
Nüchtern betrachtet könnte man sagen: Eine gute Geschichte ist die, die das Richtige mit den richtigen Mitteln erzählt. Eine im wahrsten Sinne erstaunliche Geschichte wäre dann die, die mich dabei noch überrascht.

SE: Was macht dir beim Schreiben Spaß und was nicht so sehr?

PB: Das ist schwer zu sagen und auch nicht immer gleich. Tendenziell bin ich einer, der gern seine Fantasie spielen lässt und die Geschichte im Kopf oft schon weit vorausdenkt, nicht selten bis zum bitteren oder schönen Ende. Dann ist das Schreiben selbst oft unbefriedigend, weil es so viel langsamer voranschleicht und meist den eigenen Erwartungen weniger gerecht wird. Auch das Überarbeiten ist für mich eher trockene Arbeit.
Allerdings kann im konkreten Fall, besonders natürlich wenn es gut läuft, sowohl das Schreiben als auch das Überarbeiten richtig Spaß machen. Und immer gibt es diese kleinen Highlights, wenn man das Gefühl hat, eine Formulierung, eine Szene oder einen Dialog besonders gut hinbekommen zu haben. Und dann die absoluten Tiefs, wenn man feststeckt und sich gar keine Lösung am Horizont zeigen will.

SE: Was hat dich inspiriert „Das Lächeln der Kriegerin“ zu schreiben?

PB: Von Inspiration im engeren Sinne kann man eigentlich nicht sprechen. Ich hatte diese Kurzgeschichte geschrieben, Der Bote. Sie handelte von einem jungen Mädchen, das eine Aufgabe übernehmen muss, die sie zum ersten Mal mit dem Tod konfrontiert. Denn sie selbst tötet. Schon beim Schreiben wusste ich, dass die Geschichte Stoff für einen Roman bieten würde, machte mir Notizen für einen längern Plot, schrieb ein erstes Kapitel usw. Dabei flossen Fragen der Toleranz und des menschlichen Verhaltens ein, die für mich zum Leitmotiv wurden. Fragen, die für mich auch im realen Leben von höchster Brisanz sind.
Als Konrad Reich, damals noch Konrad-Reich-Verlag, mich einlud und mir eröffnete, dass er mich für ein Stipendium erwählt hatte, suchten wir gemeinsam diesen Stoff für meinen Debütroman aus. Inzwischen war für mich klar, dass ich damit einen Fantasyroman schreiben wollte, der diese Fragen in den Mittelpunkt stellt.

SE: Woran schreibst du gerade?

PB: In Planung habe ich vieles. Diverse Romanideen warten darauf, umgesetzt zu werden, allen voran eine Fortsetzung der Kriegerin, die ich selbst gar nicht erwartet hatte. An der schreibe ich gerade, wobei sich da manches zwischenschiebt: Im Moment nehmen mich vor allem Lektoratsaufträge in Beschlag, denn ich betätige mich neben dem Schreiben auch als Lektor. Eine Kindergeschichte ist fast fertig. Ich leite ein Romanprojekt für die Geschichtenweber und bin an Die Unterirdischen, einer Geschichtenweber-Anthologie, beteiligt. Eigentlich müsste ich hoffen, dass mir in den nächsten Jahren keine neuen Ideen kommen. Aber ich fürchte, da ist kein Kraut gegen gewachsen.

SE: Zum Schluss noch etwas Persönliches. Was war das Verrückteste, das du je gemacht hast?

PB: Wo soll ich da anfangen? Jemand, der so gern feiert wie ich, macht viele verrückte Sachen, an die er sich oft nicht mehr erinnert. Aber besonders in Erinnerung ist mir eine, die Grundlage für meine Geschichte „Käuze am Küstrinchen“ in der Geschichtenweber-Anthologie „Schatten des Jenseits“ war.
Wir sind damals regelmäßig Paddeln gewesen, meist auf der Mecklenburger Seenplatte. Dort gibt es neben herrlichen Seen viele verwinkelte und geheimnisvolle Bäche. Einer davon ist der Küstrinchen. Im Sommer führt er in der Regel zu wenig Wasser und man muss aussteigen und die Boote ziehen (treideln). Wir kamen erst am Abend am Küstrinchen an, waren aber hinter dem Bach noch verabredet und wollten ihn daher noch hinter uns bringen.
Eine Hälfte ging zu Fuß durch den Wald, die andere Hälfte, unter anderem ich, manövrierte die Boote durch die flachen Wasser des Küstrinchen. Nur wurde es im Wald erstaunlich schnell dunkel. Eine Dunkelheit, die der Städter nicht kennt. Hier traf der Spruch tatsächlich zu: Ich konnte meine Hand vor Augen nicht sehen. Es wurde ein richtiges Abenteuer: Mit den Füßen im strömenden Wasser, mit dem Kopf gegen den nächsten Ast. Wer sein Boot losließ, fand es nicht wieder. Ständig Stolpersteine, Wurzeln, Untiefen, der Vordermann oder gar das Ufer im Weg. Noch nie im Leben saß mir das Herz derart tief in der Hose. Aber wir haben es geschafft und sind alle noch am Leben.

SE: Vielen Dank, lieber Philipp, für das interessante Interview!

Mehr zu Philipp Bobrowski: [HIER]

Homepage: www.philippbobrowski.de

von Sabrina Eberl (SE)

Quelle: Geschichtenweber

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